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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Achillessehnenriss, Achillessehnenruptur

Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein. Sie ist die stärkste Sehne des menschlichen Organismus. Sobald sich die Muskulatur anspannt, zieht die Achillessehne das Fersenbein nach oben und der Vorfuss geht nach unten, wie beim Zehenstand.

Vom Reissen der Sehne werden meist Menschen im mittleren Lebensalter überrascht, wenn einerseits erste degenerative Veränderungen die Sehne schwächen und andererseits deren Belastung durch körperliche Aktivität hoch ist. Anlässlich der mikroskopischen Untersuchung der Rissstelle lassen sich daher fast in jedem Fall bereits bestehende Abnützungserscheinungen (also degenerative Merkmale) nachweisen. Das Vorhandensein derartiger Veränderungen ist jedoch im Voraus nicht absehbar.

Der Sehnenriss liegt meist wenige Zentimeter oberhalb des Ansatzes am Fersenbein (Abbildung), selten höher am Übergang der Sehne in den Muskel. Der Riss (Ruptur) ist praktisch immer komplett und ereignet sich vornehmlich bei sportlicher Betätigung, kann aber auch beim Gehen oder Treppensteigen zustande kommen. Das Belasten der Sehne wird sofort unmöglich. Ein Teil- oder Anriss ist selten.

Häufiger als das Reissen der Achillessehne ist jedoch die Entzündung des Sehnenhüllgewebes. Sie kommt durch wiederholten, mechanischen Reiz bzw. Überbeanspruchung besonders bei Spring- und Laufsportarten vor.

Achillessehnenriss

Ursachen und Risikofaktoren

Anlass zur Ruptur gibt eine brüske Belastung, zum Beispiel ein Richtungswechsel, ein Auf- oder Absprung beim Sport, ein Fehltritt, selten ein Schlag von hinten gegen die Sehne. Eine meist schon vorher bestehende Schwächung wurde erwähnt und so erstaunt es nicht, dass auch leichtere Ereignisse für einen Riss ausreichen können.

Mit Vorschädigungen ist namentlich bei folgenden Krankheiten oder Zuständen (Risikofaktoren) zu rechnen:

  • Wiederholte kleinere Zerrungen und Überbeanspruchungen („Mikroverletzungen“) der Sehne.
  • Lang dauernde Kortisontherapie.
  • Injektionen in die Umgebung der Sehne.
  • Seit Jahren bestehender Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
  • Länger anhaltende Immobilisation infolge Bettlägerigkeit oder Gipsverband.

Symptome

Die Sehne reisst oft mit einem deutlich hörbaren Knall, vergleichbar einem Peitschenschlag. Typischerweise berichten Betroffene vom Gefühl, jemand sei ihnen von hinten gegen die Sehne getreten und als sie sich umgeschaut hätten, sei da niemand gestanden.

  • Die Schmerzen setzen plötzlich ein, klingen jedoch bald ab.
  • Zehenstand auf der verletzten Seite ist sofort unmöglich, jedoch gelingt es im Liegen oder Sitzen den Fuss nach unten zu bewegen – wenn auch nur unvollständig und kraftlos. Der Grund liegt darin, dass parallel zur Achillessehne der schwache Sehnenstrang (Plantaris-Sehne) eines weiteren Wadenmuskels verläuft, der in der Regel unverletzt bleibt, aber keine grosse Kraft entfalten kann.
  • An der schmerzhaften Stelle ist eine flache Vertiefung zu tasten, in die der Finger einsinkt.
  • Nach kurzer Zeit erscheint rechts und links hinter den Knöcheln ein Bluterguss.
  • Die Wadenmuskulatur ist deutlich schlaffer als am unverletzten Bein.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Das Auflegen von Eis (Cold Pack) vermindert die Ausdehnung des Blutergusses. Ein Druckverband wird angelegt, das verletzte Bein hoch gelagert und ruhig gestellt.

Vorbeugend sind Stretching und Warmlaufen vor und nach sportlicher Aktivität. Das Aufwärmen ist immer wichtig, auch im Alter. Bei bekannter oder möglicher Vorschädigung (Risikofaktoren, s. oben) der Achillessehne sollte man auf Sportarten verzichten, bei denen häufig aus dem Stand mit Sprüngen angelaufen wird (zum Beispiel Basket- oder Volleyball, Tennis, Squash). Ebenso zu meiden ist dann das Joggen auf auffallend unebenem Boden.

Wann braucht es den Arzt

Die genaue Diagnose stellt der Arzt, und für den erfahrenen Untersucher ist sie meist leicht zu stellen. In fraglichen Fällen schafft eine Ultraschalluntersuchung Klarheit; seltener ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) nötig. Röntgenaufnahmen zeigen, ob zusätzlich ein Knochenabriss oder -bruch besteht.

Therapie

  • Operation: Die operative Vereinigung der Sehnenstümpfe ist in der Mehrzahl der Fälle angezeigt. Wundheilungsstörungen sind spezifische der Operation anzulastende Komplikationen. Gefährdet sind insbesondere Menschen mit rheumatischen Erkrankungen oder Diabetes mellitus. Mangelhafte Durchblutung der Sehnenstümpfe nach erfolgter Naht erschwert die Heilung.
  • Die konservative Therapie umgeht die Operationsrisiken. Sie besteht im Ruhigstellen mittels eines starren Verbands oder Spezialschuhs, setzt aber voraus, dass die Stümpfe der gerissenen Sehne in Kontakt geblieben sind. Dies ist mittels Ultraschall, eventuell MRT zu bestätigen. Nur dann ist ein Durchbau des Gewebes überhaupt zu erwarten. Die konservative Behandlung ist langwierig, bezüglich des Resultats weniger abschätzbar und oft unbefriedigend. Häufig verbleibt ein Kraftverlust beim Zehenspitzenstand.

Komplikationen im Heilungsverlauf, unabhängig von der gewählten Therapie, sind einerseits die Sudeck-Dystrophie. und andererseits ein erneutes Reissen der Sehne.

Die Rehabilitation zieht sich über einige Monate hin und erfordert eine gute physiotherapeutische Begleitung. Wettkampfsport und Laufen auf unebenen Boden sollten erst etwa nach einem halben Jahr wieder aufgenommen werden.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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