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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Endometriose

Endometriose ist eine Erkrankung der Frau im geschlechtsreifen Alter. Zellen der Gebärmutterschleimhaut siedeln sich irgendwo im Körper an. Am neuen Ort entstehen knotige oder zystische Gebilde (Endometrioseherde), die auf Geschlechtshormone reagieren und daher den monatlichen Zyklus mitmachen, also Gewebewachstum, Schwellung und Blutung. Aber im Gegensatz zum Menstruationsblut kann das Blut aus Endometrioseherden sehr oft nicht abfliessen und verursacht im Körperinneren Entzündung und Schmerz.
Es handelt sich um eine chronische Krankheit. Man schätzt, dass 7 bis 12% aller geschlechtsreifen Frauen daran leiden.

Je nach Ort des Auftretens (Abbildung) unterscheidet man eine genitale Endometriose (in Eileitern, Eierstöcken, Vagina) und eine extragenitale Endometriose am Bauchfell, im Darm, in der Harnblase, im Nabel oder in Operationsnarben. Selten sind Organe ausserhalb des Bauchraums betroffen, zum Beispiel die Haut oder die Lunge.

Endometriose

Ursachen und Risikofaktoren

Es existieren Hypothesen, jedoch ist der Grund für das Wachsen von Zellanhäufungen aus Gebärmutterschleimhaut in anderen Organen noch nicht eindeutig geklärt, und vermutlich wirken verschiedene Faktoren zusammen.

  • Unmittelbar einleuchtend ist die Verschleppung von Zellen in die Bauchhöhle. Weil Menstruationsblut nicht nur nach aussen, sondern bei manchen Frauen teils auch „rückwärts“ durch die Eileiter abfliesst, besteht hier ein anatomischer Weg, auf dem Schleimhautpartikel in den Unterbauch gelangen und sich zu Endometrioseherden entwickeln können.
  • Ausbreitung über Blut- und Lymphgefässe. Dies erklärt das Vorkommen von Endometrioseherden in Blase, Darm und entfernt liegenden Organen.
  • Eine eindeutige, wenn auch seltene Ursache sind gynäkologische Eingriffe, in deren Verlauf Gebärmutterschleimhaut in die Operationswunde gelangt und dort einen Endometrioseherd bildet.
  • Postuliert wird ferner eine Fehlfunktion des Immunsystems, welche verhindert, dass die an einen falschen Ort verschleppten Zellen zerstört werden.
  • Familiäre Häufung kommt vor.

Das Krankheitsbild

Viele Endometrioseherde bleiben symptomlos. Treten Beschwerden auf, stehen sie typischerweise – aber nicht in jedem Fall – mit dem monatlichen Zyklus in Zusammenhang: Sie beginnen ein bis drei Tage vor der Regelblutung und klingen nach dem Höhepunkt der Blutung wieder ab.
Die Symptome hängen ab vom Ort des Endometrioseherds.

  • Unterleibsschmerzen sind am häufigsten.
  • Der Schmerz kann in den Rücken oder in die Beine ausstrahlen.
  • Bei Befall der Gebärmuttermuskulatur ist eine übermässig starke und schmerzhafte Monatsblutung das Hauptsymptom.
  • Auch ein andauernder Schmerzzustand ist möglich, und er kann sich bei Geschlechtsverkehr noch verstärken.

Häufige Begleitsymptome sind Müdigkeit und Erschöpfung, Blutarmut und Schwindelanfälle. Gleichzeitiges Vorhandensein von Allergien oder Autoimmunkrankheiten ist nicht selten.
Mit den Wechseljahren versiegt die hormonale Stimulation und die Symptome verschwinden meistens.

Extragenitale Endometriose

Bei Befall der Harnblase wird der Urin mit dem Monatszyklus blutig und bisweilen besteht eine Reizblase. Wenn der Darm betroffen ist, können Blutungen aus dem After und Schmerzen beim Stuhlgang auftreten. Sehr selten wurden Fälle von Endometriose in der Lunge beschrieben, die dann zu zyklusabhängigem Aushusten von Blut führten.

Folgen

  • Der Austritt von Blut in die Bauchhöhle bewirkt Entzündungen und Verwachsungen.
  • Die Endometriose kann zur Bildung von gutartigen Tumoren (Endometriosezysten) in der Bauchhöhle führen und zur Ursache von Eierstockzysten werden.
  • Infertilität: Etwa 40 % der betroffenen Frauen sind infertil, können also keine Schwangerschaft austragen.
  • Funktionsstörung von Organen – zum Beispiel der Urinausscheidung, wenn durch Endometriosegewebe ein Harnleiter eingeengt wird.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Leider sind keine vorbeugenden Massnahmen bekannt.
Hausmittel und verschiedene alternative Heilmethoden lassen sich gegen Beschwerden – auch ergänzend zur Schulmedizin – einsetzen: Akupunktur, Phytotherapie und Homöopathie.

Hausmittel

  • Wärmeanwendung durch Heizkissen, Bettflasche, Kamillenumschläge in der Schmerzgegend.
  • Warme Kartoffelwickel: Kartoffeln in der Schale kochen, zerdrücken, in ein Tuch einpacken und auf die schmerzende Gegend legen; ein Frotteetuch umbinden.

Wann braucht es den Arzt

Bei sehr schmerzhafter Regelblutung und bei zyklusabhängiger Blutung aus dem Darm oder aus der Harnblase ist eine Arztkonsultation angezeigt. Mitunter ist es ein nicht erfüllter Kinderwunsch, der zur Entdeckung der Endometriose führt.

Diagnose

Das Standardverfahren ist die Bauchhöhlenspiegelung (Laparoskopie). Sie ermöglicht eine Inspektion der Verhältnisse in der Bauchhöhle. Bei entsprechendem Verdacht finden Blasen- und Darmspiegelung Anwendung. Dabei werden Gewebeproben entnommen. Zum Erkennen von Unterbauchtumoren dient auch die Ultraschalluntersuchung (Sonographie).

Therapie

Bei kleineren Endometrioseherden genügen oft Medikamente vor allem mit niedrig dosierten Hormonpräparaten sowie mit Mitteln, welche die Bildung von Östrogenen hemmen. Nachteile der Medikamente sind die hohe Rückfallrate und die Nebenwirkungen, insbesondere der ausbleibende Follikelsprung und die sich daraus ergebende Sterilität. Oft werden Medikamente und Operation kombiniert eingesetzt.
Die operative Entfernung von Endometrioseherden ist die wirksamste Therapie. Sie kann manchmal unter Einsatz eines Lasers minimal-invasiv durch eine Bauchhöhlenspiegelung erfolgen. Ein Zusammenwirken von Gynäkologen, Urologen und Darmchirurgen ist nötig bei ausgedehntem Befall von Blase oder Darmabschnitten. Doch auch unter optimalen Voraussetzungen ist eine völlige Beschwerdefreiheit nicht immer zu erreichen.

Weitere Informationen und Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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