Den Ursachen von Burnout auf der Spur

948864358 948864358

Ein Burnout kann alle treffen und ist nicht spezifisch auf einen Beruf zurückzuführen. Betroffene fühlen sich innerlich ausgebrannt und erschöpft. Burnout ist mehr als eine Überforderung: Es ist gleichzeitig auch ein Appell, den Blick nach innen und auf sich selbst zu richten.

Was ist ein Burnout?

Der Begriff Burnout ist abgeleitet aus dem Englischen «to burn out» und bedeutet «ausbrennen». Ein Burnout ist ein emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfungszustand. Die WHO definiert das Syndrom zukünftig als «Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann». Betroffene können die Anforderungen im Berufsalltag mit ihren eigenen Ressourcen nicht mehr bewältigen und sind dauererschöpft.

Die WHO definiert die folgenden drei Haupt­symptome von Burnout:

  • Gefühl von Erschöpfung
  • Zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job
  • Verringertes Leistungsvermögen im Beruf

Neue Definition: Stress am Arbeitsplatz

Es wird sich zeigen, wie die neue Definition von Burnout der WHO welche ab dem 1. Januar 2022 in Kraft tritt den Begriff, beziehungsweise die Diagnose Burnout verändern wird. Die neue Definition bezieht sich ausschliesslich auf den Stress am Arbeitsplatz und trägt den belastenden Situationen in anderen Lebensbereichen keine Rechnung. Experten gehen davon aus, dass es nach dieser neuen, eng gefassten Definition nach ICD-11 deutlich weniger Burnouts gibt als allgemein angenommen. Bei den in der Bevölkerung zunehmend wahrgenommenen Erschöpfungszuständen handelt es sich dann somit eher um Erschöpfungsdepressionen, andere psychiatrische Störungen oder Mischformen.

Ursachen von Burnout

Die Ursachen für Burnout sind vielfältig. Belastungsfaktoren müssen wiederholt auftreten, um zu einem Burnout zu führen. Bei der Entstehung von Burnout spielen auch individuelle Faktoren eine zentrale Rolle. Die meisten Experten sind sich einig, dass nebst arbeitsplatzbezogenen Faktoren auch individuelle Faktoren eine Rolle spielen, wie ein stark überhöhter Anspruch, mangelnde Erholungsphasen, Perfektionismus oder mangelnde Qualifikation. Wann die Ressourcen erschöpft sind, ist auch abhängig vom persönlichen Anspruchsniveau, von Fähigkeiten, Erfahrung, vom allgemeinen und aktuellen Gesundheitszustand.

Verlust von Ressourcen und Energie

Bei Burnout geht es nicht nur um Stress als Ursache. Ursachen sind vielmehr Zustände ständiger Anspannung, welche die Energiereserven dauerhaft reduzieren. Dazu kommen Erholungsphasen, die nicht ausreichen, um die Energiereserven wieder nachzufüllen. Dieser Verlust von Ressourcen und Energie sowie das subjektive Gefühl der Überforderung kann durch verschiedene und anhaltende Situationen entstehen. Kein von Burnout Betroffener wird sich in der Arbeit erschöpft, überflüssig und unzureichend fühlen, im Privatleben aber vor Energie, Zuversicht und Tatendrang strotzen.

Die Kraft der inneren Realität

Stress entsteht nie nur durch die Situation, sondern durch die subjektive Bewertung einer Situation oder einer Person sich dem nicht gewachsen zu fühlen. Es sind die bewussten und unbewussten Erfahrungen, die unser Denken, Fühlen und Handeln geprägt haben und aus denen wir unser Umfeld bewerten. Wer seine Identität im Aussen anstatt in sich selbst sucht, hat die grössere Gefahr einen Zusammenbruch zu erleiden, wenn das Äussere wegfällt. Dies unterstreicht die Autorin Dr. med. Mirriam Priess, die mit ihrem Buch «Burnout kommt nicht nur von Stress» einen Bestseller erlangte.

Die Grundlage für die Gesundheit ist, mit sich selbst in Beziehung zu stehen und ein authentisches Leben zu führen.
Dr. med. Mirriam Priess

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch, «der meiste Stress tritt in Beziehungen auf – in der Beziehung zu sich selbst oder in der Beziehung zur Umwelt». Menschen brauchen gute soziale Kontakte auf Augenhöhe – egal ob im Privaten oder im Berufsleben. Und noch viel wesentlicher: Viele erschöpfen und brennen aus, weil sie die Beziehung zu sich selbst, den inneren Dialog verloren haben. Es ist wichtig auf sich selbst und die eigenen Gefühle zu hören und mit sich selbst in Kontakt zu treten – dies nennt die Autorin die «innere Dialogfähigkeit».

Burnout vorbeugen

Jeder kann zur eigenen Burnout-Prävention beitragen. Zentral ist dabei sich selbst in den Fokus zu nehmen und sich immer wieder die folgende Frage zu stellen: Was brauche ich selbst und wie kann ich zu einem authentischen Leben beitragen? Auch Mirriam Priess präzisiert in ihrem Buch die Wichtigkeit, die eigene Dialogfähigkeit zu stärken, um so für eine Balance zwischen Nehmen und Geben in den eigenen Beziehungen und Handlungen herzustellen. Denn wie Dr. med. Mirriam Priess sagt: «Die Grundlage für die Gesundheit ist, mit sich selbst in Beziehung zu stehen und ein authentisches Leben zu führen».

Dialog zu sich selbst

Allem voran steht die Aufforderung, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und Stress, Belastungen und Konflikte nicht im Außen lösen zu wollen. Suchen Sie den Dialog zu sich selbst:

  1. Wie sind Sie in verschiedenen Lebensbereichen aufgestellt?
  2. Warum stehen Sie nicht dort, wo Sie stehen sollten?
  3. Worüber freuen Sie sich, was hemmt Sie?
  4. Wer sind Sie, was wollen Sie im Leben erreichen und wo liegen Ihre Grenzen?

Zudem empfiehlt sich, Konflikte so rasch wie möglich proaktiv zu klären, anstatt diese zu verdrängen, zu kompensieren oder zu beschönigen.


Quelle:
  • Mirriam Priess (2013). Burnout kommt nicht nur von Stress: Warum wir wirklich ausbrennen – und wie wir zu uns selbst zurückfinden. Überarbeitete und aktualisierte Neuauflage.