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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Eierstockzyste

Fachbegriff: Ovarialzyste

Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte und durch eine Membran oder Haut abgegrenzte, sackartige Gebilde. Ihr volumenmässiger Hauptanteil besteht also nicht aus Körpergewebe, sondern aus Flüssigkeit. In den weitaus meisten Fällen sind sie gutartig, haben demnach nichts mit Krebs zu tun.

  • Ovarialzysten entstehen mehrheitlich aus im Eierstock verbliebenen Eizellen oder aus nicht abgebauten Gelbkörpern (Follikel oder Eibläschen nach dem Eisprung). Sie wachsen von einigen Millimetern bis zu über 15 Zentimetern Durchmesser an.
  • Sonderformen:
    • Riesenzysten mit mehreren Litern Inhalt, die heute allerdings selten sind.
    • Polyzystisches Ovarsyndrom, zahlreiche erbs- bis haselnussgrosse Zysten, die oft beide Eierstöcke durchsetzen.

Das Vorkommen weist zwei Häufigkeitsmaxima auf, eines kurz nach der Pubertät, das andere in den Wechseljahren. Eierstockzysten sind mehrheitlich harmlos, vor allem bei jüngeren Frauen, und viele bilden sich spontan zurück oder platzen. Jenseits des 40. Lebensjahrs steigt jedoch die Gefahr, dass sich hinter einer Zyste eine Krebsgeschwulst (Eierstockkrebs) verbirgt.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Zyklusbedingte Veränderungen in den Eierstöcken.
  • Hormontherapie: Zysten als Nebenwirkung.
  • Fehlentwicklungen von Keimzellen: Die so genannten Dermoidzysten sind selten; sie können sehr gross werden. Vereinzelt entarten sie zu bösartigen Zysten, aber praktisch nur nach dem 40. Lebensjahr.
  • Auch eine Endometriose kann zur Zystenbildung führen, die allerdings örtlich nicht mit dem Eierstock in Zusammenhang zu stehen braucht. Die Zyste kommt zustande, wenn die monatliche Blutung aus dem Endometrioseherd zur Bauchhöhle hin erfolgt und von einer bindegewebigen Membran abgekapselt wird. Der Inhalt solcher Zysten ist wegen des darin eingeschlossenen, alten Blutes dunkelbraun, weshalb sie auch „Schokoladezysten“ genannt werden.

Das Krankheitsbild

Kleinere Zysten machen sich in der Regel nicht bemerkbar und werden erst anlässlich einer gynäkologischen Routinekontrolle entdeckt.
Grosse Zysten können auf den Darm und die Blase drücken, so dass Druckgefühl und Schmerzen im Unterbauch, Störungen der Blasen- und Darmentleerung und sogar Rückenschmerzen vorkommen.

Folgen und Komplikationen

  • Unfruchtbarkeit kann eine Folge sein.
  • Hormon produzierende Zysten (polyzystisches Ovarsyndrom): Zyklusstörungen, monatlich wiederkehrenden Schmerzen und bisweilen Anzeichen von Vermännlichung (Haarwuchs an Oberschenkeln, Bauch und Oberlippe).
  • Akuter Bauchschmerz durch:
    • Drehung einer Zyste um ihre eigene Achse, die so genannte Stieldrehung. Die Blutzufuhr zur Zyste wird dadurch abgeschnürt und es entsteht kolikartiger Bauchschmerz, die Bauchdecken sind gespannt, der Bauch ist hart. Eine rasche Operation ist nötig.
    • Blutung ins Zysteninnere („Einblutung“). Dieses Ereignis kann spontan eintreten und durch rasche Grössenzunahme der Zyste ebenfalls zur Ursache eines akuten Unterbauchschmerzes werden.
    • Platzen der Zyste, worauf sich deren Inhalt in die Bauchhöhle ergiesst. Dieses Geschehen ist meist harmlos, doch ein dadurch ausgelöster akuter Unterbauchschmerz kann sehr heftig sein.
  • Krebsige Entartung: Die Mehrzahl der Zysten ist gutartig, nach dem 50. Lebensjahr steigt jedoch das Risiko, dass der Zyste eine Krebsgeschwulst zugrunde liegt (Ovarialkarzinom).

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Die Frau kann weder vorbeugen noch selbst etwas zum Verschwinden einer Eierstockzyste beitragen. Viele bilden sich von selbst zurück. Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen im höheren Lebensalter tragen dazu bei, bösartige Veränderungen möglicht früh zu entdecken und zu behandeln.

Wann braucht es den Arzt

Das Nachweisverfahren der Wahl ist die Ultraschalluntersuchung (Sonographie), die ohne Strahlenbelastung auskommt und somit beliebig oft wiederholt werden kann.

Eine zufällig festgestellte Eierstockzyste, die ohne Symptome bleibt, bedarf einer ärztlichen Überwachung. Bei jüngeren Frauen ist eine Therapie gewöhnlich nur bei grossen Zysten  (über 6 cm) nötig.

Therapie

  • Wenn eine Zyste sich nicht von selbst zurückbildet, wenn sie grösser wird oder zu Beschwerden führt, kommen im jüngeren Alter eine Hormonbehandlung, bei Erfolglosigkeit die operative Entfernung in Frage. Zu diesem Zweck hat sich die Spiegelung der Bauchhöhle (Laparoskopie) als wenig belastender Eingriff durchgesetzt.
  • Eine Hormontherapie wird auch eingesetzt bei ausgedehnter Endometriose und beim polyzystischen Ovarsyndrom.
  • Jenseits der fruchtbaren Lebenszeit ist die Operation von Eierstockzysten jeglicher Grösse angezeigt. Es gilt einer allfälligen krebsigen Entartung (Ovarialkarzinom) zuvorzukommen oder einen bösartigen Tumor möglichst früh zu behandeln.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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