Mandelentzündung, Angina tonsillarisUrsachen und Risikofaktoren Das Krankheitsbild Was man selbst tun kann Wann
braucht es den Arzt Vorbeugen
Die Angina tonsillaris, kurz „Angina“ genannt, ist eine akute Entzündung
der Gaumenmandeln. Unbehandelt kann sie schwere Folgen nach sich ziehen. Die Krankheit
tritt überwiegend in der kalten Jahreszeit auf, und meist sind Kinder oder junge Erwachsene betroffen.
Mit zunehmendem Alter verkleinern sich die Gaumenmandeln und erkranken seltener. Neben
der akuten Angina gibt es auch eine chronische Form, bei der die Mandeln durch Ablagerung von Bakterien
und abgestorbenen Zellen entzündet sind.
Sehr viel häufiger als die Angina sind oberflächliche leichtere Entzündungen
der Rachenschleimhaut, die „banalen Halsentzündungen“ (Pharyngitis). Es besteht „Schluckweh“, die Rachenschleimhaut
ist gerötet, aber auf den Mandeln hat es keine Eiterpfröpfe.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursache der Angina ist meist eine bakterielle, seltener eine virale
Infektion. Die Übertragung der Krankheitserreger erfolgt durch Husten, Niesen oder Ansprechen („Tröpfcheninfektion“),
ferner als „Schmierinfektion“ beim gemeinsamen Gebrauch von Löffeln, Mundtüchern und ähnlichem. Kleine
Epidemien sind deshalb möglich, zum Beispiel in Schulen und Kasernen.
Meist erkrankt eine Person erst dann, wenn die Körperabwehr geschwächt
ist, so bei bereits bestehender Erkältung, bei Schlafmangel und anhaltenden Stresssituationen oder wegen
sehr trockener Luft.
Angina ist ausserdem ein charakteristisches Merkmal einiger Infektionskrankheiten.
So beginnt Scharlach regelmässig mit einer Angina, und oft begleitet sie Masern, Grippe, Pfeiffersches
Drüsenfieber und bestimmte Leukämien. Immer unter den Zeichen einer schweren Angina verläuft schliesslich
die Diphtherie.
Das Krankheitsbild
Eine durch Streptokokken (bestimmte Bakterien) hervorgerufene Angina beginnt
plötzlich mit heftigen Symptomen und schnellem, starkem Fieberanstieg. Die Streptokokkeninfektion hinterlässt
keine Immunität, sondern es verbleibt im Gegenteil vielfach eine erhöhte Anfälligkeit. Gleichartige,
aber meist weniger stark ausgeprägte Krankheitszeichen haben die übrigen (in der Mehrzahl viralen) Mandelentzündungen.
Meist heilt die akute Krankheit folgenlos innerhalb etwa einer Woche aus. Typisch sind:
Schluckweh und Halsschmerzen, bisweilen mit Ausstrahlen in die
Ohren
Geschwollene und gerötete Mandeln. Bei bakterieller Infektion erkennt man darüber
hinaus Eiterpfröpfe oder weissliche Beläge.
Schwellung und Druckschmerz der Lymphknoten im Hals- und Kieferbereich
Schmerz beim Sprechen, verwaschene oder klossige Sprache, belegte Zunge
Gelegentlich hohes Fieber, vereinzelt scharlachähnlicher
Ausschlag
Besonders bei Kindern: Übelkeit und Erbrechen
Eine chronisch gewordene Angina verursacht oft nur leichtes Schluckweh und unangenehmen
Mundgeruch. Die Mandeln sind klein und narbig verändert.
Komplikationen
und Spätfolgen Angina ist immer ernst zu nehmen, weniger wegen der entzündeten
Halsmandeln selbst, als wegen des Risikos von Komplikationen. Bei Kindern steht die Mittelohrentzündung
im Vordergrund. In jedem Alter möglich sind Abszessbildung in den Gaumenmandeln, vereinzelt auch in
deren Umgebung; seltener eine Sepsis. Bei Streptokokkenangina sind weitere Organe gefährdet. So können
an den Herzklappen chronische Infektionen entstehen, an den Gelenken ein akuter
Gelenkrheumatismus, im Nierengewebe eine akute oder chronische
Entzündung.
Was man selbst tun kann
Gurgeln und kühle Halswickel lindern die Halsschmerzen. Hausmittel:
Zum Gurgeln:
Salbeitee
Salzwasser, ½ Teelöffel Salz in einem grossen Glas Wasser auflösen
2 Teelöffel Honig und 3 Teelöffel Apfelessig in 2 dl warmem Wasser auflösen
15 Tropfen Kamillenölextrakt in einem Glas Wasser
Kalte
Halswickel: Die Auflage jeweils so anlegen, dass sie von Ohr zu Ohr reicht, aber
nicht den Nacken bedeckt. Mit einem Wollschal umwickeln und 20 bis 30 Minuten belassen.
Quarkwickel: Quark auf ein dünnes Tuch streichen
Zitronenwickel: gewaschene Zitrone in Scheiben schneiden, in ein dünnes Tuch
einwickeln und wie dargestellt anlegen
Zwiebelwickel: 1 bis 2 Zwiebeln zerschneiden, in ein Tuch einwickeln und kalt
auflegen
 Abbildung:
Anlegen eines Halswickels links: Auflage vorne und seitlich, rechts: das Befestigen mit
einem Wollschal
Allgemeine Massnahmen:
Viel trinken, damit der Rachen gespült und der vermehrte Flüssigkeitsbedarf
bei Fieber gedeckt wird. Halspastillen lutschen, lokal wirkende Desinfektionsmittel zum Pinseln
(in der Apotheke erhältlich)
Bettruhe
Gegen Fieber: Wadenwickel mit Essig oder Zitronenwasser, handwarm beginnen und
mit jedem Wechsel etwas kühler. Cold pack (aus dem Kühlschrank, nicht aus dem Tiefkühlfach) in die Leisten
legen. Fiebersenkende Medikamente oder leichte Schmerzmittel.
Wann
braucht es den Arzt
Erkennt man bei einer Angina eitrige Beläge, ist wegen des Risikos von
Komplikationen ein Arztbesuch dringend zu empfehlen. Bei einer bakteriellen Ursache sind Antibiotika
unverzichtbar, denn ohne Behandlung können sich die Bakterien in das umgebende Gewebe ausbreiten oder
über die Blutbahn in den Körper gelangen (Bakteriämie)und so zur Ursache von Komplikationen werden (s.
oben).
Antibiotikatherapie Wesentlich
ist, sich genau an die Dosierungsrichtlinien zu halten; zum einen damit das Medikament seine volle Wirksamkeit
erlangt, zum anderen wegen der stets drohenden Gefahr, dass Krankheitserreger dem Medikament gegenüber
unempfindlich werden (Resistenzbildung).
Treten mehrmals pro Jahr Anginen auf, oder sind die Mandeln chronisch
entzündet, sollte mit dem Arzt über deren operative Entfernung, die Tonsillektomie, gesprochen werden.
Dies gilt bei Kindern besonders dann, wenn die Mandeln durch ihre Grösse beim Schlafen oder Essen stören.
Vorbeugen
Die Resistenz gegen Infektionskrankheiten erhöhen generell:
Gesunde Ernährung, genügend Schlaf
Dem Wetter angemessene Bekleidung, nasse Kleidungsstücke möglichst bald auswechseln
Wechselwarme Duschen
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