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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Wundrose

Fachbegriff: Erysipel

Das Erysipel (die Wundrose) ist eine bakterielle Infektionskrankheit der Haut. Es breitet sich rasch über die Lymphgefässe und Lymphspalten aus und kann an jeder Körperstelle in Erscheinung treten, bevorzugt aber die Füsse und das Gesicht. Gesunde Menschen mit guter Abwehrlage laufen selten Gefahr, zu erkranken.

Bei adäquater Therapie heilt die Krankheit überwiegend folgenlos, hat aber eine ausgesprochene lokale Rückfalltendenz. Wiederholte Erysipelschübe am gleichen Bein oder Arm können eine bleibende Lymphstauung (Lymphödem) nach sich ziehen. Unbehandelt und bei schlechter Abwehrlage gibt es tödliche Verläufe.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursache ist typischerweise die Infektion durch eine bestimmte Bakterienart, nämlich Streptokokken der Gruppe A. Wenn die Krankheit durch andere Erreger bedingt ist, wird sie gewöhnlich Erysipeloid oder Rotlauf genannt.

Eintrittspforte der Erreger sind oberflächliche Hautverletzungen, insbesondere kleine Risse (Rhagaden) am Naseneingang, am Mundwinkel oder zwischen den Zehen (wie sie bei Fusspilz anzutreffen sind), ferner Unterschenkelgeschwüre.

Gehäuftes Vorkommen findet man bei herabgesetzter Resistenz gegenüber Krankheitserregern. Das ist der Fall bei Durchblutungsstörungen an den Beinen (Arteriosklerose, Krampfadern im fortgeschrittenen Stadium oder Diabetes mellitus), zudem bei Unterernährung, Alkoholmissbrauch und bereits vorher bestehenden Infektionskrankheiten.

Das Krankheitsbild

Es handelt sich um eine flächige Entzündung der Haut und des Unterhautgewebes, die sich von der Eintrittspforte der Bakterien rasch ausbreitet.

  • Die Haut weist eine intensive, oft scharf begrenzte Rötung auf, ist teigig geschwollen und schmerzhaft. Innerhalb Stunden verschiebt sich der flammenförmige Rand der Rötung zum Rumpf hin.
  • Die benachbarten Lymphknoten (in der Leiste, der Achselhöhle oder am Hals) schwellen an und schmerzen.
  • Allgemeine Krankheitssymptome: Besonders ausgeprägt beim erstmaligen Auftreten, sind Übelkeit, Kopfschmerz, Schüttelfrost und meist hohes Fieber.
  • In der Mehrzahl der Fälle betrifft die Krankheit den Unterschenkel, so dass das Erysipel besonders im frühen Stadium mit einer Thrombose verwechselt werden kann.
  • Das Erysipeloid befällt dagegen vorzugsweise die Hände und Vorderarme von Personen, die mit Tieren arbeiten oder mit Fleisch zu tun haben.

Komplikationen

Ein schwerer lokaler Verlauf ist charakterisiert durch Hautblutungen, flächiges Absterben der Haut, Blasen- und Eiterbildung, Thrombophlebitis und später ein Lymphödem. Im Weiteren kann eine Sepsis („Blutvergiftung“) zur Entzündung der Herzinnenschicht (Endokarditis) führen.

Eine Art Teufelskreis ist die Wechselbeziehung zwischen Erysipel und Lymphödem. Das Lymphödem begünstigt das Entstehen eines Erysipels, dieses führt durch Zerstörung von Lymphbahnen zum Lymphstau, der wiederum das Zustandekommen des nächsten Erysipelschubs fördert.
Zwei Beispiele
1. Das Lymphödem am Arm einer Frau, die wegen Brustkrebs operiert und nachbestrahlt werden musste, ist ein Risikofaktor für Erysipelschübe, weshalb auf gute Hautpflege zu achten ist.
2. Ausgehend von einem Unterschenkelgeschwür an einem „Krampfaderbein“ entsteht ein Erysipel. Dieses zerstört Lymphgefässe und erzeugt ein Lymphödem, so dass leicht ein neues Erysipel entstehen und eine bleibende Schwellung resultieren kann.

Was man selbst tun kann

Ergänzend zur ärztlichen Behandlung:

  • Das betroffene Bein ruhig halten und zum Abschwellen hoch lagern.
  • Versuch mit einem „alten Hausmittel“: über dem oberen Rand der geröteten Fläche einen Streifen Heftpflaster quer aufkleben. Es wird berichtet, dass das Fortschreiten der Entzündung am Heftpflaster aufgehalten werden konnte.
  • Bei Fieber: viel trinken, Essigsocken oder Wadenwickel machen, aber nicht am erkrankten Bein.

Wann braucht es den Arzt

Der Verdacht auf Erysipel (oder Erysipeloid) erfordert eine Arztkonsultation.
Die Behandlung besteht in der Gabe von Antibiotika, lokalen Umschlägen, Ruhigstellen, eventuell Bettruhe und erfordert oft einen Spitalaufenthalt. Ist die Eintrittspforte der Bakterien noch nachweisbar – was nicht immer zutrifft – unterstützt eine mikroskopische Untersuchung auf Bakterien die Diagnose und Therapie.

Antibiotikatherapie: Antibiotika müssen ausreichend lange nach Vorschrift eingenommen werden. Dadurch kann zum einen das Medikament seine volle Wirksamkeit erlangen und die Rückfalltendenz der Krankheit (Rezidiv) ist reduziert, zum anderen lässt sich die stets drohende Gefahr einschränken, dass Krankheitserreger dem Medikament gegenüber unempfindlich werden (Resistenzbildung).

Vorbeugen

  • Besonders infektanfällig ist die Haut der Füsse bei Durchblutungsstörungen und bei Fusspilzinfektionen. Eine regelmässige Hautpflege, wozu auch die sachgemässe Behandlung eines Fusspilzes gehört, ist die beste Prophylaxe.
  • Ähnliches gilt beim Vorliegen eines Lymphödems am Arm. Blutentnahmen oder Injektionen am geschwollenen Arm müssen unterbleiben, denn der Ort des Stichs kann zur Eintrittspforte für Bakterien werden.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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