AIDS und HIV-Infektion

Ursache und Risikofaktoren 
Das Krankheitsbild 
Was man selbst tun kann – Vorbeugen 
AIDS und Schwangerschaft 
Wann braucht es den Arzt 
Weiterführende Informationen und Adressen 

Begriffsbestimmungen

HIV oder HI-Virus: Abkürzung für „Human Immunodeficiency Virus“, den Krankheitserreger von AIDS. Das Virus verbleibt im Körper; es lässt sich nicht vollständig eliminieren, auch wenn mit neuen Medikamenten eine erhebliche Reduktion der Anzahl Viren im Blut möglich ist. Impfschutz sowie neue, wirksamere und besser verträgliche Medikamente sind Gegenstand intensiver Forschung.

HIV-positiv: Dies bedeutet, dass ein Mensch mit dem HI-Virus infiziert wurde und andere Personen anstecken kann. Die Infektion schwächt das Immunsystems und führt allmählich zur Abwehrschwäche des Körpers gegen viele Krankheitserreger und Tumore, ohne dass vorerst eine manifeste AIDS-Erkrankung besteht.

AIDS („Acquired Immuno-Deficiency Syndrome“, erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom): Der Name der Krankheit bezieht sich auf das Zusammenbrechen der Immunabwehr eines HIV-Infizierten. Nicht beherrschbare Infektionen und Tumorbildung sind dann häufige Todesursachen.

Man schätzt, dass sich zwischen 1980 und heute weltweit über 100 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert haben. Besonders betroffen von der HIV-Pandemie waren und sind teils heute noch Zentral- und Südafrika, Süd-, Südost- und Zentralasien, Südamerika sowie Osteuropa.

In der Schweiz: Seit 2002 werden jährlich zwischen 700 und 800 Neuansteckungen gemeldet, wobei seither kein eindeutiger Rückgang mehr auszumachen ist (BAG). Die Zahl der angesteckten homosexuellen Männer hat nach vorübergehender Abnahme sogar wieder zugenommen.

Dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten sterben immer weniger Menschen an der Krankheit. 1994 wurden noch 686 Todesfälle gezählt, seither sank die Zahl stetig und betrug ab 2001 etwa 100 pro Jahr. Insgesamt sind in der Schweiz bis Ende 2006 5684 Menschen verstorben (Angaben der AIDS-Hilfe Schweiz).

Der Verlauf einer HIV-Infektionskrankheit ist individuell unterschiedlich und hängt von mehreren Faktoren ab. Virustyp und -menge, Zustand des Immunsystems, Alter und Geschlecht des Betroffenen haben einen Einfluss, vermutlich auch psychische Belastungen und soziales Umfeld. Bei manchen HIV-Infizierten machen sich bereits nach ein paar Monaten Symptome einer AIDS-Erkrankung bemerkbar, andere sind nach 15 Jahren noch symptomlos. Nicht klar ist bis anhin, ob es Infizierte gibt, die nie an AIDS erkranken werden.

Ursache und Risikofaktoren

Das HI-Virus gelangt aus Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret durch minimale Verletzungen von Schleimhaut oder Haut (auch Injektionsstiche) in den Körper. Eine „vertikale Übertragung“ von der Schwangeren auf das ungeborene Kind ist möglich, zudem die Infektion beim Stillen. Bluttransfusionen und Organtransplantationen sind heute wegen routinemässigen HIV-Tests seltene Infektionsquellen.

Im Blut des Infizierten zerstört das Virus weisse Blutkörperchen, die zum Immunsystem gehören, die so genannten CD4-Zellen oder CD4-T-Lymphozyten. Diese (oft „T-Helferzellen“ genannt) braucht der Körper, um die Erkrankung zu verhindern. Sinkt die Zahl der CD4-Zellen unter einen bestimmten Wert, ist der Schutz vor Infektionen erheblich beeinträchtigt. Je stärker sich das Virus vermehrt, desto schwächer wird die körpereigene Abwehr, so dass schliesslich Bakterien, Pilze oder Viren, die für den gesunden Menschen nicht lebensbedrohend sind, eine schwere Erkrankung mit Todesfolge auslösen können.

Nicht zu einer HIV-Infektion führen: Händeschütteln, Umarmen, Anhusten, Anniesen, der gemeinsame Gebrauch von sauberem Geschirr, Besteck, Toiletten und Handtüchern, Sauna- und Schwimmbadbesuche oder Mückenstiche. Der Kontakt beim Schulbesuch und am Arbeitsplatz ist demnach ungefährlich.

Das Krankheitsbild

Die Infektion durch das Virus bleibt unsichtbar; an die Möglichkeit, „dass es passiert sein könnte“, muss daher jeder Mensch nach einer entsprechenden Verhaltensweise denken. In der Regel ist das Virus nach wenigen Wochen im Blut direkt festzustellen (direkter Nachweis) und bereits zu diesem Zeitpunkt besteht ein hohes Risiko, andere anzustecken. Der Antikörpertest ist gegenüber dem direkten ein indirekter Nachweis und wird erst nach Wochen oder sogar Monaten positiv (serologische Latenzzeit, „serologisches Fenster“) – der Infizierte ist dann HIV-positiv.

In der Frühphase der Krankheit, einige Wochen nach der Ansteckung, sind grippeähnliche Symptome wie Abgeschlagenheit, Fieber, Lymphknotenschwellungen, Kopf- und Gliederschmerzen meist die einzigen Hinweise auf die Infektion (bezeichnet als „akute HIV-Krankheit“).

Nach Abklingen dieser Erscheinungen folgt ein symptomfreies Intervall von einigen Monaten bis zu vielen Jahren. In dieser so genannten Latenzphase fühlen sich die Infizierten nicht krank, sie bleiben jedoch ansteckend.

Schafft es das Immunsystem später nicht mehr, die Virusvermehrung zu verhindern, kommt es zur voll ausgeprägten AIDS-Krankheit mit Lymphknotenschwellungen, Fieber, Durchfall, Gewichtsverlust und verminderter Leistungsfähigkeit. Symptome von Seite des zentralen Nervensystems ist eine chronische Hirnentzündung mit motorischen Ausfällen und intellektuellem Abbau. Nun können auch  verschiedene Folgekrankheiten und Infektionen auftreten, die Menschen mit einer intakten Abwehr nicht bekommen, insbesondere so genannte opportunistische Infektionen und bestimmte bösartige Tumore. Beispiele:

  • Eine besondere Art der Lungenentzündungen, die Pneumocystis carinii-Pneumonie

  • Anderweitige Infektionen, insbesondere Toxoplasmose, Cytomegalie, Tuberkulose und Pilzkrankheiten (Candida albicans)

  • Tumore innerer Organe (maligne Lymphome) und der Haut wie das Kaposisarkom

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Sich selbst vor der Infektion schützen: Schutz durch Kondome beim Geschlechtsverkehr. Schon ein einmaliger, ungeschützter Geschlechtsverkehr mit einem HIV-positiven Menschen kann eine Infektion zur Folge haben.

  • Da ein Infektionsweg auch heute noch über verunreinigte Spritzen und Nadeln von Drogenabhängigen führt, sollten diese Gegenstände grundsätzlich nicht mehrmals verwendet werden. Akupunkturnadeln, Tätowier- und ähnliche Instrumente müssen ebenfalls steril sein.

  • Für Personen, die beruflich mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten zu tun haben, ist das Einhalten der Hygienevorschriften unerlässlich, insbesondere das Tragen von Handschuhen.

  • Wer selbst infiziert ist, muss den Partner informieren. Das wissentliche Anstecken  anderer Menschen ist strafbar und hat schon zu Verurteilungen geführt.

  • Es gibt (noch) keine Impfung gegen die HI-Viren.

AIDS und Schwangerschaft

Es ist entscheidend, dass die HIV-Infektion einer werdenden Mutter bekannt ist und behandelt wird. Die Schwangere benötigt eine optimale Therapie, die von einem erfahrenen Team von Infektiologen, Geburtshelfern und Kinderärzten festgelegt werden sollte. Eine Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind lässt sich fast immer verhindern (das Restrisiko liegt unter 2%) und das Neugeborene hat damit eine grosse Chance, gesund geboren zu werden. Ein erhöhtes Missbildungsrisiko ist nicht bekannt.

Eine prophylaktische antivirale (antiretrovirale) Behandlung für die Dauer von 4 Wochen wird für das Neugeborene einer HIV-positiven Mutter empfohlen, auf das Stillen ist sicherheitshalber zu verzichten.

Wann braucht es den Arzt

HIV-Tests erfolgen unter strengen Datenschutzvorschriften und jedes positive Resultat wird durch mehrere Tests überprüft. Eine bestätigte HIV-Infektion bedarf der Begleitung eines Arztes.

HIV-Positive und AIDS-Kranke werden mit Medikamenten-Kombinationen behandelt, welche die HI-Viren oder deren Vermehrung bekämpfen (antiretrovirale Therapie). Diese Therapie ruft viele und teils schwerwiegende Nebenwirkungen hervor, ist belastend und muss langfristig erfolgen. Regelmässige Kontrollen sind nötig. Der Krankheitsausbruch wird dadurch wesentlich hinausgezögert oder sogar verhindert. Das Eliminieren des Virus aus dem Körper und damit die vollständige Heilung lassen sich auch heute noch nicht zusichern.

Weiterführende Informationen und Adressen

www.aids.ch
www.stopaids.ch
www.hiv.net

Aids-Hilfe Schweiz
Konradstrasse 20
Postfach 141
8031 Zürich

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, Luzern

Letzte Aktualisierung: 27.10.2008
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