Oberarmbruch, HumerusfrakturUrsachen,
Unfallmechanismen Symptome und Besonderheiten Wann braucht es den Arzt
Anatomie Der
Oberarmknochen (lateinischer Fachausdruck: Humerus) besteht aus einem leicht geschweiften Rohr, dem
Oberarmschaft. An seinem oberen und unteren Ende finden sich knorpelüberzogene Strukturen, welche Teile
des Schulter- und Ellbogengelenks bilden. Man unterscheidet
Brüche (Frakturen) im Bereich des Humeruskopfs, des Schafts sowie des Ellbogens (Abbildung). Sie sind
gewöhnlich auf ein direktes Trauma («Gewalteinwirkung», Unfall) zurückzuführen. Bei vorbestehender Schwächung
des Knochens, insbesondere bei Knochenmetastasen, sind
auch pathologische Frakturen möglich, also Knochenbrüche
aufgrund einer ganz leichten oder ohne jede Krafteinwirkung. 
Ursachen,
UnfallmechanismenOberes HumerusendeEs
handelt sich zumeist um ein Abscheren des Gelenkkopfs durch Sturz auf die Schulter oder – insbesondere
bei älteren Menschen – auf den gestreckten Arm. Altersbedingte Unsicherheit beim Gehen und verminderte
Reaktionsfähigkeit in Kombination mit Osteoporose tragen zum Zustandekommen der
Fraktur bei. Seltener ist der Humeruskopf in sich selbst zerborsten,
oder es sind Knochensplitter mit Sehnenansätzen abgesprengt. Mittleres
OberarmdrittelKnochenbrüche in diesem Bereich nennt man „Schaftfrakturen“;
sie betreffen den röhrenförmig aufgebauten mittleren Abschnitt des Knochens und setzen eine unmittelbare
Einwirkung von aussen, einen Schlag gegen den Oberarm, voraus. Hier finden sich allerdings auch viele
pathologische Frakturen (s. oben). Gelenkfrakturen
am unteren Ende des KnochensSie entstehen durch direktes Trauma
mit massivem Aufprall der Ellbogenregion oder indirekt durch Sturz auf den ausgestreckten Arm und weisen
meist mehrere Bruchstücke auf. Die Fraktur kann durch die Gelenkfläche des Ellbogens (intraartikuläre
Fraktur) und bei Kindern durch die Wachstumszone verlaufen (s. dazu unten bei «Begleitverletzungen und
Komplikationen»). Symptome und BesonderheitenSchmerz
und Schwellung. Bluterguss: Bei hoch gelegenen
Frakturen (Oberarmkopf) erstreckt sich dieser auch seitlich auf den Brustkorb; am Arm wandert er allmählich
abwärts und kann sich innerhalb einiger Tage bis zur Hand ausbreiten. Fehlstellung:
Sie zeigt sich als Achsenknick, Verkürzung oder Verdrehung des Oberarms. Funktionsverlust:
Brüche im Schaft- und Ellbogenbereich sind bei Erwachsenen völlig instabil und verunmöglichen sofort
den Gebrauch des Arms. Kindliche Frakturen machen hier bisweilen eine Ausnahme und können noch einen
gewissen Bewegungsumfang zulassen. Ebenso gestatten Frakturen am oberen Ende des Knochens bisweilen
noch eingeschränkte, allerdings schmerzhafte Bewegungen.
Begleitverletzungen
und Komplikationen Weil der Unfallmechanismus meist ein direkter
Schlag ist, sind Begleitverletzungen möglich. Je nach Art der Gewalteinwirkung sind Haut, Nerven, Blutgefässe
oder Wachstumszone involviert. Hoch gelegene Knochenbrüche:
Beschädigung des Schulternervs (Axillarisnervs). Es entstehen Ausfälle des Oberflächengefühls (Sensibilität)
und Muskellähmung im seitlichen Schulterbereich, doch ist diese Begleitverletzung häufiger nach Schulterluxation
als nach Frakturen. In der Schaftmitte: Schädigung des Radialisnervs
mit Störung von Motorik (Fallhand) oder Sensibilität am Vorderarm und an der Hand (Taubheitsgefühl).
Eine Verletzung der Arterie führt zu Durchblutungsstörung am Vorderarm. In
Ellbogennähe: offene Frakturen, Hautverletzung. Die häufige Quetschung des Ulnarisnervs führt zu streifenförmigen
Sensibilitätsausfällen am Unterarm und an der Hand sowie zu Muskelschwund. Gelenknahe
Brüche bei Kindern: Die Wachstumszonen liegen knapp unter dem Oberarmkopf und oberhalb des Ellbogengelenks.
Gelenknahe Brüche können deshalb Störungen im Längenwachstum oder einen „Knick“ (Fehlstellung) zur Folge
haben.
Wann braucht es den ArztDer
Verdacht auf eine Fraktur erfordert einen Arztbesuch. Röntgenaufnahmen erlauben es, den Schaden zu beurteilen
und über das weitere Vorgehen zu entscheiden. TherapieBei
Brüchen am oberen Ende des Knochens und bei Kindern kommt mitunter eine konservative Therapie
mit kurzfristigem Fixieren des Arms am Brustkorb in Frage. Ansonsten ist das operative Einrichten (Reposition)
und Fixieren der Bruchstücke (Osteosynthese) die Methode der Wahl. Erst wenn der
Knochen in korrekter Stellung stabilisiert ist, wird ein frühzeitiges Mobilisieren von Schulter- und
Ellbogengelenk möglich, was für das Erhalten der Beweglichkeit nötig ist. Eingesetzt werden je nach
Frakturtyp Schrauben, Platten, Marknägel, zum Ersatz eines zerborstenen Humeruskopfs auch Prothesen
aus Metall oder Kunststoff. Eine stärkere Verschiebung (Dislokation)
von Bruchstücken, insbesondere am Ellbogen, beeinträchtigt die Nervenfunktion an Unterarm und Hand,
weshalb rasch operiert wird. Die Rehabilitation
mit regelmässigen Bewegungsübungen des Arms muss früh beginnen, damit eine möglichst gute Beweglichkeit
erhalten bleibt.
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