Verbrennungen, Verbrühungen

Bei Verbrennungen durch Hitze, elektrischen Strom, Sonnen- oder Röntgenstrahlen, aber auch durch Chemikalien wird die Haut oberflächlich geschädigt oder bis in tiefere Schichten zerstört. Der Begriff «Verbrühung» bezieht sich auf heisse Flüssigkeiten.

Man unterscheidet vier Schweregrade:

1. Grad: Beispiel ist ein leichter Sonnenbrand mit geröteter Haut, Schwellung und Schmerz. Die Heilung erfolgt von selbst und hinterlässt keine Narben.

2. Grad: Zusätzlich entstehen Blasen, in denen sich Gewebsflüssigkeit (Serum) sammelt. Solche Verbrennungen heilen ebenfalls von selbst. Wenn jedoch durch Infektion und Vereiterung der Gewebeschaden um sich greift, bleiben Narben zurück.

3. Grad: Die Haut ist in ganzer Tiefe zerstört, einschliesslich der Haarwurzeln, Schweissdrüsen, Blutgefässe und Nerven. Fingernägel und Haare fallen unwiederbringlich aus. Auf der verbrannten Haut entstehen grauweisse, bräunliche oder schwarze Flecken und Krusten. Die Schmerzempfindung ist erloschen. Das Risiko einer  Wundinfektion ist hoch. Verbrennungen 3. Grades gehen an den Randzonen in Stellen mit oberflächlicheren (zweitgradigen) Schäden über, die stark schmerzen. Bei kleiner Ausdehnung einer drittgradigen Verbrennung löst sich die abgestorbene Haut als tiefer Wundschorf und es entstehen Narben. Grössere Flächen heilen nicht selbst und bedürfen einer operativen Behandlung.

4. Grad: Die Körperoberfläche ist verkohlt. Unter der Haut liegende Strukturen sind geschädigt oder abgestorben, eine Selbstheilung ist nicht möglich.

Wenn bei Erwachsenen 15% der Körperoberfl äche zweitgradig oder tiefer verbrannt sind, besteht Schock- und Lebensgefahr; dies gilt für Kinder schon ab 5 bis 10%. Beim Erwachsenen entspricht die Handfl äche etwa 1% der Körperoberfl äche; der Kopf wird mit etwa 9% bewertet. Kinder haben andere Proportionen: Der Kopf ist verhältnismässig grösser und wird bis zum 5. Lebensjahr auf 15% der Körperoberfläche geschätzt.

Für die Schwere und damit die Gefährlichkeit der Verbrennung sind deren Tiefe (Grad) und Ausdehnung massgeblich. Von diesen Faktoren hängt ab, ob der Gewebeschaden ein lokales Geschehen bleibt oder sich auf den ganzen Organismus auswirkt und das Brandopfer schliesslich in Lebensgefahr bringt (Verbrennungskrankheit).

Wann braucht es den Arzt

Faustregel für die Notwendigkeit einer ärztlichen Behandlung

  • Alle Verbrennungen dritten oder vierten Grades und zweitgradige, die das Postkartenformat übersteigen (etwa 1% der Körperoberfläche), bei Kindern und älteren Menschen schon bei kleiner Ausdehnung, weil ihre Widerstandsfähigkeit geringer ist.

  • Immer wenn Gesicht (insbesondere Augen), Hände, Gelenke oder Genitalien betroffen sind.

  • Infektion von verbrannten Flächen oder Blasen.

Zu Hause behandeln lassen sich demnach Verbrennungen ersten Grades wie ein Sonnenbrand oder kleinere Verbrennungen zweiten Grades mit Blasen.

Empfehlungen Hausmittel

  • Die meist intensiven Schmerzen bei Verbrennungen werden durch das Kühlen der Wunde (mindestens 15 Minuten) gelindert. Dies geschieht am besten unter laufendem kaltem Wasser. Zudem bewirkt forcierte Abkühlung, dass das Absterben der Haut nicht weiter in die Tiefe greift; die Haut «brutzelt» nach Hitzeschädigung weiter, wenn sie nicht intensiv und genügend lang gekühlt wird. Eis oder Schnee verwenden, wenn kein Wasser verfügbar ist.

  • Verbrühungen: allfällige dampfende Kleidungsstücke sofort mit viel kaltem Wasser übergiessen, erst nach Kaltwerden ausziehen und die Kühlung dann direkt auf der Haut fortsetzen.

  • Nach dem Kühlen: sauberer, steriler Verband, der möglichst wenig klebt (sterile Wundsalbe). Kein Öl, Fett, Mehl, Puder, Alkohol und keine alkoholhaltigen Desinfektionsmittel verwenden.

  • Blasen am besten geschlossen lassen. Bei starker Spannung kann man sie anstechen, wenn dies unter sterilen Bedingungen erfolgt. Dazu nur ein kleines Loch machen und die Flüssigkeit ausfliessen lassen; die verbleibende Blasenhaut schützt den Blasengrund. Darüber legt man einen sterilen Verband an, der die Infektionsgefahr reduziert. Die Wundflüssigkeit ist nämlich ein Nährmilieu für Bakterien.

  • Verbrennungen oder Verbrühungen an Zunge oder Gaumen: ein Eisstück im Mund zergehen lassen, kalte Milch oder andere Flüssigkeit im Mund bewegen, mehrmals wiederholen.

  • Eine brennende Person wird – gleich wie brennende Gegenstände – durch Abspritzen mit einem Feuerlöscher oder Wasserstrahl gelöscht. Allerdings darf der Strahl nicht frontal gegen das Gesicht gerichtet werden. Kreislaufkollaps, Unterkühlung oder Reizerscheinungen in den Augen und Atemwegen sind weniger gefährlich als der weiter um sich greifende Brand. Ist nichts anderes verfügbar, versucht man das Feuer mit einer Decke zu ersticken. Da in Flammen stehende Menschen panikartig um sich schlagen oder davonlaufen, kann dies schwierig sein – man muss sie also notfalls zu Boden reissen.

  • Brennendes Öl in der Küche: Den Strom abstellen und die Flammen mit einem trockenen Deckel ersticken (es darf kein Kondenswasser daran haften). Alternative: einen speziellen Fettbrandlöscher verwenden (Brandklasse F). Keine konventionellen Löschgeräte einsetzen; auch nicht mit Wasser oder Decken löschen, Letztere geraten leicht ins Brennen, Wasser erzeugt Fettexplosionen.

Vorbeugen

  • Schutzmassnahmen für Kinder: Gitter am Herd; Kannen, Töpfe und Gefässe mit heissem Inhalt ausser Reichweite halten.

  • Thermosflaschen: immer den Deckel zudrehen, wenn man den Heisswasserbehälter herumträgt, auch wenn es nur von der Küche ins Wohnzimmer geht. Bei Stolpern mit offenem Verschluss drohen Verbrühungen.

  • Niemals Wasser in brennendes Öl spritzen, es besteht die Gefahr von Feuerfontänen.

  • Sonnenbrand verhindern.

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