Nierenbeckenentzündung, Pyelonephritis

Ursachen und Risikofaktoren 
Das Krankheitsbild 
Was man selbst tun kann 
Wann braucht es den Arzt 
Vorbeugen 

Die ableitenden Harnwege beginnen im Nierenbecken. Von hier gelangt der Urin durch den Harnleiter (Ureter) in die Blase, wird dort eine Weile gespeichert und schliesslich durch die Harnröhre ausgeschieden (Abbildung). Normalerweise sind Harnwege und Urin keimfrei.

Befinden sich pathogene Bakterien in den Harnwegen, besteht ein Harnwegsinfekt. Im Fall des Nierenbeckens handelt es sich um eine Nierenbeckenentzündung, um eine Pyelitis oder besser Pyelonephritis, denn die Infektion betrifft immer auch einen Teil des Nierengewebes (altgriechisch: πύελος Pyelos für „Becken“, νεφρός Nephros für Niere). Ungenügend behandelt, kann aus einer akuten Nierenbeckenentzündung eine chronische Krankheit entstehen, die schliesslich zum Nierenversagen führt.
Ein erster Häufigkeitsgipfel von Nierenbeckenentzündungen wird im Kindesalter (bis zum 3. Lebensjahr) beobachtet, weitere bei Frauen zwischen 30 und 50 sowie bei Menschen über 75 Jahren.




Ursachen und Risikofaktoren

Die Pyelonephritis entsteht durch bakterielle Besiedelung des Nierenbeckens. Die Bakterien gelangen meist aus der Blase ins Nierenbecken und -gewebe, bedeutend seltener mit dem strömenden Blut oder über Lymphspalten aus dem Darm. Begünstigend für Ansiedelung und anschliessende Vermehrung der Keime wirken:

  • Harnsteine oder andere Abflusshindernisse in den ableitenden Harnwegen wie Narben, Prostatavergrösserung, Tumore und Missbildungen

  • Blasenlähmung, ungenügend ausgeheilte Blasenentzündung, Dauerkatheter

  • Stoffwechselkrankheiten wie Gicht, Zuckerkrankheit

  • Abwehrschwäche (AIDS, Krebserkrankung), immunologische Vorgänge

  • Invasive Untersuchungen und Operationen an den Harnwegen

  • Schwangerschaft

  • Unterkühlung und Durchnässung

Ursachen von chronischer Entzündung, die nicht auf eine Infektion zurückgehen und die mit der Zeit ein Nierenversagen erzeugen können, sind langjähriger Schmerzmittelmissbrauch, Schwermetalle, radioaktive Strahlen.

Das Krankheitsbild

Eine Pyelonephritis bleibt in der Regel auf eine Seite beschränkt, nur sehr selten sind beide Nieren ins Krankheitsgeschehen einbezogen.
Die akute Nierenbeckenentzündung ist eine schmerzhafte, schwere Allgemeinerkrankung, die sich entsprechend auf die Vitalität auswirkt und plötzlich beginnt. Sie ist charakterisiert durch:

  • Schmerzen in den Flanken, im Rücken und beim Wasserlösen; häufiger Harndrang

  • Trüber, nicht selten blutiger und manchmal übel riechender Urin, kleine Urinmengen

  • Schüttelfrost, hohes Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl

  • Gelegentlich Übelkeit, Erbrechen, Blähungen

Die chronische Nierenbeckenentzündung  geht oft mit unspezifischen Symptomen einher wie: Kopf-, Kreuz- oder Lendenschmerz, Müdigkeit, mässiges Fieber oder erhöhte Temperatur, Übelkeit, ausgeprägter Durst, bisweilen Bluthochdruck und Blutarmut.

Tückisch ist die symptomlose, chronische Nierenbeckenentzündung, weil sie die Gefahr der schleichenden Entwicklung eines Nierenversagens birgt.

Komplikationen und Spätfolgen
Nierenabszess, Urosepsis („Blutvergiftung“), Bluthochdruck, Nierenversagen

Was man selbst tun kann

Eine Nierenbeckenentzündung soll nicht selbst behandelt werden, sie erfordert immer einen Arztbesuch. Viel trinken und gewissenhaftes Einnehmen der verordneten Medikamente unterstützen den Heilungsprozess.

Wann braucht es den Arzt

In jedem Fall. Es geht um das Bekämpfen des schmerzhaften akuten Infekts und gleichzeitig um das Erkennen und Beseitigen der Ursache. Ein weiteres, wichtiges Ziel der Therapie ist das Verhindern einer Chronifizierung und einer Nierenentzündung, die mit dem Risiko des Nierenversagens behaftet ist.

Eine Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft ist ein absoluter Notfall; Mutter und Kind sind in Lebensgefahr.

Zur Diagnose werden neben Blut- und Urinuntersuchungen oft auch spezielle Röntgenaufnahmen gemacht, insbesondere um Abflusshindernisse erkennen zu können.

Eine Antibiotikatherapie lässt sich meist nicht umgehen und dauert bis zu 2, manchmal sogar 3 Wochen. Bettruhe und viel Flüssigkeit (täglich 3 Liter, bei hohem Fieber mehr) sind nötig.

Antibiotikatherapie: Wesentlich ist, sich genau an die Dosierungsrichtlinien zu halten; zum einen damit das Medikament seine volle Wirksamkeit erlangt, zum anderen wegen der stets drohenden Gefahr, dass Krankheitserreger dem Medikament gegenüber unempfindlich werden (Resistenzbildung).

Vorbeugen

Einigen Ursachen der Pyelonephritis lässt sich indirekt vorbeugen, indem das Entstehen einer Blasenentzündung oder einer Geschlechtskrankheit verhindert oder eine solche adäquat behandelt wird.

  • Viel trinken, mindestens 2 Liter täglich (am besten Kräutertee oder verdünnte Fruchtsäfte), und häufiges, möglichst vollständiges Entleeren der Harnblase spülen die Harnwege durch und wirken vorbeugend.

    Hinweis: Patienten mit Herzinsuffizienz sollten bezüglich der Trinkmenge ein Arzt zu Rate ziehen.
  • Kein ungeschützter Geschlechtsverkehr bei Verdacht auf Geschlechtskrankheit; Wasserlösen nach dem Geschlechtsverkehr; aber keine übertriebene Intimhygiene

  • Keine nasse Kleidung auf der Haut tragen, Füsse und Unterleib warm halten, Durchzug meiden

  • Bei Vorhandensein von Risikofaktoren wie Abwehrschwäche, gewissen Stoffwechselkrankheiten oder Schwangerschaft sind Blasenentzündungen besonders sorgfältig zu therapieren, damit nicht daraus eine Nierenbeckenentzündung entsteht.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, Luzern

Letzte Aktualisierung: 07.3.2007
ABC zu Gesundheit und Krankheit
Fragen

Volltextsuche


0 0 0 0 0 0 0 0
 

Meine Prämien
berechnen

 

Serviceline: 0844 277 277 - 24h Notfall & Medizinische Beratung: +41 (0)58 277 77 77
©2010 CSS Versicherung – INTRAS – ARCOSANA – AUXILIA | Rechtliches