0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
CSS Versicherung
Zur Übersicht
medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Abwehrschwäche, Immunschwäche und Immundefekt

Immun bedeutet: für Krankheiten unempfänglich, gegen Ansteckung gefeit. Die Fähigkeit des Körpers, Mikroorganismen und ihre krankmachenden Folgen abzuwehren, ist eine Leistung des Immunsystems und eine Voraussetzung zum Leben. Manche Infektionskrankheiten führen zu einer natürlichen Immunisierung.

Eine Störung im Immunsystem, auch Immundefekt genannt, hat eine Abwehrschwäche zur Folge. Es besteht eine vermehrte Krankheitsanfälligkeit gegenüber Bakterien, Viren, Pilzen, anderen Mikroorganismen oder Giftstoffen und auch die Selbstheilungskraft des Organismus ist reduziert.

Das Immunsystem

Am Immunsystem sind verschiedene Organe, Zellen und Abwehrstoffe beteiligt. Ein unspezifisches und ein spezifisches System arbeiten eng zusammen. Spezifische Abwehrstoffe, so genannte Antikörper, werden im Verlauf des Lebens gebildet (s. auch Text zu Impfung und Immunisierung), binden Krankheitserreger und bereiten sie für die Beseitigung durch das unspezifische System vor. Die Zellen und Substanzen der unspezifischen Abwehr sind quasi die Putzequipe. Sie können nicht zwischen verschiedenen „Eindringlingen“ unterscheiden, räumen jedoch weg, was zur Elimination vorbereitet wurde oder was abgestorben ist (alte Zellen usw.).

Ursachen

Unterschieden wird zwischen angeborenen und erworbenen Immundefekten. Die angeborenen, so genannten primären Immundefekte (PID), sind bedeutend seltener, doch geht man davon aus, dass in der Schweiz etwa 1 Mensch von 10‘000 betroffen ist. Schätzungen in Deutschland rechnen allerdings mit einer zehn Mal höheren Anzahl. Meist besteht ein Mangel an spezifischen Abwehrstoffen, aber auch Abwehrzellen können vermindert sein, bisweilen sind beide Teile des Immunsystems betroffen.Genetische Faktoren können mitverantwortlich sein.

Häufige Ursachen von erworbener Abwehr- oder Immunschwäche sind:

  • Strahlentherapie, Chemotherapie, Kortison oder andere immunsupprimierende Medikamente. Solche werden unter anderem nach einer Transplantation zur Verhütung der Organabstossung verordnet.
  • Gewisse Infektionskrankheiten schwächen das Abwehrsystem. Dramatisches Beispiel ist AIDS, aber auch zum Beispiel die Grippe hat eine entsprechende Auswirkung, obgleich weitaus schwächer und „nur“ vorübergehend.
  • Bösartige Tumore, insbesondere einige Formen der Leukämie.
  • Verschiedene chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und chronische Darmkrankheiten.
  • Grössere Operationen; nach Entfernung der Milz besteht ausserdem eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber bestimmten bakteriellen Krankheiten.
  • Anhaltende Stresssituationen, chronischer Schlafmangel.
  • Nikotin, Alkohol- und Drogenmissbrauch.
  • Einseitige Ernährung und Fehl- oder Mangelernährung, insbesondere ausgeprägter Eiweissmangel.
  • Zu wenig oder zu viel sportliche Betätigung.
  • Alter. Im höheren Alter reagiert das Abwehrsystem schwächer als bei jungen Individuen.
  • Nicht geklärt ist bis anhin die Wirkung von Amalgam, Elektrosmog oder magnetischen Feldern und anderen Umwelteinflüssen auf das Immunsystem.

Symptome

Eine Abwehrschwäche macht sich durch banale Infekte wie Erkältungen bemerkbar, die ständig wiederkehren, oder es treten Infektionen durch atypische Mikroorganismen auf, die beim Gesunden keine Erkrankung auslösen. Daneben ist der Allgemeinzustand reduziert, man fühlt sich erschöpft und müde.

Je nachdem, auf welcher der verschiedenen an der Abwehr beteiligten Ebenen der Immundefekt auftritt, kommt es bevorzugt zu Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze. Manche Immundefekte ziehen schwere und gefährliche Krankheiten nach sich, andere wirken sich weniger stark aus. Die bekanntesten und schwerwiegendsten Beispiele für eine erworbene Abwehrschwäche: AIDS und bösartige Tumorerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Besteht eine erhöhte Infektanfälligkeit, ist das wichtigste Ziel, Ansteckungen zu vermeiden. Besonders zu beachten sind dann:

  • Hygienemassnahmen wie Händewaschen oder Hände-Desinfektion.
  • Kein Kontakt zu erkälteten Personen; eventuell Mundschutz tragen.
  • Massenveranstaltungen und öffentliche Verkehrsmittel meiden.
  • Eine gesunde Lebensweise stärkt das Abwehrsystem und reduziert die Häufigkeit von Infektionen: vitamin- und abwechslungsreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, genügend Bewegung, genügend Schlaf, Entspannungspausen, Vermeiden von Überforderung, nicht rauchen, mässiger Alkoholkonsum.
  • Wechselwarme Duschen und Kneipp-Anwendungen stärken den Organismus allgemein.
  • Echinacea- und Ginsengextrakte und andere Präparate sollen eine abwehrstärkende Wirkung haben; Untersuchungen konnten dies aber nur teilweise bestätigen.
  • Stillen schützt Säuglinge in den ersten Lebensmonaten vor manchen Infektionen, da in der Muttermilch Abwehrstoffe enthalten sind.

Wann braucht es den Arzt

Treten Infekte gehäuft auf oder verlaufen sie ungewöhnlich, sollte der Arzt abklären, ob eine Abwehrschwäche vorliegt. Es ist nicht einfach, „ungewöhnliche“ Infekte selbst zu erkennen. Hinweise können sein:

  • Wiederholte Erkältungs- oder andere Infektionskrankheiten, insbesondere wenn diese deutlich länger als eine Woche andauern.
  • Auftreten von unüblichen Symptomen während Erkältungen wie Gefühlsverlust, sehr starke Kopfschmerzen, Benommenheit, Blutungen.

Verdachtsmomente für einen primären Immundefekt bei Kindern:

  • Wiederholtes Auftreten von schweren bakteriellen Erkrankungen (zum Beispiel Sepsis).
  • Mehr als zwei Lungen- oder zwei Nasennebenhöhlenentzündungen pro Jahr.
  • Häufige Mittelohrentzündungen.
  • Chronischer Durchfall und Gedeihstörungen.
  • Wiederholtes Auftreten von Abszessen.

Ein Impfen von Personen mit Abwehrschwäche ist nicht in jedem Fall empfehlenswert; der Arzt berät gerne über die Möglichkeiten.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.