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Sepsis, «Blutvergiftung»Ursachen
und Risikofaktoren Das
Krankheitsbild Wann braucht es den Arzt
Der
Begriff Sepsis umfasst drei Aspekte einer schweren Infektion. Das
Vorhandensein von vermehrungsfähigen Krankheitserregern oder ihren Toxinen und deren Verbreitung mit
dem Blut in Gewebe und Organe. Das Unvermögen des Immunsystems, die
Erreger unschädlich zu machen und ihre Ansiedlung in Organen zu verhindern. Eine
heftige Entzündungsreaktionen des Organismus, durch welche die Sepsis erst klinisch erkennbar wird.
BegriffsbestimmungenBakteriämie: Das Vorkommen von vermehrungsfähigen Bakterien im Blut. Bei ausreichender Abwehrlage werden in die Blutbahn eingedrungene Keime erkannt und zerstört. Eine vom Körper beherrschte Infektion unterscheidet sich wesentlich von einer Sepsis. Immunsuppression: Unterdrückung von Reaktionen der körpereigenen Immunabwehr. Davon abgeleitet: immunsuppresiv, immunsupprimierend. Lumbal- oder Liquorpunktion:
Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit zur Diagnose von Krankheiten, die das zentrale Nervensystem mit betreffen. Bei Verdacht auf Sepsis wird der Liquor auf Krankheitserreger, Entzündungszeichen usw. untersucht. Multiorganversagen: erhebliche Funktionseinschränkung oder Versagen von mehreren lebenswichtigen Organen. Das Multiorganversagen kann zum Tod führen. Protozoen: einzellige Organismen. Sie können als Parasiten in Menschen leben, sich vermehren und Krankheiten auslösen. Beispiele für Protozoen: Trichomonaden, Toxoplasmen, Amöben. Resistenz: hier verwendet im Sinne von Widerstandsfähigkeit eines Krankheitserregers
gegenüber Medikamenten. Adjektiv: resistent. Sepsis: Das altgriechische Wort σήψις (sepsis) entspricht dem deutschen Fäulnis, Verwesen. In der Medizin hat es eine abgewandelte und erweiterte Bedeutung erlangt, s. Einleitung oben. Sepsisherd, Primärherd: Ort der ursprünglichen Infektion, der zur Quelle der Aussaat von Krankheitserregern wird. Toxin: giftige Substanz, die von Krankheitserregern, Pflanzen oder Tieren gebildet wird. Adjektiv: toxisch. Virämie und Parasitämie: Wenn eine durch Viren oder Parasiten ausgelöste Infektion
mit den Symptomen einer Sepsis einhergeht, wird mitunter der Begriff „Virämie“ bzw. „Parasitämie“ anstelle von Sepsis verwendet.
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Ausgehend
von einem Sepsisherd gelangen die Erreger dauernd oder schubweise in die Blutbahn, werden so in andere
Organe eingeschleppt, vermehren sich weiter und verursachen sekundäre Schädigungen. Die Bildung von
derartigen infektiösen „Ablegern“ signalisiert ein Missverhältnis zwischen den Abwehrkräften des Körpers
und den Mikroorganismen. Die infektiösen Ableger sind durchaus vergleichbar mit Metastasen
und man verwendet daher auch den Begriff „septische Metastasen“. Sepsis
ist eine schwere Erkrankung und eine der häufigsten Todesursachen. Die Sterblichkeit ist auch in Industrieländern
hoch, bis zu 40%, abhängig vom Schweregrad der Erkrankung, vom Lebensalter und von vorbestehenden Krankheiten.
Der septische Schock verläuft in bis zu 70% tödlich. Ursachen
und RisikofaktorenAusgangspunkt ist eine lokalisierte Infektion
(Sepsisherd), von der aus Bakterien, seltener Viren, Pilze oder Protozoen in die Blutbahn gestreut und
in andere Organe und Gewebe verschleppt werden. Potenzielle
Sepsisherde sind: Harnwege:
Blasenentzündung, Nierenbeckenentzündung. Der Fachausdruck „Urosepsis“
(zusammengesetzt aus Urin und Sepsis) bezieht sich auf diese Herkunft. Harnwegsinfektionen sind am häufigsten
Ursprung einer Sepsis. Bauchraum: Bauchfellentzündung,
Blinddarmentzündung, Divertikulitis und Gallenblasenentzündung. Brustraum:
Lungenentzündung, Brustfellentzündung (Pleuritis). Haut:
eitrige Wunden, Abszesse, Nasenfurunkel, Erysipel, infizierte
Verbrennungswunden (Verbrennungen). Bei Neugeborenen: Nabelinfektion. Weibliche
Geschlechtsorgene: infizierte Gebärmutter (insbesondere nach einer Geburt), Eileiterentzündung
(Adnexitis). Ohren-Nasen-Halsbereich:
Mittelohrentzündung, Angina, Stirn- oder Kieferhöhlenentzündung.
Herz-Kreislaufsystem: Infektion der Herzklappen
bzw. Herzklappenränder, Venenentzündung, Thrombophlebitis Infizierte
Fremdkörper und Implantate: Hüft- oder Knieprothesen, künstliche Herzklappen, Gefässprothesen,
Dauerkatheter in der Blase, Venenkatheter (für Langzeitinfusionen) usw.
Hohe
Aggressivität (Virulenz) der Krankheitserreger und ebenso deren Resistenz gegenüber Antibiotika begünstigen
das Auftreten einer Sepsis. Vergleichbares gilt für alle Vorgänge, welche die körpereigene Immunabwehr
direkt oder indirekt schwächen wie: Chemotherapie,
immunsuppressiv wirkende Medikamente, langfristige Kortisonbehandlung. Krankheiten,
die ihrerseits das Immunsystem schwächen wie AIDS, Diabetes mellitus,
Leukämie. Allgemeine Schwäche infolge konsumierender
Krankheit (zum Beispiel Krebs), nach Operation oder bei ausgedehnten Verbrennungen.
Das
KrankheitsbildVerschiedene Symptome können auf eine Sepsis
hinweisen. Von den nachfolgend genannten müssen indessen nicht alle gleichzeitig vorhanden sein. Fieber:
Die Patienten sind zunächst unruhig, dann verschlechtert sich ihr Zustand und sie werden rasch apathisch,
oft dösig, manchmal verwirrt. Fieber ist ein
recht konstantes Symptom. Es kann mit dem Eindringen der Krankheitskeime ins Blut als Schüttelfrost
beginnen, abwechselnd fallen und wieder ansteigen (intermittierendes Fieber), oder konstant hoch bleiben.
Kleinkinder neigen zu Fieberkrämpfen. Fehlendes Fieber ist eher ungünstig
zu werten, denn dies lässt auf eine Reaktionsarmut
des geschwächten Körpers schliessen. Besonders ältere und abwehrgeschwächte Menschen sowie Neugeborene
entwickeln bisweilen kein Fieber. Mitunter besteht sogar eine Hypothermie, also eine Körpertemperatur
unter 36 Grad. Weitere mögliche Allgemeinsymptome
sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Berührungsempfindlichkeit
usw. Hauterscheinungen: Die Haut ist blassgrau
und marmoriert. Manchmal zeigen sich punktartige
Blutungen (sog. Petechien) oder flächige Hautblutungen. Herz-Kreislauf-
und Lungenreaktionen: Der Puls ist schwach und schnell (Tachykardie),
die Atmung beschleunigt.Folgen von septischen Organmetastasen: Es entstehen Abszesse
und Geschwüre, die
in allen inneren Organen vorkommen können und generalisierte Entzündungsreaktionen auslösen. Betroffen
sind z.B. das Gehirn (Hirnabszess, Meningitis), die Niere, die Netzhaut des Auges, die Lunge. Folgenschwer
sind ferner septische Geschwüre auf den Rändern von Herzklappen, die ihrerseits zur Quelle weiterer
Streuung führen und Klappenfehler nach sich ziehen. Diese Komplikation ist heute selten, war aber früher
– vor der Antibiotikazeit – besonders gefürchtet.
Bedrohlicher
Verlauf Organe und Organsysteme können bei einem bedrohlichen Verlauf durch Krankheitserreger,
ihre Toxine (Giftstoffe) oder durch Eiterbildung geschädigt werden. Es entstehen spezifische
Komplikationen: Schwere Sepsis:
Neben oben genannten Symptomen ist die Funktion von mindestens einem Organ beeinträchtigt, was sich
z.B. durch Bewusstseinstrübung, ungenügende Sauerstoffzufuhr (Atmung) oder durch Nierenversagen äussert.
Akutes Nierenversagen geht einher mit Ausbleiben der Urinproduktion. Diese Funktionsstörungen kommen
zustande, wenn das betreffende Organ nur noch ungenügend durchblutet wird. Septischer
Schock: Er ist definiert als schwere, über eine Stunde dauernde Beeinträchtigung der Herz-Kreislauf-Funktion
mit Blutdruckabfall unter 90 mm Hg systolisch (oberer Blutdruckwert), trotz ausreichender parenteraler
Flüssigkeitszufuhr (s. Begriffsbestimmungen). Multiorganversagen:
Im Endstadium des septischen Schocks stellen sich innere Blutungen sowie Versagen der Funktion
von mehreren Organen ein, z.B. Nieren-, Lungen- oder Herzversagen. Der Zustand bedeutet unmittelbare
Lebensgefahr.
Wann braucht es den ArztÄrztliche
Behandlung ist unerlässlich. Entscheidend für den Therapieerfolg ist eine frühe Diagnose, doch das Erkennen
des infektiösen Primärherds gestaltet sich nicht immer einfach. Diagnose Sie
ergibt sich aufgrund der Symptome und wird gesichert durch Labortests sowie mikrobiologische Blutuntersuchungen
auf Bakterien, Viren, andere Krankheitserreger. Fallweise erfolgen Analysen von Urin, Auswurf, Stuhl. Dem
Nachweis von Sepsisherden dienen verschiedene bildgebende Verfahren wie Röntgen,
Ultraschall, Magnetresonanztomographie (MRI), Computertomographie (CT), im Weiteren spezielle Untersuchungen
wie Augenhintergrundspiegelung und Lumbal- bzw. Liquorpunktion (Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit
zur Untersuchung). Therapie Die
Behandlung erfolgt im Spital. Septischer Schock und Multiorganversagen erfordern die kontinuierliche
Überwachung auf einer Intensivstation. Antibiotika:
Sie werden bereits bei Verdacht auf Sepsis gegeben, noch bevor der Erreger nachgewiesen und ein Antibiotikum
getestet ist. Infusionen und evtl. Medikamente zur
Stabilisierung des Kreislaufs und zur Verhinderung eines septischen Schocks. Beseitigung
von Sepsisherden: Sie ist erforderlich, wenn immer wieder von neuem Bakterien in den Kreislauf
eindringen. Beispiele für operatives Vorgehen sind: * Das Ausräumen oder Drainieren eines
Abszesses, einer infizierten Kieferhöhle, einer Brustfelleiterung. * Das Entfernen von
infizierten Implantaten (auch Blasen- und Venenkatheter) oder einer vereiterten Gallenblase. Künstliche
Beatmung bei unzureichender Lungenfunktion. Dialyse
bei Nierenversagen.
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