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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Herzklappenfehler

Unterformen: Aorteninsuffizienz und Mitralinsuffizienz, Aortenstenose und Mitralstenose

Die Funktion von Herzklappen ist gestört, wenn sie starr und verdickt sind, nicht richtig öffnen (Stenose) oder mangelhaft schliessen (Verschlussunfähigkeit, Insuffizienz). Am häufigsten ist die linke Herzhälfte betroffen, demnach die Mitral- und die Aortenklappe (Abbildungen).

Herz Klappensystem

Die Funktionsweise des Herzens

Das Herz funktioniert als Motor der Blutzirkulation, ist also unter mechanischem Gesichtspunkt vergleichbar mit einer Flüssigkeitspumpe. Seine Komponenten sind:

  • Die Herzmuskulatur: Sie umschliesst vier Hohlräume, die linke und die rechte Herzhälfte mit je einem Vorhof und einer Herzkammer (Abb. a).
    Die Herzmuskulatur stellt durch regelmässiges Zusammenziehen (Kontraktion, Systole, Abb. b) und nachfolgendes Erschlaffen (Diastole, Abb. c) die dynamische Komponente dar. Muskelkontraktion verkleinert das Volumen der einzelnen Kompartimente (Räume), wodurch deren Inhalt, das Blut, hinausgepresst wird. Sobald der Muskel erschlafft werden die Kompartimente weiter und füllen sich mit Blut.
  • Das Klappensystem: Da sich das Blut in einer bestimmten Richtung bewegen muss, wird die Strömung in Einbahnrichtung kanalisiert. Dies geschieht durch ein System von vier Klappen, die Ein- und Auslassventilen gleichkommen. Sie liegen zwischen den Herzkammern und Vorhöfen sowie zwischen den Herzkammern und den grossen Gefässen.

Begriffserklärungen

Herzklappenstenose:

Verengung der Durchtrittsöffnung einer Herzklappe.

Klappeninsuffizienz:

Verschlussunfähigkeit einer Herzklappe.

Herzinsuffizienz:

Nachlassen der Herzleistung. In der Folge gelangt zu wenig sauerstoffangereichertes Blut in den Kreislauf.

Herz Systole
Herz Diastole

Funktionsstörungen der Klappen

Jede Störung einer Klappenfunktion erfordert vom Herz eine erhöhte Pumpleistung, was nach längerer Krankheitsdauer zum Erschlaffen und schliesslich zum Versagen des Organs führt.

  • Stenose: Die Klappenöffnung ist zu eng für einen genügenden Durchfluss von Blut. Der Herzmuskel muss gegen die Strömungsbehinderung erhöhte Kraft aufwenden, um die vom Körper benötigte Förderleistung zu erbringen und ihn mit genügend Blut und Sauerstoff zu versorgen.
  • Insuffizienz: Die Klappen stehen in jeder Phase der Herztätigkeit mehr oder weniger weit offen. Das Einbahnprinzip der Zirkulation ist durchbrochen. Es kommt zum teilweisen Rückwärtsfliessen des Blutes, die Herzarbeit wird dadurch unrationell.
  • Bei Starre des Gewebes und während längerer Zeit bestehendem Klappenfehler können an einem Ort Stenose und Insuffizienz gleichzeitig vorliegen.

Ursachen

Der Stenose und der Insuffizienz liegen ähnliche Prozesse zu Grunde. Rheumatische, infektiöse oder verkalkende Vorgänge verändern sowohl die Basis der Klappen als auch ihre freien Ränder. Entzündungen vermögen Klappen zu deformieren, so dass Stenose oder Insuffizienz resultiert.
Häufigste infektiöse Ursache ist die Besiedelung der Klappen durch Bakterien. Infolge Komplikation nach einer Mandelentzündung (Angina tonsillaris) gelangen Bakterien in die Blutbahn und setzen sich auf Klappenrändern fest, was zu Entzündung, Narbenbildung, später zu Kalkablagerung und zu Starre der Herzklappen führt.
Weitere Ursachen sind Herzinfarkt und länger bestehende Herzinsuffizienz. Wenn sich das Herz vergrössert, sind die Klappen verhältnismässig zu klein und schliessen nicht mehr richtig. Die Verkalkung der Aorta (Hauptschlagader) kann auch die Aortenklappe betreffen, die dann starr und enger wird.
Seltener sind Herzklappenfehler angeboren.

Das Krankheitsbild

Allgemeine Gesichtspunkte

Manche Herzklappenerkrankungen machen sich bald störend bemerkbar, andere bleiben diskreter und erlauben ein annähernd normales Leben; alle bedürfen jedoch einer ärztlichen Überwachung. Geschädigte Herzklappen sind infektionsanfällig; vor manchen operativen und zahnärztlichen Eingriffen, aber auch z.B. vor einer Darmspiegelung wird der Arzt eine Antibiotikaprophylaxe verordnen, damit in die Blutbahn gelangte Bakterien sich nicht an den Herzklappen festsetzen.

Um die mechanischen Probleme des erhöhten Widerstands (Stenose) oder der unrationellen Pumpwirkung (Insuffizienz) auszugleichen, muss der Herzmuskel eine das normale Mass übersteigende, konstant höhere Leistung erbringen. Dies geschieht durch eine schnellere Schlagfolge und/oder durch vermehrten Kraftaufwand bei der Kontraktion (Systole). Mit der Zeit nimmt die Muskelmasse der Kammern zu (Kammer- oder Ventrikelhypertrophie).

Wenn diese Kompensationsvorgänge soweit gelingen, dass die Zirkulation ausreichend erhalten bleibt und keine Symptome auftreten, spricht man von einem kompensierten Klappenfehler. Eines Tages aber wird der ständig überbeanspruchte Muskel erlahmen, die Förderleistung nimmt ab, einschliesslich der Durchblutung des Herzmuskels selbst, und die Folgen einer mangelhaften Blut- und Sauerstoffversorgung machen sich bemerkbar (dekompensierter Klappenfehler).

Jede der vier Herzklappen kann zu eng (Stenose) oder verschlussunfähig (Insuffizienz) sein. Daher sind die hämodynamischen Auswirkungen unterschiedlich und entsprechend gibt es nicht einheitliche Symptome. Sie sind nachstehend ohne Bezug zu einem bestimmten Klappenfehler aufgeführt, denn eine detaillierte Diagnose lässt sich nur mit Hilfe von aufwändigen apparativen Spezialuntersuchungen (s. unten) stellen.

Verdachtsmomente, dass mit dem Herzen etwas nicht stimmt, können sein:

Puls und Herzrhythmus

  • Bisweilen verspürt der Patient Herzklopfen oder „Gefässklopfen“, wenn er nachts auf dem Ohr liegt. Der Blutdruck kann zu hoch (Hypertonie) oder zu tief (Hypotonie) sein.
  • Rhythmusstörungen, in erster Linie Tachykardie, daneben auch Arrhythmien (unregelmässiger Puls) mit oder ohne Vorhofflimmern.

Herzschmerzen, Angina pectoris

  • Herzschmerzen (Angina pectoris) können auf parallel ablaufende verkalkende Vorgänge am Blutgefäss und an den Klappen zurückzuführen sein. Die Klappen werden durch Kalkeinlagerungen dick und starr, die Koronararterien (Herzkranzgefässe) verengen sich.
  • Angina pectoris und Beklemmungsgefühl sind teils auch eine unmittelbare Folge von Herzinsuffizienz, indem die Koronararterien zu wenig durchströmt werden.

Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz bedeutet nachlassende Pumpwirkung der Herzmuskulatur, tritt also eher spät auf. Wenn überwiegend die linke Herzhälfte betroffen ist, kommt es zum Rückstau von Blut in die Lungen, zu Lungenödem, Atemnot und eventuell Bluthusten. Das Erlahmen der rechten Herzhälfte hat Schwellungen (Ödeme) der Beine und innerer Organe zur Folge. Am Ende stehen Herzversagen und Herzstillstand. Weitere Hinweise auf Herzinsuffizienz sind:

  • Atemnot und schnelle Ermüdbarkeit. Das Treppensteigen wird mühsam.
  • Schwindel, Ohnmachtsanfälle (Synkopen).
  • Blasse, rötliche oder bläuliche Verfärbung der Gesichtshaut und Lippen.

Was man selbst tun kann

Sobald sich Zeichen einer nachlassenden Herzleistung bemerkbar machen – und vielfach achtet man erst dann auf das Herz – sind körperliche Anstrengungen zu meiden, bis ein ärztlicher Befund vorliegt.

Hochlagern des Oberkörpers, also halbsitzende Position, lindert nächtliche Atemnot bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz. Bei Ödemen der Beine begünstigt Hochlagern das Abschwellen.

Wann braucht es den Arzt

Eine Arztkonsultation ist auf jeden Fall angezeigt, wenn ein Verdacht auf Herzklappenfehler besteht. Mittels Abhören der Herztöne und Beurteilen des Elektrokardiogramms (EKG) klärt der Arzt ab, ob Rhythmusstörungen, Herzhypertrophie (Vergrösserung) oder Zeichen einer Mangeldurchblutung vorliegen.

Das Röntgenbild des Brustkorbs (Thoraxröntgen) zeigt Grösse und Konfiguration des Herzens. Vergrösserung kann ein Zeichen für Hypertrophie wegen erhöhten Kraftaufwands beim Pumpen, aber auch für ein Erlahmen der Muskelspannung sein. „Gestaute Lungen“ sind ein Indiz für drohendes Versagen der linken Herzhälfte.

Das aufschlussreichste bildgebende Verfahren ist die Echokardiographie, mit der sich die Klappen „live“ in ihrer Funktion darstellen lassen. Vor einer Klappenoperation werden ergänzend eingesetzt: der Herzkatheter zur Messung des Drucks in den verschiedenen Herzkammern und grossen Blutgefässen, und zur Erfassung des Zustands der Herzkranzarterien die Koronarangiographie und allenfalls die Koronar-Computertomographie. Die Magnetresonanztomographie (MRT) wird vor allem angewendet, wenn eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiogramm) nicht die nötigen Resultate lieferte.

Leichte Klappenfehler ohne (wesentliche) Beeinträchtigung im Alltag müssen nicht operiert werden, erfordern aber eine regelmässige Überwachung durch den Facharzt.

Bei schweren Klappendeformitäten mit Verminderung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität ist eine Operation unumgänglich.
Eine Herzoperation sollte rechtzeitig erfolgen und rechtzeitig heisst, solange das Organ noch keinen irreparablen Schaden genommen hat.
Die operativen Techniken sind in rascher Entwicklung. Die Tendenz geht dahin, eine grosse Eröffnung des Brustkorbs zu umgehen und damit das operative Trauma zu reduzieren. Teilweise geschieht dies minimal-invasiv mittels Herzkathetern, die von der Leistenvene zum Herz hochgeschoben werden (Klappenraffung bei Mitralinsuffizienz), oder – ebenfalls minimal-invasiv – von kleinen, zwischen den Rippen angelegten Schnitten aus, die den Klappenersatz gestatten (bei Aortenstenose).
Je nach Klappe und anatomischer Veränderung kommen derzeit in Frage:

  • Die Ballonerweiterung einer verengten Klappe, ein minimal-invasives Verfahren, bei dem der Brustkorb nicht eröffnet werden muss.
  • Die Reparatur einer geschädigten Klappe: Ausweitung einer Stenose, Raffung der Klappensegel bei Verschlussunfähigkeit.
  • Das Einsetzen einer biologischen (organischen) oder mechanischen (künstlichen) Klappenprothese, wobei verschiedene Modelle verfügbar sind, über die der Chirurg informiert. Bei einigen Typen braucht es nach dem Eingriff eine langfristige Blutverdünnung.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Schweizerische Herzstiftung
    Schwarztorstrasse 18
    3000 Bern 14
    Telefon: 031 388 80 80
    www.swissheart.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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