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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Hörsturz und Hörverlust

Hörsturz ist definiert als akutes Geschehen ohne erkennbare Ursache. Von einer Sekunde zur andern nimmt das Hörvermögen ab, meist in einem Ohr. Mit dem Hörsturz können – aber müssen nicht – Ohrgeräusche (Tinnitus) auftreten. Das sind unangenehme akustische Wahrnehmungen, für die keine äussere Schallquelle verantwortlich zu machen ist. Betroffen sind Erwachsene, besonders zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr, selten hingegen Kinder. Das Hörvermögen kann sich nach einiger Zeit wieder vollständig erholen (ca. 50% der Fälle) oder aber dauerhaft beeinträchtigt bleiben.

Allmählicher Hörverlust ist demgegenüber in vielen Fällen auf eine erkennbare Ursache zurückzuführen oder es lässt sich eine plausible Erklärung finden. Er ist oft altersbedingt oder Folge von extremer Beschallung während längerer Zeit (Disco, Walkman usw.).

Ursachen und begünstigende Faktoren

Hörsturz

Es ist nach wie vor unklar wie es zum Hörsturz kommt. Als Mechanismen werden diskutiert:

  • Durchblutungsstörungen im Bereich des Innenohrs.
  • Funktionsstörungen unterschiedlichen Ursprungs von Zellen in der Schnecke (Hörorgan im Innenohr).
  • Gestörte Impulsübermittlung bei Mangel an sog. Überträgerstoffen oder Fehlsteuerung in Nervengewebe.
  • Entzündungen.

Als direkt oder indirekt den Hörsturz begünstigende Faktoren kommen in Frage:

  • Herz-Kreislauferkrankungen: Es handelt sich um die Durchblutung verschlechternde Zustände wie zu niedriger oder zu hoher Blutdruck, Arteriosklerose, Zuckerkrankheit und Rauchen.
  • Blutkrankheiten welche die Fliesseigenschaften des Blutes verschlechtern.
  • Aussergewöhnliche Lärmexposition.
  • Stress.

Allmählicher Hörverlust

Ursachen sind Funktionsstörungen von Nervenzellen im Innenohr oder im Hörnerv selbst. Diese Strukturen können dann erkennbare Veränderungen aufweisen. Die Umwandlung des Schalls in Nervenimpulse ist dadurch beeinträchtigt, allenfalls auch deren Übermittlung ins Gehirn.

Ursachen sind beispielsweise:

  • Alter (Altersschwerhörigkeit).
  • Gewisse Medikamente (Streptomycin und einige andere Antibiotika).
  • Schädigung des Hörnervs, z.B. durch eine Geschwulst (Akustikusneurinom).

Übermässige Lärmexposition kann somit nach längerer Dauer (nach Jahren) einen allmählichen Hörverlust zur Folge haben, andererseits aber auch einen Hörsturz – dies bereits nach einmaligem Ereignis.

Bisweilen hat plötzlicher Hörverlust oder allmählich verschlechtertes Hörvermögen eine harmlose Ursache, die nicht im Innenohr, sondern im äusseren Gehörgang zu suchen ist, nämlich einen den Gehörgang verschliessenden Pfropf von Ohrenschmalz (Ohrpfropf).

Das Krankheitsbild

Beim Hörsturz nimmt das Hörvermögen also plötzlich ab, im Gegensatz zum allmählichen Hörverlust. Für beide Arten von Hörverlust gilt: Oft sind nur hohe, nur tiefe oder mittlere Tonfrequenzen nicht mehr wahrnehmbar, und die Behinderung im Alltag bleibt gering, aber auch Ertaubung des Ohrs ist möglich. Wenn alle Frequenzbereiche mit einbezogen sind, wird bereits ein mässig beeinträchtigtes Hörvermögen als störend empfunden.

Begleitsymptome bei Hörsturz können sein:

  • Druck im Ohr; viele Erkrankte haben das Gefühl, es sei Watte im Ohr.
  • Ohrgeräusche (Tinnitus) wie Pfeifen, Klingeln, Rauschen, Hämmern, Zischen oder Summen.
  • Gelegentlich entsteht Doppeltonhören, das heisst: Mit einem Ohr nimmt man den Ton normal wahr, mit dem anderen höher oder tiefer oder verzerrt.
  • Ohrschmerzen fehlen.

Verlauf und Spätfolgen

  • Heilung – auch spontan – und damit die Erholung der Hörfähigkeit ist bei Hörsturz häufig; allerdings ist unvorhersehbar, innerhalb welcher Frist und bis zu welchem Grad dies geschehen wird. Eine Hörverminderung oder sogar Taubheit kann bestehen bleiben. Nach Erholung sind Rezidive (erneuter Hörsturz) nicht selten.
  • Kommunikationsschwierigkeiten und in der Folge Beeinträchtigung von mitmenschlichen Beziehungen, evtl. Angst, sozialer Rückzug und psychosomatische Beschwerden.
  • Ein begleitender Tinnitus ist oft quälender als die Hörbehinderung.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Betreffend Hörsturz kann man selbst nichts tun.

Es gibt indessen Massnahmen, die einer möglichen Schädigung und damit zumindest einem allmählichen Hörverlust vorbeugen, teils auch einem Hörsturz (s. oben, Lärmexposition).

  • Gehörschutz tragen bei übermässigem Lärm in Beruf, Militärdienst, Discos und bei anderen Freizeitaktivitäten. An der Stereoanlage und für das Hören via Kopfhörer jeglicher Geräte hilft der Regler „Volume“.
  • Dem Gehör Ruhephasen ohne Radio-, Fernseh- oder andere Berieselung gönnen.
  • Keine Drogen, masshalten mit Alkohol, Nikotin und Koffein.
  • Regelmässige Entspannung.

Wann braucht es den Arzt

Bezüglich der Dringlichkeit einer Arztkonsultation bei Hörsturz sind die Meinungen geteilt, allgemein wird jedoch geraten mit der Abklärung nicht längere Zeit zu warten. Das heisst: Es besteht kein Notfall, aber je länger die Dauer, desto schlechter sind die Behandlungsmöglichkeiten.
Eine stetig zunehmende Hörverminderung sollte vom Arzt abgeklärt werden.

Diagnostik

Die umfassende Untersuchung beinhaltet unter anderem eine Ohrspiegelung, verschiedene Hörprüfungen (Audiometrie) und weitere Messungen. Bildgebende Verfahren sind Magnetresonanz-Tomographie, in speziellen Fällen auch Computer-Tomographie und Ultraschall; sie bezwecken unter anderem das Aufdecken von krankhaften Vorgängen in der Schädelbasis oder im Gehirn (Tumore, Gefässmissbildungen usw.) oder sie dienen dem Nachweis von Verletzungsfolgen. Zur Abklärung gehören ausserdem Bluttests, abhängig von der individuellen Situation. Es geht darum, mögliche Auslöser zu erkennen und zu behandeln, z.B. einen Infekt. Der Arzt wird die Diagnose eines Hörsturzes erst nach Ausschluss einer konkreten Ursache stellen, deshalb sind teils weitergehende Abklärungen nötig.

Therapie

  • Für den Hörsturz (ohne feststellbare Ursache) ist die Behandlung schwierig. Weil keine Behandlungsmethoden wissenschaftlich belegt sind, muss sich die Therapie auf Erfahrungen abstützen. Mit Infusionen und Medikamenten versucht man, die Durchblutung des Innenohrs zu verbessern, gegebenenfalls Funktionsstörungen von Zellen des Hörorgans zu beheben. Bisweilen wird Sauerstofftherapie angewendet.
  • Ein allmählich entstandener Hörverlust infolge degenerativer Prozesse kann mit einem Hörgerät behandelt werden.
  • Gegen Tinnitus helfen bei manchen Patienten alternative Heilmethoden (s. beim Link). Er wird zwar dadurch nicht beseitigt, aber nicht mehr als so störend empfunden.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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