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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Hodentorsion

Torsion bedeutet Verdrehung. Bei der Hodentorsion dreht sich ein Hoden mitsamt dem Nebenhoden und Samenstrang (oft mehrfach) um seine Längsachse. Im Samenstrang werden Nerven und ernährende Blutgefässe abgeschnürt, so dass im Hoden ein akuter Durchblutungsmangel entsteht. Nach mehrstündiger mangelhafter oder unterbrochener Blutzufuhr stirbt das Keimgewebe ab, und die Spermienproduktion erlischt.

Eine Hodentorsion kann angeboren sein oder sich schon im 1. Lebensjahr zutragen (erster Häufigkeitsgipfel). In der Mehrzahl erleiden sie jedoch junge Männer zwischen der Pubertät bis etwa zum 25. Lebensjahr (zweiter Häufigkeitsgipfel).

Begriffserklärungen

Fertilität:

Fruchtbarkeit. Auf den Hoden bezogen bedeutet dies: Produktion von gesunden Spermazellen in genügender Zahl, die in der Lage sind, eine Eizelle zu befruchten.

Infertilitität:

Das Gegenteil von Fertilität. Zeugungsunfähigkeit wegen zu wenigen, fehlenden oder pathologisch (krankhaft) veränderten Samenzellen.

Spermazelle:

Samenzelle.

Torsion:

Verdrehung. Vom lateinischen „torquere“, verdrehen.

Ursachen

Es besteht anlagemässig eine zu schlaffe Aufhängung der Hoden, oder die Bändchen, die den Hoden fixieren, sind ungenügend ausgebildet. Als unmittelbare Auslöser des Vorgangs reichen alltägliche Bewegungen wie Herumrennen, Radfahren und andere geringe mechanische Einwirkungen, die dem Betroffenen vielfach gar nicht bewusst sind.
Beidseitige Hodentorsionen sind häufig; nach einem erstmaligen (einseitigen) Ereignis wiederholt sich das Gleiche oft in kurzem Abstand am anderen Hoden.

Das Krankheitsbild

  • Leitsymptom ist ein plötzlicher, vernichtend starker Schmerz im Hoden, der nach oben in die Leistengegend und den Unterbauch ausstrahlt. Der Schmerz verstärkt sich bei Berührung oder Anheben des Hodens und kann so intensiv sein, dass ein Kollaps oder Bewusstseinsverlust eintritt.
  • Der Hodensack schwillt an, die Haut ist gerötet und der betroffene Hoden steht höher als der gesunde auf der Gegenseite.
  • Übelkeit und reflektorisches Erbrechen sind häufig.
  • Seltener entwickelt sich die Torsion nicht so schnell und die Symptome sind weniger ausgeprägt. Insbesondere bei Neugeborenen kann eine Hodenverdrehung symptomarm und damit unerkannt bleiben.

Spätschäden

Atrophie des Hodens, Infertilität, reduzierte Produktion von männlichen Sexualhormonen.

Prognose

Ein einzelner gut funktionsfähiger Hoden gewährleistet weiterhin die Zeugungsfähigkeit und eine ausreichende Produktion männlicher Hormone.

Wann braucht es den Arzt

Extrem rasch einsetzender Hodenschmerz ohne vorangehende Krankheitszeichen erweckt den Verdacht auf Hodentorsion. Es handelt sich um einen Notfall, denn eine nicht erkannte Torsion kann zum Funktionsverlust des Hodens führen.

Der Arzt wird feststellen, ob sich die Diagnose bestätigt, oder ob ein anderes Geschehen zu dem akuten Ereignis geführt hat wie Hoden- oder Nebenhodenentzündung, eingeklemmte Hernie, Blutung in den Hodensack.

Die Therapie der Hodentorsion ist operativ, und es eilt. Für die Erholung entscheidend sind das Ausmass der Blutabschnürung (mehrfache Torsion des Samenstrangs ist ungünstiger) und der Zeitfaktor, also die Dauer vom Auftreten der Symptome bis zur Behandlung. Die Torsion sollte innerhalb von maximal sechs Stunden behoben sein.
Wegen des hohen Risikos, dass sich auch der andere Hoden früher oder später verdreht, wird dieser gewöhnlich vorbeugend auch operativ fixiert.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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