Knochenbruch, FrakturFehlstellung oder
Dislokation Ursachen,
Frakturmechanismen Wie erkennt man einen Knochenbruch Was man selbst tun
kann – erste Massnahmen
Wird ein Knochen mehr belastet als seine Stabilität es zulässt, bricht
er in zwei oder mehr Stücke oder Fragmente. Fraktur bedeutet demnach Unterbrechung und Verlust des Zusammenhalts
der Knochenstruktur. Knochenbrüche lassen sich nach verschiedenen Kriterien beschreiben, die im Folgenden
dargestellt werden.
Lokalisation Bezogen auf den verletzten
Knochen besteht
ein Schenkelhals-, Vorderarm-,
Wirbel-, Zehenbruch usw. Manchmal spricht man verallgemeinernd auch nur vom verletzten Körperteil: Beinbruch,
Handbruch.
Schweregrad Unkompliziert
nennt man eine einfache geschlossene
Fraktur.
Komplizierte Frakturen sind zum einen offene
Brüche, bei denen Knochenstücke
in einer Haut- und Weichteilwunde frei liegen. Es besteht Infektionsgefahr für den Knochen und die umgebenden
Strukturen. Oft sind solche Frakturen kombiniert mit Blutgefäss-, Nerven- oder Gelenksverletzungen.
Des Weiteren werden Mehrfragmentfrakturen als kompliziert bezeichnet, bei denen
– wie der Name sagt
– der Knochen in mehr als zwei Stücke zerborsten ist (Trümmer-, Stückfrakturen).
Frakturform Aufschluss über die verschiedenen
Formen gibt
erst das Röntgenbild: Quer-,
Schräg-, Längs-, Spiralfraktur, Mehrfragmentfrakturen (dazu gehören auch T- oder Y-Typen), komplette-
oder Teilfraktur (blosser Anriss), Kompressionsfraktur, (Abbildungen).
Fehlstellung oder
DislokationDislokation
heisst Verschiebung der einzelnen Bruchstücke gegeneinander. Dislokation bewirkt eine manchmal von blossem
Auge sichtbare Verkürzung, eine Verdrehung oder eine Achsenabweichung am verletzten Körperteil. Ursachen,
FrakturmechanismenDirekte Fraktur:
Der Knochen bricht direkt am Ort der Gewalteinwirkung: Ein alter Mensch stürzt seitlich auf die Hüfte
und erleidet einen Schenkelhalsbruch; eine Stossstange prallt gegen den Unterschenkel und schlägt diesen
entzwei; ein Stein fällt auf den Schädel und verursacht eine Fraktur. Durch die unmittelbar
einwirkende Gewalt ist über der Bruchstelle die Haut oft gequetscht oder zerrissen (offene Fraktur)
und es bestehen weitere Weichteilschäden. Indirekte
Fraktur: Kommt es zum ruckartigen Verdrehen eines Fusses, etwa bei einem Skisturz mit blockierter
Bindung, überträgt sich das Drehmoment oberhalb des Schuhrandes auf den Unterschenkelknochen. Dieser
bricht an einer Stelle, die fern liegt vom Punkt, wo die Kraft angesetzt hat. Ähnliches gilt bei gewaltsamem
Verdrehen eines Arms. Die Weichteile über dem Frakturbereich bleiben in der Regel unverletzt. Pathologische
Fraktur: Ein durch krankhafte Vorgänge geschwächter Knochen ist ungewöhnlich frakturanfällig.
Schon ein geringfügiges Trauma – das ein gesunder Knochen schadlos verkraften würde – zieht dann eine
sog. pathologische Fraktur nach sich. Im Extremfall geht der Stabilitätsverlust so weit, dass der Bruch
ohne jede Krafteinwirkung anlässlich einer alltäglichen Bewegung auftritt, wie zum Beispiel beim Drehen
im Bett. Dieses Ereignis bezeichnet man als „Spontanfraktur“. Ursachen
einer pathologischen Fraktur sind Knochenerkrankungen wie Osteoporose, Knochenkrebs
oder Knochenmetastasen, also Ableger bösartiger Tumore. Ermüdungsfraktur:
Sie entsteht aufgrund stetig wiederholter, gleichförmiger Belastung an gleicher Stelle. Ein bekanntes
Beispiel ist die schleichend einsetzende „Marschfraktur“ eines Mittelfussknochens bei untrainierten
Rekruten.
Wie erkennt man einen KnochenbruchSchmerz,
Schwellung und Bluterguss. Funktionsverlust, Bewegungseinschränkung
oder -unfähigkeit des betroffenen Körperteils, Schonhaltung. Fehlstellung
oder abnorme Lage des Knochens, wie Verdrehung, Achsenabknickung, Verkürzung. Stabilitätsverlust
und unnatürliche Beweglichkeit. Dieses Kriterium ist das einzige sichere
Zeichen einer Fraktur. Die übrigen Symptome findet man teils auch bei Verstauchung
und Luxation von Gelenken.
KomplikationenBegleitverletzungen
von Haut (offene Fraktur) und tieferen Strukturen (Muskeln, Blutgefässe, Nerven) sind bei direkten Frakturen
nicht selten. Die Begleitverletzungen stellen für die Therapie bisweilen ein grösseres Problem dar als
der Knochenbruch selbst. Mitbeteiligung des Gelenks:
Es kann eine Knochenstufe innerhalb des Gelenks zurückbleiben. Dieses ist dann nicht mehr voll funktionstüchtig
und die Knorpelflächen werden vermehrt und ungleichmässig abgenützt, was zur Arthrose
führt. Daneben sind oft weitere Gelenkbestandteile wie Kapsel oder Bänder beschädigt. Frakturen, die
in ein Gelenk hinein reichen, werden deshalb in der Regel operiert. Kreislaufschock
droht durch massiven Blutverlust bei Frakturen grosser Knochen wie Becken oder Oberschenkel. Ist die
Haut nicht verletzt, erfolgt die Blutung ins umliegende Gewebe oder Körperinnere und es entstehen ausgedehnte
Blutergüsse. Fettembolie: Eine
Embolie durch Fetttropfen verläuft bei Frakturen kleiner Knochen gewöhnlich unbemerkt,
kann jedoch bei Verletzung grosser Knochen zu akuter Atemstörung oder Bewusstseinstrübung führen (Fettemboliesyndrom
der Lungen und des Gehirns). Infektionen: Bei
offenen Frakturen besteht Infektionsgefahr. Beeinträchtigung
des Knochenwachstums kommt vor bei Frakturen im Kindesalter, wenn die Wachstumszone eines Knochens
durch den Bruch verletzt wird.
Was man selbst tun
kann – erste MassnahmenDie Bruchstelle möglichst nicht
bewegen. Den verletzten Körperteil stabil lagern und ruhig stellen. Eine vom Patienten automatisch angezogene
oder gebeugte Extremität (Arm, Bein) mit Polstermaterial abstützen. Zuverlässige
Ruhigstellung erfordert eine Fixation über das darunter und das darüber liegende Gelenk hinaus. Als
Schiene dienen im Notfall Holzlatten oder fester Karton, zum Befestigen Verbandstoff oder ein Halstuch.
Mögliche Druckstellen unter der Behelfsschiene muss man gut polstern. Der Arm lässt sich ruhig stellen,
indem man ihn am Oberkörper fixiert.
 
Die Wunde bei offenem Knochenbruch abdecken – steril, sofern möglich. Den
Patienten warm halten, zudecken; Bruchstelle kühlen. Bei Schock oder
Schockgefahr: Patient flach hinlegen, allenfalls die Beine etwas hochlagern. Bei
Verdacht auf Becken- oder Wirbelfraktur: Den Verunfallten nur bewegen, um ihn aus einer unmittelbaren
Gefahrenzone zu bringen, oder wenn dies für lebensrettende Sofortmassnahmen nötig ist. Rettungsdienst,
Notfallarzt alarmieren.
Frakturen bestimmter KnochenZu
einzelnen Frakturen finden sich ausführliche Beschreibungen unter den Stichworten:
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