Verstauchung, Bänderzerrung und BänderrissDer
Begriff «Verstauchung» bezieht sich auf einen bestimmten Unfallmechanismus, nämlich das gewaltsame
Überdehnen von Gelenkbändern, und nicht auf eine «Stauchung», wie das Wort suggeriert. Diese
Bänder bestehen aus zähen Gewebefasern, welche die Gelenke überbrücken und ein der Funktion entsprechendes
Bewegungsausmass zulassen (Beugen, Strecken, Drehen). Mit den Fasern ziehen Blutgefässe und Nerven,
deshalb ist die Verletzung schmerzhaft und es kann bluten.

Abb.
12: Fusskelett mit den Bändern des Fussgelenks, links von der Innenseite, rechts von der Aussenseite
Durch
Verstauchung entstehen je nach Stärke und Richtung der einwirkenden Gewalt Verletzungen unterschiedlicher
Schweregrade. Überdehnung von Bandstrukturen:
Der Zusammenhang der Bänder bleibt erhalten (Verstauchung im engeren Sinn). Ein typisches Beispiel,
und wohl die häufigste Ursache einer Verstauchung überhaupt, ist das seitliche Übertreten des Fusses
mit anschliessender Schwellung über dem äusseren Knöchel. Das verstauchte Gelenk schwillt an, ohne dass
ein Bluterguss sichtbar wird. Eine schwer wiegende Verletzung ist dann nicht anzunehmen. Zerreissen
einzelner Fasern («Anriss»): Folge ist eine geringfügige Schwächung des Gelenkzusammenhalts. Ein
blau durchschimmernder Bluterguss zeigt an, dass einige Faserstrukturen zerrissen sind. Man spricht
dann von «Bänderzerrung». Behandeln mit Hausmitteln und Schonen des Gelenks sind mehrheitlich ausreichend;
eine spontane Heilung innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen darf erwartet werden.
Wann braucht es den Arzt Die Beurteilung durch den Arzt ist jedoch nötig, wenn Schmerz, Schwellung und Bluterguss sich nach einigen Tagen des Ruhighaltens nicht deutlich zurückgebildet haben.Der Gelenkschwellung könnte dann ein Knochenbruch zugrunde liegen. So ist ein Bruch der Speiche oberhalb des Handgelenks möglich, wenn ein Sturz nach vorn mit den Händen abgefangen wurde. Hinter einer scheinbaren Verstauchung des Fussgelenks kann sich eine Knöchelfraktur verbergen. |
Totaler
Durchriss eines ganzen Bandes: Dies ist die schwerste Folge einer Verstauchung. Beim totalen Durchriss
der Bänder füllt sich das Gelenk prall mit Blut und lässt sich kaum mehr bewegen. Sind die Beine – Knie-
oder Fussgelenk – betroffen, besteht grösstenteils Gehunfähigkeit. Unbehandelt ist mit einer Instabilität
zu rechnen. Am Kniegelenk sind oft mehrere Bindegewebestrukturen zugleich beschädigt: Seitenbänder,
Kreuzbänder, Meniskus («unhappy triad»).
Wann braucht es den Arzt Verletzungen dieses Ausmasses müssen ärztlich abgeklärt werden. |
Empfehlungen
Hausmittel Unmittelbar
nach dem Unfall: Kühlen der schmerzenden und geschwollenen Stelle mit
kalten Umschlägen, zum Beispiel mit essigsaurer Tonerde, Essigwasser oder einer
Quarkauflage. Geeignet sind auch «cold pack» und Eiswürfel, die allerdings
nicht mit der Haut in direkten Kontakt kommen dürfen (Gefahr von Kälteschäden). Später
beschleunigen Wärmeanwendungen wie Heublumenwickel die
weitere Heilung. Ein leicht angezogener Kompressionsverband
unterstützt das Ruhigstellen des Gelenks, wirkt gegen weiteres Anschwellen
und mildert den Schmerz. Kohlwickel:
Dazu quetscht man rohe, gewaschene Weisskohlblätter mit einem Wallholz,
legt sie auf das Gelenk, deckt sie mit Tüchern ab und befestigt diese mit einer
elastischen Binde. Die Schmerzen nehmen im ersten Augenblick eher etwas zu,
danach werden sie aber deutlich geringer. Kohl jedoch nicht auf eine offene Wunde
legen. Bei Verstauchungen am Knie oder Fuss: Hochlagern
des Beins fördert das Abschwellen. Wenn man das Bein mit einem Stock entlastet, ist
es günstiger, diesen auf der unverletzten Gegenseite zu
führen. Der Schwerpunkt des Körpers verlagert sich dadurch zur gesunden Seite
hin. Arm- und Schulterverletzungen: Eine Armschlinge
– während
weniger Tage getragen – vermindert den Schmerz. Entzündungshemmende,
kühlende und
schmerzstillende Salben eignen sich besonders
zum Mitnehmen auf Reisen. Medikamente in Tablettenform: Sie sind
vielfach
mit Nebenwirkungen belastet und können die Wirksamkeit anderer Arzneimittel beeinflussen. Solche Produkte
sollten daher nur auf ärztliche Verordnung eingenommen
werden oder wenn sie von früherem Gebrauch her bekannt sind und gut vertragen wurden.
Vorbeugen Einlaufen
und Stretching vor dem Sport. Der Tätigkeit angemessene
Ausrüstung:
Schuhe, Skibindung, gepolsterte Gelenkschoner, Stützbandagen, Helm. Im
Alltag:
achtsame Bewegungen, Vorsicht vor Stürzen, vor allem auf unebenem Boden und beim Treppabgehen (Handlauf
benützen, auf die Stufen blicken).
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