Hirnhautentzündung, Meningitis Hirnentzündung, EnzephalitisUrsachen und Risikofaktoren Das Krankheitsbild Was
man selbst tun kann – Vorbeugen Wann
braucht es den Arzt Weiterführende Informationen und Adressen
Die Besiedelung der Hirnhäute mit Krankheitserregern verursacht eine Infektion
und Entzündung, die mit oder ohne Eiterbildung abläuft. Greift sie auf das Hirngewebe über, kommt es
zur Enzephalitis (Hirnentzündung) oder genauer zur Meningoenzephalitis (Entzündung von Hirnhäuten und
zugleich Hirngewebe). Genau abgrenzen lassen sich die Krankheitsbilder indessen nicht, denn mehrheitlich
ist bei einer Meningitis auch angrenzendes Hirngewebe ins Krankheitsgeschehen einbezogen und umgekehrt.
Begriffsbestimmungen Meninx: aus dem Altgriechischen: μήνιγξ, Meninx, die Hirnhaut. Der Begriff wird meist in der Mehrzahl verwendet: die Meningen. Meningitis: Entzündung der Hirnhaut bzw. der Hirnhäute. Mehrzahl Meningitiden. Meningokokken: Bakterienart, Erreger einer besonders schweren Form von Meningitis. Enzephalitis: aus dem
Altgriechischen: εγκέφαλος Enkephalos, das Gehirn. Die Endung „-itis“ steht für Entzündung, entsprechend bedeutet Enzephalitis Hirnentzündung. Autoimmunkrankheit: Bei autoimmunen Vorgängen richtet sich das Abwehrsystem gegen körpereigenes Gewebe. Epidemie: Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch. Mikroorganismen: winzige Lebewesen, die von Auge nicht oder kaum erkennbar sind. Dazu gezählt werden Bakterien, Pilze, Protozoen (Einzeller), einige Algen
und ebenso die Viren, obwohl Letztere die Bedingungen der biologischen Definition von Lebewesen nicht erfüllen, da sie keinen eigenen Stoffwechsel haben. Nicht alle Mikroorganismen sind krankmachend, trotzdem wird der Ausdruck oft synonym für Krankheitserreger verwendet.
Anatomie Die Hirnhäute (Meningen) sind zwei Gewebsmembranen, die das Gehirn und das Rückenmark umhüllen und gegen die Schädel- und Wirbelknochen abgrenzen. Die äussere, hart anzufühlende Hirnhaut liegt der Innenseite der Knochen dicht an; die innere dünne und weiche Hirnhaut überzieht unmittelbar die Hirnwindungen und das Rückenmark. Beide sind – im Gegensatz zum Gehirn selbst – sehr schmerzempfindlich |
Kinder
und Jugendliche sind besonders häufig von der Krankheit betroffen, und auch in Rekrutenschulen treten
immer wieder vereinzelte Fälle auf. In der Schweiz wurde erstmals 1805 eine Meningitis-Epidemie in Genf
beschrieben.
Ursachen und RisikofaktorenEine
Entzündung oder Reizung der Hirnhäute oder des Gehirns kommt auf verschiedene Weise zustande. Infektion
durch Mikroorganismen, infektiöse Meningitis Die Mehrzahl der Krankheitserreger,
die eine Meningitis oder Enzephalitis auslösen, wird durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) übertragen.
Bakterien oder Viren gelangen danach von irgendwo im Körper mit dem strömenden Blut
ins Gehirn, seltener „wandern“ sie direkt aus Infektionsherden vom Mittelohr oder
vereinzelt von den Nasennebenhöhlen ins Schädelinnere. Eine direkte Eintrittspforte
für Bakterien ist eine offene Verletzung des Schädels. Auftreten
und Verlauf insbesondere von bakteriellen Hirnhaut- und Hirnentzündungen sind vom Gesundheitszustand
und wahrscheinlich von anderen noch unbekannten Faktoren abhängig. Mehrheitlich sind Säuglinge, Kleinkinder
und abwehrgeschwächte Menschen betroffen. Bakterien *
Meningokokken, Pneumokokken, Hämophilus Influenzae B und Streptokokken verursachen die gefährliche
eitrige
Meningitis. Meningokokken sind die Erreger der schwersten Form. Ansonsten verursachen diese Mikroorganismen
jedoch nur unkomplizierte Infektionen der Luftwege und sie lassen sich sogar bei manchen Gesunden im
Mund-Rachenbereich nachweisen. Daraus lässt sich schliessen, dass Meningokokken nicht unbedingt eine
schwere Erkrankung auslösen müssen. * Andere Bakterien sind in der Lage
nicht-eitrige Hirnhaut- oder Hirnentzündungen
hervorzurufen, z.B. Tuberkulosebazillen, Borrelien und der Erreger der Syphilis. Viren:
relativ häufig sind nicht-eitrige Hirnhautentzündungen
durch Viren. Viruskrankheiten können grundsätzlich mit den Zeichen einer Meningitis verlaufen, Beispiele
sind Grippe, Mumps,
Masern, Röteln,
Herpes, oder die durch Zecken übertragene FSME
und Poliomyelitis. Pilze
und Protozoen (z. B. Toxoplasmen,
Amöben) sind vereinzelt Erreger einer nicht-eitrigen
Hirnhautentzündung. Eine Pilzinfektion der Hirnhäute kommt vor als Begleitkrankheit („opportunistische
Infektion“) schwerer Leiden, die lang dauernde Chemotherapie oder Immunsuppression erfordern.
Nicht-infektiöse
Meningitis Ein Reizzustand oder eine Entzündung der Hirnhäute
kommt nicht ausschliesslich durch Mikroorganismen zustande. Andere Ursachen sind: Physikalische
und chemische Einwirkung: Intensive Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf bewirkt eine sterile
Reizung und Entzündung der Hirnhäute (Sonnenstich). Besonders Kleinkinder sind gefährdet, und Menschen
mit Glatze. Medikamenten-Unverträglichkeit kann desgleichen eine entzündliche Reizung der Hirnhaut verursachen. Autoimmune
Vorgänge: Eine Entzündung des Gehirns, allenfalls auch der Hirnhäute oder des Rückenmarks, durch
autoimmune Vorgänge führt bei Multipler Sklerose und anderen Erkrankungen zu vielfältigen
gesundheitlichen Störungen. Bösartige Tumore: Metastasen
bösartiger Geschwülste, zum Beispiel von Lymphomen, Brust- und Lungenkarzinomen,
können sich auf den Hirnhäuten ausbreiten, auch in der Hirnsubstanz selbst weiter wachsen und im Gewebe
eine entzündliche Reizung auslösen.
Das KrankheitsbildDie
Mehrzahl der Symptome findet sich sowohl bei der Meningitis als auch bei der Enzephalitis. Bei Säuglingen
und Kleinkindern sind sie meist weniger ausgeprägt, was jedoch keinen Rückschluss auf den Schweregrad
der Erkrankung zulässt. Ein typisches Krankheitsbild weist
die akute bakterielle Meningitis auf. Sie beginnt plötzlich als grippeähnliche Krankheit
mit steilem Fieberanstieg, Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Virale Hirnhautentzündungen verlaufen
demgegenüber praktisch immer milder. Charakteristika sind: Kopfweh:
Ein Reizzustand der Hirnhäute gleich welcher Ursache geht mit intensiven Kopfschmerzen einher. Kopfweh
ist eines der Leitsymptome. Fieber, bei bakteriellen
Erkrankungen auch Schüttelfrost; gelegentlich Untertemperatur. Nackensteife
oder Genickstarre: Sie ist ein typisches und wohl das bekannteste Symptom der Meningitis: Der
Kopf kann nicht mehr nach vorn gebeugt werden und bohrt sich nach hinten ins Kissen; oft zieht der Kranke
die Beine an. Übelkeit, Erbrechen; Schwindel. Licht-
und Geräuschempfindlichkeit; Doppelbilder, Hörstörungen. Bewusstseinstrübung
bis zum Koma, Krampfanfälle und Lähmungen weisen auf eine Hirnbeteiligung (Enzephalitis) hin. Die
Haut ist bei bakterieller, eitriger Meningitis am ganzen Körper bei blosser Berührung schmerzhaft.
Manchmal bestehen ein masernähnlicher Ausschlag und an den Lippen Herpesbläschen. Zeichen sehr schwerer
Erkrankung sind viele kleine rot-bläuliche Flecken auf der Haut (Petechien). Sie entstehen durch Blutungen
aus Kapillaren (kleinsten Gefässen). Zusätzliche Symptome
einer chronisch verlaufenden, nicht-infektiösen Meningitis können sein: Chronische
Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Schwäche in Armen oder Beinen, unsicherer Gang, Sehstörungen, Hörverlust,
Veränderung der intellektuellen Fähigkeiten und der Persönlichkeit.
Komplikationen
Sie sind möglich bei bakteriellen Hirnhaut- oder Hirnentzündungen nach viralen
sind sie heute hingegen dank der Impfungen gegen Kinderkrankheiten selten (Ausnahme: schwer verlaufende
Herpes-Enzephalitis). Übergreifen der Entzündung von
den Hirnhäuten auf das Gehirn, eventuell auch auf das Rückenmark. Hirnabszess. Hydrozephalus
(„Wasserkopf“) bei Säuglingen. Sepsis, septischer
Schock. Thrombose in Hirnvenen. Bleibende
neurologische Schäden wie Lähmungen, Gehörverlust, Sprachstörungen, Veränderung der Psyche (Verhaltensauffälligkeiten),
Epilepsie.
Prognose Sie
ist von den Ursachen abhängig, so von der Art des Erregers, vom Alter des Patienten, von vorbestehenden
Krankheiten und Abwehrschwäche. Eine Meningokokken-Meningitis verläuft bei Neugeborenen und alten Menschen
auch heute noch in bis zu 70% tödlich, bei jüngeren Erwachsenen und zuvor Gesunden in 5 bis 10% der
Fälle. Eine Hirnhautreizung durch Sonnenstich heilt folgenlos aus, während bei einer karzinomatösen
Meningitis wegen des bösartigen Grundleidens ein tödlicher Ausgang bevorsteht. Was
man selbst tun kann – VorbeugenManche bakterielle Meningitiden
sind ansteckend; der Kontakt mit Erkrankten ist deshalb zu meiden und bei Verdacht frühzeitig der Arzt
zu konsultieren. Vorbeugen Gegen
einige der möglichen Meningitis-Erreger gibt es Schutzimpfungen. Meningokokken:
Die Impfung wird empfohlen für Menschen mit Abwehrschwäche, z. B. wegen Leukämie,
einer anderen Krebserkrankung oder nach Entfernung der Milz, ausserdem bei spezieller Exposition in
Epidemiegebieten und Kasernen. Hämophilus influenzae
Typ B: Das in der Schweiz empfohlene Impfschema für Kinder enthält neben Mumps und Masern auch
eine Impfung gegen dieses Bakterium, den häufigsten Meningitis-Erreger bei Kindern. Dieses Bakterium
ist nicht mit dem Influenza-Virus, also dem Grippevirus, zu verwechseln. Pneumokokken:
Geimpft werden vor allem ältere Menschen und solche mit Krankheiten, welche die Abwehr schwächen
(s. oben, erster Punkt) sowie Frühgeborene, die vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen. Weitere
Impfmöglichkeiten bestehen gegen Grippe und FSME. Gegen Gelbfieber kann ebenfalls geimpft werden,
doch stehen betreffend Tropenkrankheiten vor allem die Massnahmen zur Expositionsprophylaxe (Schutz
vor Stichen) im Vordergrund (s. auch Tropenkrankheiten). Entsprechende Empfehlungen
bei Auslandreisen sind zu beachten. Es existieren weitere Impfungen, sie sind aber zum Teil in Europa
nicht offiziell zugelassen (z.B. japanische Enzephalitis).
Wann
braucht es den ArztMeningitis und Hirnentzündung müssen vom
Arzt beurteilt werden. Hinweise sind starke Kopfschmerzen mit Fieber, besonders in Kombination mit Nackenstarre.
Natürlich handelt es sich nicht bei jedem Kopfweh mit Fieber um eine Meningitis, doch sollen die Symptome
besonders bei Kindern ernst genommen werden. Eine bakterielle Hirnhaut- oder Hirnentzündung
ist ein Notfall, unbehandelt bedeutet sie Lebensgefahr. Diagnose Dazu
wird Flüssigkeit (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal entnommen. (Lumbalpunktion) und auf Erreger, Entzündungszeichen,
allenfalls auch auf Tumorzellen untersucht. Bei Enzephalitis wird meist ein Computertomogramm (CT) oder
eine Magnetresonanztomographie (MRT) gemacht. Therapie Die
Infektion der Hirnhaut oder des Gehirns mit Meningokokken ist eine meldepflichtige Erkrankung. Bei bestätigtem
Verdacht ist die Spitaleinweisung nötig, wo eine gezielte Antibiotikatherapie erfolgt. Vergleichbares
gilt für manche andere bakteriellen Hirnhaut- und Hirnentzündungen. Bei
viralen Erkrankungen ist man nach wie vor in erster Linie auf die Symptombekämpfung angewiesen. Zwar
sind auch Medikamente gegen Viren auf dem Markt, sie sind aber nicht zur Behandlung jeder viralen Infektion
geeignet und wirken bei Hirnhautentzündungen nur in der ersten Phase der Erkrankung. Weiterführende Informationen und Adressen
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