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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Hodenentzündung und Nebenhodenentzündung

Fachbegriff: Orchitis und Epididymitis

Beide Krankheiten spielen sich an nahe beieinander liegenden und funktionell zusammen gehörenden Strukturen ab. Sie erkranken daher oft gemeinsam. Es besteht das Risiko von Komplikationen und Folgekrankheiten wie Defektheilung oder Abszess.

Überblick

Hoden und Nebenhoden erkranken oft gemeinsam, wobei gewöhnlich die Nebenhodenentzündung vorausgeht und die Infektion auf den Hoden übergreift.

Die Krankheiten kommen überwiegend bei Erwachsenen vor und sind mit dem Risiko von Spätfolgen und Komplikationen belastet. Beim Hoden ist dies die Defektheilung mit Sterilität; beim Nebenhoden können sich Abszesse und Fisteln bilden, gleichfalls mit Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit.

Begriffserklärungen

Fistel:

Pathologischer (krankhafter) Verbindungsgang zwischen inneren Organen oder von einem inneren Organ (Darm, Blase, Niere) zur Körperoberfläche. Das Wort ist abgeleitet vom lateinischen „fistula“, was Röhre oder Pfeife bedeutet.

Infertilität, Sterilität:

Zeugungsunfähigkeit aufgrund fehlender, zu weniger oder pathologisch veränderter Samenzellen (Spermien).

Viral:

durch Viren hervorgerufen.

Irreversibel:

Nicht rückgängig zu machen, bezogen auf eine Krankheit: nicht heilbar.

Atrophie:

Verkleinerung eines Organs oder einer Gewebemasse durch Abnahme der Zellgrösse oder der Zellzahl. Vielfach handelt es sich um eine Inaktivitäts-Atrophie, d.h. Ursache ist der Nichtgebrauch. Beispiel: Ein gelähmter Arm verliert an Muskelmasse. Adjektiv: atrophisch.

Ursachen und Risikofaktoren

 

Hodenentzündung (Orchitis)

  • Sie tritt meistens im Rahmen viraler Infektionskrankheiten auf. Bei jungen Männern ist die Orchitis infolge einer Mumps-Erkrankung gefürchtet, da sie Auswirkung auf die Fruchtbarkeit des Mannes haben kann. Auch Pfeiffersches Drüsenfieber, Windpocken und Grippe können eine Hodenentzündung auslösen.
  • Bakterien sind seltener Ursache einer Orchitis; es handelt sich unter anderen um die Erreger von Tripper (Gonorrhoe) und Syphilis (Lues), in der Schweiz selten um das Tuberkulosebakterium (tuberkulöse Orchitis).
    Einer bakteriellen Orchitis geht in der Regel eine Harnröhren-, Prostata- oder Nebenhodenentzündung voraus, die sekundär den Hoden befällt.
  • Verletzung: Schlag gegen den Hoden.

Nebenhodenentzündung

  • Ursache ist überwiegend eine bakterielle Infektion.
  • Die Infektion kann ausgehen von einer Harnröhren-, Blasen- oder Prostataentzündung. Ein Infektionsrisiko bedeuten ferner das Tragen eines Dauerkatheters, operative Eingriffe durch die Harnröhre oder ein Abflusshindernis wie Harnröhrenverengung (Urethrastriktur) oder Prostatahyperplasie.
  • Auf dem Blutweg gelangen Krankheitserreger in die Nebenhoden und Hoden bei Angina, Furunkulose, infektiösen Darmerkrankungen, Mumps.
  • Verletzungen durch Schlag, Tritt oder andere Unfallmechanismen können auch ohne Infektion zu einer Entzündung des Nebenhodens führen.

 

Die Krankheitsbilder

Das Auftreten der Symptome im Hodensackbereich und eventuell der Leistengegend erlaubt es, die Krankheit sofort den Geschlechtsorganen zuzuordnen.

  • Zunehmender Schmerz, Schwellung der Hoden, gerötete und überwärmte Haut.
  • Charakteristisch ist Ausstrahlen des Schmerzes in Leistengegend, Unterbauch oder Rücken.
  • Allgemeines Krankheitsgefühl mit hohem Fieber, manchmal auch Schüttelfrost.
  • Bei Nebenhodenentzündung: Schmerz beim Wasserlösen, Ausfluss aus der Harnröhre.

Komplikationen

  • Irreversibler Schaden am Hoden- oder Nebenhodengewebe, Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit oder Infertilität.
  • Hodenatrophie durch Substanzschwund des Keimgewebes; der Hoden wird klein und funktionslos.
  • Hoden- oder Nebenhodenabszess.
  • Fistelbildung.
  • Nach unzureichender Therapie – auch ungenügendem Ruhigstellen – kann eine Nebenhodenentzündung chronisch werden.

Extrem rasch einsetzender Schmerz ohne vorangehende Krankheitszeichen erweckt eher den Verdacht auf Hodentorsion als auf Entzündung. Es handelt sich um einen Notfall, denn eine nicht behandelte Torsion kann innerhalb von Stunden zur Zerstörung des Hodens führen.

Was man selbst tun kann

Der Schmerz lässt sich mildern durch Unterlegen des Hodensacks mit einem weichen Polster, durch kühlende Umschläge und Ruhigstellen. Dies geschieht entweder im Bett oder mit Hilfe eines Suspensoriums, einer Art Tragtasche für den Hodensack, die mit einem Gürtel um den Bauch befestigt wird (erhältlich in Sanitätsgeschäften).

Wann braucht es den Arzt

Wegen der Möglichkeit von Komplikationen und Spätfolgen ist bei jedem unklaren Befund an den Hoden der Arzt beizuziehen. In Zweifelsfällen werden Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt.

Therapie

  • Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente.
  • Bei bakteriellen Infekten Antibiotika. Gegen virale Erkrankungen sind sie jedoch wirkungslos.
  • Zur lokalen Schmerzstillung: Injektion eines Lokalanästhetikums in den Samenstrang.
  • Ruhigstellung mit Suspensorium.
  • Operation: Das operative Entfernen eines Nebenhodens kann bei chronischer, schmerzhafter Entzündung angezeigt sein.

Vorbeugen

Gegen Mumps ist ein Impfstoff verfügbar. Er wird als MMR-Impfung (Mumps-Masern-Röteln-Impfung) verabreicht, ein erstes Mal im Alter von 12 Monaten und ein zweites Mal im Alter zwischen 15 bis 24 Monaten. Die Impfung ist unter anderem deshalb empfehlenswert, weil bei etwa 25% der Männer, die an Mumps erkranken, der Hoden mit betroffen ist.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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