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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Hirntumor

Fachbegriffe: Meningeom, Glioblastom, Neurinom

Hirntumor ist der Oberbegriff für jegliche Geschwulst im Schädelinnern. Von der feingeweblichen Struktur her lassen sich – wie in anderen Organen – gutartige und bösartige Tumore unterscheiden. Der Begriff „Karzinom“ wird im Zusammenhang mit dem Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) allerdings nicht verwendet.

Gemeinsam ist allen Hirntumoren, dass sie sich innerhalb eines durch die Schädelknochen formierten, starren Raums von gegebenem Volumen entwickeln. Der Innenraum kann dem Wachstum der Geschwulst also nicht nachgeben und sich nicht vergrössern. Es resultieren ein nach allen Seiten erfolgender Anstieg des Schädelinnendrucks und eine Kompression des Gehirns. Da der Tumor von einer bestimmten Stelle ausgeht, wird im Schädelinneren Gewebe zur Seite gedrängt, es kommt zur „Massenverlagerung“ (Abbildung). Die neurologischen Strukturen sind gezwungen, asymmetrisch zur Gegenseite und nach unten auszuweichen.

Hirntumore können in jedem Lebensalter auftreten, wobei jedoch einige Typen gewisse Altersstufen bevorzugen. Ursprungsort sind verschiedene im Schädelinneren vorkommende Gewebe, überwiegend Nervenstützgewebe, daneben Hirnhaut und Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), aber nur sehr selten Nervengewebe. Verlauf und Prognose sind abhängig von der Tumorart, dem Ort und besonders vom Zeitpunkt der Diagnose.

Hirntumor

Ursachen und Typen

Über die Ursachen der Entstehung ist kaum etwas bekannt – ausser bezüglich der Hirnmetastasen. Selten sind genetische Faktoren nachweisbar. Bislang konnte nicht geklärt werden, ob elektromagnetische Felder (Mobiltelefon und anderes) eine Rolle spielen.

Betreffend Unterscheidung von gutartig und bösartig ist wichtig zu wissen, dass auch ein sog. gutartiger Hirntumor lebensgefährlich sein kann. Gutartig heisst hier keineswegs harmlos, denn allein der im Schädel stetig zunehmende Druck und die Massenverlagerung (s. Abbildung) können neurologische Ausfälle erzeugen und lebenswichtige Funktionen beeinträchtigen. Zudem entarten manche gutartige Tumore zu bösartigen. Demgegenüber können an sich bösartige, aber langsam wachsende Tumore lange Zeit symptomlos bleiben.

Gutartige Tumore

  • Meningeome, die von der harten Hirnhaut ausgehen, bilden eine wichtige Gruppe mit etwa 25% aller Hirntumore. Meist sind sie gutartig, doch in etwa 10% entarten sie, selten sind sie von Beginn an bösartig (anaplastische Meningeome).
  • Neurinome haben ihren Ursprung in Hirnnerven, besonders im Hörnerv, ausserdem vielfach im Rückenmark.

Bösartige Tumore

  • Astrozytome, Glioblastome: Sie bilden die grösste Gruppe der aus dem Zentralnervensystem hervorgehenden bösartigen Tumoren und haben ihren Ursprung in Binde- und Stützgewebe der Hirnsubstanz, in sog. Gliazellen. Die Astrozytome lassen sich in vier WHO-Grade (I bis IV) unterteilen, abhängig von der Aggressivität der entarteten Zellen. Dem Grad IV entspricht das Glioblastom. Die feingewebliche Klassifikation weiterer Tumore, die aus den Gliazellen hervorgehen, umfasst eine grosse Zahl weiterer Typen.
  • Hirnmetastasen, also Ableger von Krebsgeschwülsten anderer Organe, sind die häufigsten bösartigen Wucherungen im Schädelinnern überhaupt. Sie gehen zwar nicht vom Hirngewebe selbst aus, siedeln sich aber irgendwo dort an und oft in Vielzahl.

Symptome

Die Symptome hängen ab von Lage und Grösse der Geschwulst, vom Ausmass des Druckanstiegs im Schädel und von allfälliger Massenverlagerung. Des Weiteren von der Geschwindigkeit des Wachstums, denn je schneller dieses ist, desto schneller verschlimmern sich die Symptome. Die nachfolgend beschriebenen Krankheitszeichen sind nicht für jeden Tumor typisch. Sie sind eher als Teile eines Puzzles zu verstehen, deren Kombination das Krankheitsbild ausmacht.

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, besonders ausgeprägt in den Morgenstunden, sind Zeichen des ansteigenden Hirndrucks. Kopfschmerz ist eines der frühesten und konstantesten Symptome. Oft ist er diffus verteilt, manchmal an einer bestimmten Stelle lokalisierbar; meist nimmt er im Laufe der Zeit zu.
  • Krampfanfälle: Sie ähneln epileptischen Anfällen und entstehen durch den Druck auf bestimmte Hirnareale, sind also „Lokalisationszeichen“. Bei langsam wachsenden, gutartigen Tumoren können sie über Jahre hinweg die einzigen Hinweise auf die Krankheit sein, bevor weitere Symptome dazu treten. In der zweiten Lebenshälfte bilden neu auftretende epileptische Anfälle bei bisher gesunden Menschen ein Verdachtsmoment für einen Tumor, evtl. für Hirnmetastasen einer bisher nicht bekannten Krebskrankheit.
  • Lähmungserscheinungen sind Symptome aufgrund von Kompression und Massenverlagerung im Bereich von Hirnrinde und Hirnstamm. Wegen der Überkreuzung von Nervenbahnen erscheinen sie auf der dem Tumor gegenüber liegenden Körperseite. Typisch ist die allmähliche Zunahme lähmungsbedingter Beschwerden, im Gegensatz zum Hirnschlag, wo sie ganz plötzlich „aus heiterem Himmel“ auftreten.
    Anfangs machen sich Lähmungen als Ungeschicklichkeit oder Schwäche beim Bewegen bemerkbar, manchmal als halbseitige Gefühlsstörungen (Taubheitsgefühl, Kribbeln). Motorische und sensorische Ausfälle können zu Gangunsicherheit oder sogar zu Gehunfähigkeit führen. Eine akute Verschlechterung ist jederzeit möglich.
  • Hör- und Gleichgewichtsstörungen, Ohrgeräusche, allmähliches Ertauben: Derartige Phänomene können auf einen vom Hörnerv ausgehenden Tumor hinweisen (Akustikusneurinom), insbesondere, wenn sie mit anderen, oben genannten Symptomen zusammen auftreten.
  • Sehstörungen: Ausfall oder Nichtbeachten (visueller Neglect) eines Teils des Gesichtsfelds in verschiedenen Richtungen, je nach Lage des Tumors, typisch auch bei den – allerdings seltenen – tumorbedingten Schädigungen des Sehnervs sowie bei Lähmung von Augenmuskeln.
  • Sprachstörungen: Wortfindungsstörungen, verwaschene Sprache.
  • Psychische Veränderungen: Persönlichkeitsveränderungen wie Apathie, Aggressivität, Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit.
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern: ungewöhnliche schnelle Zunahme des Kopfumfangs.

Ein ganz akut auftretender, rasender Schmerz im Kopf, oft verbunden mit Bewusstseinsverlust oder epileptischem Anfall, kann auf eine Blutung ins Schädelinnere durch ein geplatztes Aneurysma hinweisen, ohne dass ein Hirntumor vorzuliegen braucht. Das Vorkommnis ist in jedem Lebensalter möglich.

Wann braucht es den Arzt

Symptome, die auf ein Geschehen im Schädelinneren hinweisen und wiederholt auftreten, sind ein Grund, den Arzt aufzusuchen.

Diagnose

Es wird ein Neurostatus (Prüfung der Nervenfunktionen) erhoben und mit dem Augenspiegel lassen sich am Sehnerv Zeichen gesteigerten Hirndrucks feststellen.
Bildgebende Untersuchungen: Magnetresonanz-Tomographie (MRT), seltener die Computer-Tomographie, in speziellen Fällen eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder eine Blutgefässdarstellung (Angiographie). Die Elektroenzephalographie (EEG), ein für die Beurteilung einer Epilepsie wertvolles Instrument, ist in der Tumorabklärung durch die vorgenannten, neueren Verfahren weitgehend abgelöst worden. Gelegentlich wird auch Hirnflüssigkeit (Liquor) untersucht.
Die definitive Kenntnis über die Struktur der Geschwulst wird mit einer stereotaktischen Hirnbiopsie bestätigt. Dazu wird von einem kleinen Bohrloch in der Schädeldecke aus eine Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung entnommen.

Therapie

  • Die Behandlung ist – wenn immer möglich – operativ. Sie erfolgt unter dem Operationsmikroskop, mit minimaler Eröffnung des Schädels und mikrochirurgischer Technik. Computergestützte Navigation der Instrumente ermöglicht das präzise Entfernen von Gewebe und umgeht die Verletzung gesunder Strukturen.
  • Je nach Gewebetyp und Ausdehnung des Tumors folgt eine Nachbestrahlung (wozu auch die Gammastrahlentherapie zählt). Abhängig vom Verlauf (z.B. Rezidiv) und bei Unmöglichkeit einer Operation wird auch Chemotherapie angewendet.
  • Im höheren Lebensalter und bei gesicherter Gutartigkeit (Neurinom, Meningeom) können kleine Tumore mit alleiniger Strahlentherapie behandelt werden.


Prognose

Gutartige Hirntumore haben Aussicht auf eine definitive Heilung; bei bösartigen und bei Hirnmetastasen sind die Chancen leider deutlich schlechter. Was den bösartigsten aller Hirntumore betrifft, das Glioblastom, wird intensiv an einer Immuntherapie (Impfung) geforscht. Leider kann auch dadurch keine Heilung erreicht werden aber die Lebenserwartung kann voraussichtlich um mehrere Monate verlängert werden. Aktuell befindet sich der Impfstoff in Deutschland in der Testphase (Phase II Studie). Hierbei wird das Medikament am Patienten auf seine Wirksamkeit überprüft und dadurch das Therapiekonzept bestätigt. Wirksamkeit und Verträglichkeit der zu testenden Substanz werden an einigen hundert Patienten sorgfältig beobachtet. Sobald genügend Daten bezüglich der Wirksamkeit gesammelt wurden, geht die Studie in die nächste Testphase. Nach vollendeten drei Phasen der klinischen Studien (Phase I-III), kann die Zulassung der Substanz beantragt werden.

Weiterführende Informationen und Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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