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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Bauchschmerzen und Koliken

Bauchschmerzen sind überaus vielgestaltig und gehören zu den häufigsten Gesundheitsstörungen. Die richtige Zuordnung ähnelt dem Zusammensetzen eines Puzzle bestehend aus vielen Parametern: der Krankheitsgeschichte und dem subjektiven Erleben des Betroffenen, dem Ort und der Art, wie sich die Schmerzen bemerkbar machen, weiteren Symptomen und schliesslich dem Untersuchungsbefund, für den oft auch apparative oder technische Hilfsmittel eingesetzt werden.

Bauchweh hat seinen Ursprung allerdings nicht immer im Bauch selbst. Manchmal werden die Schmerzen nicht oder nicht nur am Ursprungsort wahrgenommen, sondern sie strahlen in den Bauchraum aus. Somit lassen sich unterscheiden:

  • Schmerzen, die von einem erkrankten Organ im Bauchraum ausgehen.
  • Auswirkung einer anderen Krankheit, bei der Schmerzen in den Bauch ausstrahlen.

Ursachen

Pathologische Vorgänge

Nachfolgend sind die pathologischen (krankhaften) Vorgänge aufgelistet, die allgemein zu schmerzhaften Erkrankungen im Bauchraum führen können.

  • Entzündungen und Infektionen von Organen im Bauchraum oder in dessen Nachbarschaft.
  • Passagebehinderung durch Tumore, Steine, verschluckte Fremdkörper oder durch Verwachsungen.
  • Medikamente: Antibiotika, Mittel zur Hemmung der Säurebildung im Magen, Chemotherapeutika (Medikamente gegen Krebs), Antirheumatika und viele mehr.
  • Vergiftung durch organische oder anorganische Gifte, z.B. Schwermetalle wie Blei oder Thallium (in Rattengift, und bestimmten Enthaarungsmitteln) oder Pflanzengifte können schwere Koliken bewirken; daneben bestehen dann auch weitere Vergiftungszeichen.
  • Perforation eines Organs: (Perforation: Durchbruch) Infolge von Entzündungsprozessen oder Tumoren kann in der Wand von Hohlorganen wie Magen, Darm, Gallenblase ein Loch entstehen. Schlageinwirkung, Schuss- oder Stichverletzung können zu Rissen oder Löchern in Bauchorganen führen.
  • Blutung in die Bauchhöhle: Blut übt einen Reiz auf das Bauchfell aus.
  • Blutgefässverschluss: Durch eine Embolie wird ein grösserer oder kleinerer Teil eines Organs akut von der Blutversorgung abgeschnitten.
  • Lageveränderung von Bauchorganen: Torsion (Verdrehung) von Organen um die eigene Achse mit dadurch bedingter Minderdurchblutung (Beispiel: Hodentorsion).
  • Diverse: Der monatliche Zyklus oder eine Schwangerschaft; Luftschlucken und Blähungen oder Gärungsprozesse im Darm; Nabelkoliken bei Kindern.
  • Ausstrahlende und nicht von Bauchorganen ausgehende Schmerzen: s. separate Auflistung weiter unten.

Typische Krankheitsbilder

Die Schmerzen sind hier den entsprechenden Organen zugeordnet.

In den Bauch ausstrahlende Schmerzen

Bauchweh hat seinen Ursprung nicht immer da, wo er empfunden wird. Erkrankungen anderer Organe oder Allgemeinerkrankungen können Ursache von Schmerzen sein, die in den Bauch ausstrahlen oder dahin „projiziert“ werden.

  • Herz und Kreislauf: Herzinfarkt, Angina pectoris, andere Herz-Kreislaufkrankheiten.
  • Lunge: Lungenentzündung, Lungenembolie, Entzündung des Lungenfells (Pleuritis).
  • Wirbelsäule: z.B. Spinalstenose.
  • Allgemeinkrankheiten: Grippe, viele Kinderkrankheiten, Herpes Zoster (Gürtelrose); Diabetes mellitus („diabetische Pseudoperitonitis“), Leukämie.
  • Psychosomatisch ausgelöste Bauchschmerzen hervorgerufen durch Stress, Angst, Schulschwierigkeiten.
  • Entzugserscheinungen nach Absetzen von Drogen oder bestimmten Medikamenten, z.B. Antidepressiva.

Symptome

Bauchschmerzen sind äusserst vielgestaltig. Sie lassen sich aufgrund des Charakters, des Orts und des zeitlichen Ablaufs beschreiben. Ebenfalls zu berücksichtigen sind begleitende Symptome.

Schmerzcharakter

  • Krampfartige, zu- und abnehmende Schmerzen (Koliken), die oft mit Blähungen verbunden sind, weisen auf eine Passagestörung in einem Hohlorgan hin – etwa bei Verengung oder Verschluss des Darms, der ableitenden Gallenwege, des Harnleiters. Beispiel: Nierensteinkolik, Darmverschluss.
  • Anhaltender, dumpfer Schmerz, der sich beim Bewegen oder Berühren des Bauchs verstärkt, ist das Zeichen eines entzündlichen Prozesses. Beispiele: Blinddarmentzündung, Gallenblasenentzündung, Bauchfellentzündung (Peritonitis).

Lokalisation

  • Lokalisierter Schmerz entsteht durch die Entzündung eines bestimmten Einzelorgans, etwa des Blinddarms, der Gallenblase, des Nierenbeckens. Anfänglich punktförmig lokalisiert ist auch der Schmerz bei Perforation (Durchbruch) des Darms, z.B. durch Entzündungen oder Fremdkörper, so bei Dünndarmperforation durch einen verschluckten Zahnstocher.
  • Diffuser, nicht genau zu lokalisierender Schmerz findet sich bei Bauchfellentzündung und Mangeldurchblutung des Darms. Er entsteht ausserdem bei hinausgezögerter Behandlung eines zunächst lokalisierten Prozesses.

Begleitende Symptome

  • Rückenschmerzen, oft beim Abgang von Nierensteinen und bei Nierenbeckenentzündung.
  • Vermehrter Harndrang, schmerzhaftes Wasserlösen bei Harnwegsinfekt.
  • Erbrechen, Verstopfung und geblähter Bauch sind Symptome seitens des Darms, sie kommen aber auch bei Krankheiten anderer Organe vor, etwa der Gallenblase, der Bauchspeicheldrüse. Psychischer Stress und Nahrungsmittelallergie können sich in gleicher Weise auswirken.
  • Übelkeit und Durchfall sind häufig.
  • Fieber und Schüttelfrost bei Infektion.
  • Blutiger Stuhl: bei Divertikeln (Ausstülpungen in der Darmwand, Divertikulitis), Darmkrebs, Darminfektionen.
  • Stuhlverhaltung bei Darmverschluss.
  • Vaginalblutung bei Eileiterschwangerschaft und Fehlgeburt.

Was man selbst tun kann

Gegen Krämpfe und Menstruationsbeschwerden helfen oft feuchtwarme Umschläge. Blähungen können gelindert werden mit warmen Auflagen (auch Kirschkernkissen) oder Massage, zum Beispiel mit Kümmel- oder Johanniskrautöl.
Günstig wirkt generell eine „Teepause“, während welcher keine feste Nahrung eingenommen wird, bis der Schmerz nachgelassen oder der Arzt weitere Anweisungen gegeben hat.
Beginnenden Harnwegsinfekten lässt sich manchmal mit viel Trinken und häufigem Entleeren der Blase entgegenwirken. Tritt die Besserung nicht innerhalb von zwei bis drei Tagen ein, soll jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Wann braucht es den Arzt

Erstmalige starke, rasch oder allmählich aufgetretene Bauchschmerzen sollte der Arzt abklären, insbesondere wenn sie mit Erbrechen, blutigem Stuhl und Fieber verbunden sind. Treten Stuhl- und Windverhaltung oder Bewusstseinstrübung dazu, liegt ein Notfall vor. Der Arzt kann die Erkrankung nur richtig zuordnen, wenn er möglichst genaue Angaben erhält über das Wann, Wie und Wo, also:

  • Seit wann besteht die aktuelle Gesundheitsstörung und sind früher schon ähnliche Ereignisse vorgekommen? Bei gynäkologischen Erkrankungen möglichst präzise Angaben über den monatlichen Zyklus und die letzte Regelblutung.
  • Wie ist der Schmerzcharakter: stechend oder dumpf, kontinuierlich stark oder an- und abschwellend?
  • Wo wird der Schmerz am stärksten verspürt?
  • Welche weiteren Symptome (siehe oben) werden bemerkt? z.B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Blutabgang (aus dem Darm, aus der Scheide).
  • Vorbestehende Krankheiten und eingenommene Medikamente.

Diagnose

Durch Abtasten der Bauchdecken versucht der Arzt, das Schmerzmaximum zu ermitteln und daraus auf das erkrankte Organ zu schliessen. Die Untersuchung durch Abtasten mit der Hand ist auch heute noch von Bedeutung. Eine Bauchfellentzündung beispielsweise lässt sich vermuten bei Abwehrspannung der Bauchdecken, Verstärkung der Schmerzen durch Drücken auf die Bauchwand und plötzliches Loslassen (Entlastungsschmerz), beim Beklopfen (Klopfschmerz).

Blut- und Urinuntersuchungen werden in der Regel durchgeführt. Zur Bestätigung der Diagnose kommen als bildgebende Verfahren Ultraschall, Röntgen sowie Magnetresonanz- (MRT) und allenfalls Computertomographie (CT) in Frage, sind aber nicht in jedem Fall nötig. Die Spiegelung der Bauchhöhle (Laparoskopie) kann in bestimmten Fällen dazu dienen, nicht nur die Diagnose zu bestätigen, sondern einen krankhaften Befund auch gleich zu beheben.

Die Therapie richtet sich nach der Diagnose; sie kann mit Medikamenten erfolgen oder einen operativen Eingriff erfordern.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 04.08.2018

 
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