Hirnschlag, Apoplexie, „Schlaganfall“

Ursachen und Risikofaktoren 
Risikofaktoren 
Das Krankheitsbild 
Was man selbst tun kann – Wann braucht es den Arzt 
Vorbeugen 
Weiterführende Informationen und Adressen 

Als Hirnschlag bezeichnet man eine plötzliche, einen bestimmten Hirnabschnitt betreffende Durchblutungsstörung. Akut einsetzende neurologische Ausfälle sind die Folgen. Hirnschlag ist in der Schweiz wie in anderen westlichen Industrieländern die dritthäufigste Todesursache, hinter Herzinfarkt und Krebskrankheiten.

Das menschliche Gehirn ist äusserst sauerstoffbedürftig. Wird seine Blutzufuhr unterbrochen, kommt es nach wenigen Sekunden zu Bewusstseinsverlust und nach 3 bis 5 Minuten zu irreversiblen (nicht mehr reparablen) Schädigungen.

Wo die Durchblutungsstörung zum Absterben von Nervenzellen führt, entsteht eine Narbe, und es bleibt ein Funktionsverlust der betroffenen Hirnregion zurück.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Durchblutungsstörung entsteht überwiegend infolge Verschlusses einer arteriosklerotisch veränderten Hirnarterie durch Thrombose. Auch eine Embolie kann die Blutversorgung des Hirns unterbrechen.

Im Versorgungsbereich der verschlossenen Arterie wird das Nervengewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, stirbt ab und wird in seiner Konsistenz „matschig“ – es entsteht ein so genannter Erweichungsherd. Das Ausmass der Hirnschädigung und der daraus entstehenden Symptome hängt vom Ort und der Grösse des verschlossenen Blutgefässes ab, zudem von der Schnelligkeit, mit der ein Fortschreiten von Schäden am Nervengewebe aufgehalten werden kann.

Seltener kommt es durch Einreissen (Ruptur) einer Hirnarterie oder eines Aneurysmas zur Blutung in die Hirnsubstanz, zur so genannten Hirnblutung. Das betroffene Areal wird dann nicht nur durch den Druck des ausgetretenen Blutes geschädigt, sondern zusätzlich durch die in der Folge ausbleibende Blutversorgung.

Risikofaktoren

Beeinflussbare Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörungen) und andere Herzkrankheiten, Arterienverkalkung (insbesondere der Halsschlagader), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, indirekt auch Bewegungsmangel, Stress und das Schlafapnoesyndrom.
Nicht zu beeinflussende Risiken sind hohes Alter (je älter ein Mensch, desto höher das Risiko) und familiäre Häufung (genetische Faktoren).

Das Krankheitsbild

Vorboten
Viele Betroffene haben Monate oder Wochen vor einem Hirnschlag leichtere und vorübergehende neurologische Ausfälle, zum Beispiel flüchtige Lähmungen eines Arms, Einschränkungen des Gesichtsfelds oder Wortfindungsstörungen. Solche Ereignisse werden oft morgens nach dem Aufwachen beobachtet. Gelegentlich dauern die Symptome nur sehr kurz, manchmal bleiben sie Stunden oder Tage.
Umgangssprachlich ist dann die Rede von einem „Schlägli“ oder von einer „Streifung“. Ein häufig verwendeter Fachausdruck für Episoden von maximal einer Stunde lautet „TIA“ (transitorische ischämische Attacke). Auch dieses Ereignis muss ernst genommen und einem Arzt mitgeteilt werden, denn es handelt sich möglicherweise um das Warnsignal eines drohenden Hirnschlags.

Symptome des Hirnschlags

  • Halbseitenlähmung oder Hemiplegie
    Das ist die plötzliche, vollständige oder teilweise motorische Lähmung einer Körperseite, die Arm und/oder Bein betrifft, ferner Verlust der Sensibilität in diesem Bereich. Motorische und sensible Lähmungen manifestieren sich meist auf der Gegenseite der Durchblutungsstörung.

  • Lähmungen der Gesichtsmuskulatur
    Sie sind meist unvollständig und nicht immer auf Anhieb erkennbar So bleibt auf der gelähmten Seite das Schliessen der Augen oft (abgeschwächt) erhalten, während der Mundwinkel erschlafft.

  • Sprachverlust (Aphasie)
    Er weist darauf hin, dass die führende (dominante) Hirnhälfte betroffen ist, beim Rechtshänder also die linke, beim Linkshänder die rechte Seite des Gehirns.

  • Ausfälle der optischen Wahrnehmung
    Sie sind seltener und oft verbunden mit eingeschränktem oder deformiertem Blickfeld oder Doppeltsehen

  • Weitere mögliche Symptome
    Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Schluckstörung, Kopfschmerz, Bewusstseinstrübung, Gedächtnisverlust, Gangunsicherheit und im Verlauf der Krankheit Fieber sowie Blutdruckanstieg

Viele der Krankheitszeichen bilden sich nach einiger Zeit und bei konsequenter Übungstherapie zurück. Eine vollständige Genesung ist jedoch nur nach „leichtem“ Hirnschlag zu erwarten, wenn kleinere Gefässe verschlossen waren und intakt gebliebene Nervenzellen und Hirnareale die verloren gegangenen Funktionen zu ersetzen vermögen.

Komplikationen und Folgezustände

  • In der akuten Phase:
    Lungenentzündung, Funktionsausfall innerer Organe, unter anderem der Blase (Inkontinenz) und des Darms.

  • Später sind möglich:
    Restlähmungen an Armen, Beinen oder im Gesicht; Sprachliche Defizite wie Wortfindungsstörungen, Wortsalat, unrichtiges Bezeichnen von Gegenständen (Restaphasie); psychische Veränderungen bis zur Demenz, besonders nach wiederholten oder ausgedehnten Schlaganfällen; bleibende Funktionsstörung von Sinnesorganen (Augen, Ohren, Gleichgewichtsorgan, Geruchssinn)

Was man selbst tun kann – Wann braucht es den Arzt

Bei einem Hirnschlag muss notfallmässig der Arzt oder Rettungsdienst gerufen werden. Die umgehende Einweisung in eine spezialisierte Klinik („Stroke Unit“) ermöglicht sofortige Intensivbehandlung. Diese hat zum Ziel, den Schaden am Hirn einzugrenzen und damit die Überlebenschance zu verbessern und invalidisierende Ausfälle möglichst zu verhindern.

Das medikamentöse Auflösen von Blutgerinnseln mittels Infusionen (Thrombolyse) hat nicht die gleiche Verbreitung wie beim Herzinfarkt erreicht. Dieses Verfahren ist nicht in jedem Fall anwendbar, zudem ist beim Gehirn das „Zeitfenster“ für ein erfolgreiches Wiederherstellen der Blutzirkulation nur 3 bis 6 Stunden lang („Time is Brain“). In dieser Zeit müssen der Transport in eine geeignete Klinik und die zeitaufwändige vorherige Abklärung stattgefunden haben. CT (Computertomographie), MRT (Magnetresonanztomographie) und andere Verfahren werden eingesetzt, um den Ort und die Grösse des betroffenen Hirnteils zu erkennen, ferner um eine Blutung von einem Gefässverschluss zu unterscheiden. Nur beim letzteren kommt die Thrombolyse in Frage.
An spezialisierten Zentren wird mitunter das Aufdehnen eines verschlossenen Gefässes versucht. Manchmal, insbesondere bei Verengung der Halsschlagader, ist eine Gefässoperation möglich.
Zur medikamentösen Therapie nach einem Hirnschlag zählt die Antikoagulation („Blutverdünnung“).

Unmittelbar an die Akutphase schliessen sich Massnahmen zum Wiedererlangen verlorener Fähigkeiten an. Dazu ist auch die Mithilfe von Angehörigen wünschenswert. Physiotherapie rehabilitiert durch repetitives Üben die Motorik, das Steh- und Gehvermögen sowie die Körperwahrnehmung. Das Zurückgewinnen von Sprachverständnis und Sprechvermögen ist Aufgabe der Logopädie.

Vorbeugen

Dem Hirnschlag vorbeugen heisst:

  • die Risiken für Kreislaufkrankheiten reduzieren. Besondere Bedeutung kommt dem Bluthochdruck zu. Gelingt es, den Blutdruck adäquat zu senken, reduziert sich das Risiko einer Apoplexie.

  • Bei Diabetikern: gute Zuckereinstellung

  • Auf Rauchen am besten ganz verzichten, Übergewicht vermeiden, mediterrane, fettarme Ernährung bevorzugen, für ausreichend Bewegung sorgen, insbesondere mit Ausdauersport wie Radfahren, Joggen oder Walken; auch Schwimmen ist geeignet.

Weiterführende Informationen und Adressen

  • Schweizerische Herzstiftung
    Schwarztorstrasse 18
    Postfach 368
    3000 Bern 14
    Tel. 031 388 80 80
    Fax 031 388 80 88
    info@swissheart.ch
    www.swissheart.ch

  • Stiftung KOSCH
    Koordination und Förderung von Selbsthilfegruppen in der Schweiz
    Laufenstrasse 12
    4053 Basel
    Tel. 061 333 86 01
    Fax 061 333 86 02
    gs@kosch.ch
    www.kosch.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, Luzern

Letzte Aktualisierung: 20.3.2009
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