Unterarmfraktur, Unterarmbruch
Ellbogen-, Radiusfraktur und Handgelenkbruch

Ursachen und Risikofaktoren 
Symptome 
Was man selbst tun kann 
Wann braucht es den Arzt 
Vorbeugen 

Anatomie
Das Skelett des Unterarms ist aufgebaut aus zwei langen, röhrenförmigen Knochen, der Elle (lateinisch: Ulna) und der Speiche (lateinisch: Radius). Mit ihrem oberen Ende sind die beiden Knochen Teil des Ellbogengelenks, mit ihrem unteren Ende Teil des Handgelenks (Abbildung). Gelenknahe Brüche ziehen daher die Funktion des Ellbogengelenks oder des Handgelenks in Mitleidenschaft.


Je nach Ort des Knochenbruchs (Abbildung) unterscheidet man:

  • Am oberen Ende: Ellbogennahe Frakturen, also Bruch der Ellbogenspitze oder des Radiusköpfchens.

  • In der Mitte des Unterarms: Schaftfrakturen von Elle oder Speiche oder beider Knochen zugleich („Unterarmfraktur“).

  • Am unteren (vorderen) Ende: Handgelenksnahe Fraktur. Der handgelenksnahe Bruch der Speiche ist die häufigste Fraktur des Menschen überhaupt, in jedem Alter. In der Umgangssprache ist dann von „Handgelenksbruch“ die Rede.

Ursachen und Risikofaktoren

Als Ursache von Frakturen des Unterarms steht die unmittelbare Gewalteinwirkung im Vordergrund. Das heisst für den Ellbogen ein direkter Aufprall, für die Schaftmitte ein lokalisierter Schlag oder ein forciertes Abknicken über einer Kante. Brüche am unteren Ende der Speiche entstehen durch einen Sturz, der mit ausgestrecktem Arm aufgefangen wird.

Höheres Alter ist an sich ein Risikofaktor, einerseits wegen der erhöhten Sturzgefahr älterer Menschen, andererseits wegen der oft bestehenden Osteoporose.

Symptome

  • Schmerzen, Schwellung und ein Bluterguss fehlen praktisch nie.

  • Dem Ort des Bruchs entspricht der Funktionsausfall, also Bewegungseinschränkung im Ellbogen- oder Handgelenk.

  • Gleichzeitige Schaftfrakturen beider Vorderarmknochen (Bildmitte) sind bei Erwachsenen völlig instabil und haben deshalb eine sofort sichtbare Deformation und Fehlstellung zur Folge. Ist nur der Schaft eines der beiden Knochen gebrochen, kann der Arm noch angehoben werden.

  • Kinder weisen eine Sonderform der Schaftfraktur auf, die „Grünholzfraktur“. Es besteht ein Knick (Fehlstellung) meist geringen Ausmasses, weil das zähe Gewebe der kindlichen Knochenhaut das völlige Auseinandergleiten der Fragmente verhindert.

  • Nervenverletzungen im Ellbogenbereich sind mit Gefühlsstörungen und dem Schwund kleiner Handmuskeln verbunden.

  • Unvermögen, den Daumen vollständig zu strecken. Diese Unfallfolge besteht nach Durchriss oder späterem Durchscheuern einer Daumenstrecksehne bei handgelenksnaher Radiusfraktur

Komplikationen im Heilungsverlauf
Dazu gehören ungenügendes oder ausbleibendes Zusammenwachsen eines gebrochenen Knochens („Pseudarthrose“), Verfestigung in fehlerhafter Position (Verkürzung, Achsenknick, Verdrehung) und die Sudeck’sche Dystrophie.

Was man selbst tun kann

Das Abstützen des gebrochenen Arms auf dem gesunden ist eine Reaktion, die seitens der Verletzten instinktiv erfolgt. Eine improvisierte Schiene oder eine Armtragschlinge zur Ruhigstellung wirkt schmerzlindernd.






Regelmässige Bewegungsübungen – auch mit einem Gipsverband – tragen dazu bei, Beweglichkeit und Muskelkraft zu erhalten.

Wann braucht es den Arzt

Röntgenbilder informieren über den genauen Ort und den Frakturtyp, nach welchen sich die weitere Therapie richtet. Wichtig ist das Erkennen von Begleitverletzungen an Nerven und Blutgefässen.

Mit Gipsverband oder einem anderen härtenden Material lassen sich behandeln: unverschobene Brüche des Ellenbogens sowie einfache, wenig dislozierte (wenig verschobene) handgelenksnahe Frakturen der Speiche (Radiusfrakturen an typischer Stelle).

Ein starrer Verband (Gips, Plastikschiene) kann durch zunehmende Schwellung des darunter liegenden Gewebes eng werden und Nerven und Blutgefässe komprimieren (einschnüren). Eine sofortige nochmalige Arztkonsultation ist nötig bei Vorkommnissen wie:

  • Starkes Anschwellen der Finger oder des Handrückens.

  • Zunehmender Schmerz im Gips. Er kann so intensiv sein, dass kein Schmerzmittel dagegen hilft.

  • Gefühlsstörungen in der Hand.

  • Blau- oder Weissverfärbung der Haut von Fingern oder Hand.


Operative Behandlung erfordern dislozierte (verschobene) Brüche des Vorderarmschafts, der Ellenbogenspitze, handgelenksnahe Trümmerbrüche der Speiche und generell Frakturen, die in ein Gelenk hineinreichen. Ziele der Operation sind das genaue Einrichten (Reposition) der Bruchstücke und die möglichst rasche Wiederaufnahme der Gelenk- und Muskelfunktion, um einer Versteifung und Atrophie (Schwächung) entgegen zu wirken.

Zum Fixieren der Bruchstücke in der gewünschten Position werden Schrauben, Platten, Drähte oder äussere Spannvorrichtungen (Fixateur externe) verwendet. Sie werden nach Heilung der Fraktur entfernt, es sei denn der Eingriff wäre unverhältnismässig gross.

Vorbeugen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, Luzern

Letzte Aktualisierung: 29.4.2009
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