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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Bluthochdruck

Fachbegriff: Hypertonie

 

Hypertonie bedeutet, dass der Blutdruck während längerer Zeit zu hoch ist. Das heisst, der obere, systolische Wert liegt wiederholt über 140 mm Hg und/oder der untere, diastolische über 90 mm Hg. Die grosse klinische Bedeutung der Hypertonie besteht im Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen, Nieren- und anderen Organschädigungen.
Hypotonie heisst demgegenüber (zu) niedriger Druck, das sind Werte unter 100 mm Hg systolisch.

 

Begriffserklärungen

Hypertonie:

Zu hoher Blutdruck. Das zusammengesetzte Fremdwort stammt aus dem Griechischen, wobei υπέρ (hyper) über, darüber hinaus bedeutet und τόνος (tonos) Spannung.

Hypotonie:

Zu niedriger Blutdruck. Das zusammengesetzte Fremdwort stammt aus dem Griechischen, wobei υπό (hypo), unten, nach unten bedeutet und τόνος (tonos) Spannung.

Kardiovaskulär::

das Herz und die Blutgefässe betreffend.

Arteriosklerose, Atherosklerose:

Ablagerung von Fettsubstanzen, Blutzellen und Fasern – später auch Kalk – in der Arterienwand. Dies führt zur Verengung des Innendurchmessers von betroffenen Blutgefässen und zur Abnahme ihrer Elastizität. Adjektiv: arteriosklerotisch.

Endokrine Erkrankung::

Funktionsstörungen von hormonbildenden Organen oder Geweben, zum Beispiel von Bauchspeichel- oder Schilddrüse, Nebennierenrinde, Hypophyse (Hirnanhangsdrüse).

Peripheres Nervensystem:

Nervenzellen und Nervenfasern, die sich ausserhalb des Gehirns und des Rückenmarkkanals befinden. Unterschieden werden ein willkürliches, somatisches und ein unwillkürliches, vegetatives Nervensystem. Für die Blutdruckregulation ist Letzteres von Bedeutung.

Zentrales Nervensystem:

Nervenzellen und Nervenfasern des Gehirns und des Rückenmarks.

Herz schematisch

Einleitung

Mit Blutdruck ist der Druck im Gefässsystem gemeint, insbesondere in den Arterien und Herzkammern (Abb. a). Es werden im Allgemeinen zwei Werte angegeben, gemessen in Millimetern Quecksilbersäule (mm Hg):

  • Der höhere, systolische Wert entsteht, während sich das Herz zusammenzieht (Systole, s. Abb. b). Durch die Druckwelle wird das Blut zu den Organen und Geweben transportiert.
  • Der niedrigere, diastolische Wert entspricht der Phase der Erschlaffung oder Ruhephase (Diastole, s. Abb. c) der Herzkammern, die sich nun mit Blut füllen.

Ein Messwert von 120/70 (120 zu 70) bedeutet, dass die Pulswelle während der Systole einen Druck von 120 mm Hg erreicht, in der Entspannungsphase (Diastole) sinkt der Druck auf 70 mm Hg. Werte in dieser Grössenordnung gelten als normal. Die neuere Messskala in „Kilopascal“ (kPa) hat sich bis jetzt nicht durchgesetzt.

Im Tagesverlauf ist der Blutdruck physiologischen Schwankungen unterworfen:

  • Früh morgens ist er tiefer als abends.
  • Im Verlauf des Vormittags steigt er, dann sinkt er gegen Mittag und steigt im Verlauf des Nachmittags wieder.
  • Nach dem Essen ist er höher als davor.
  • In Ruhe ist er tiefer als bei körperlicher oder geistiger Aktivität.

Hypertonie ist bei der Schweizer Bevölkerung im Alter von über 60 Jahren die am häufigsten gestellte medizinische Diagnose. Man nimmt an, dass in mitteleuropäischen Ländern etwa 20% der Erwachsenen einen erhöhten Blutdruck haben, doch kennen viele ihre Blutdruckwerte gar nicht.

Herz Systole
Herz Diastole

Ursachen und Risikofaktoren

In über 90% der Fälle ist die unmittelbare Ursache von zu hohem Blutdruck nicht feststellbar, man spricht dann von essentieller oder primärer Hypertonie.

Arteriosklerose hat einen hohen Stellenwert im Zusammenhang mit Hypertonie; sie kann ihr Entstehen begünstigen, aber auch deren Folge sein. Solange die Arterien noch elastisch sind, federn sie den Druck der Pulswelle in der Regel gut ab; sind die Blutgefässe hingegen durch arteriosklerotische Veränderungen starr und weniger dehnbar, steigt der Druck.

Organische Ursachen einer Hypertonie

Wenn organische Funktionsstörungen zugrunde liegen, sind sie meist auf eine Nierenschädigung zurückzuführen, andere sind bedeutend seltener.

  • Nierenkrankheiten: Es besteht eine Wechselbeziehung zwischen Hypertonie und chronischen Nierenerkrankungen. Hypertonie kann deren Folge, aber auch Ursache sein.
  • Funktionsstörungen anderer Organe: Herzerkrankungen, Krankheiten des zentralen oder des peripheren Nervensystems. Stoffwechselstörungen, zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder andere endokrine Erkrankungen.

Risikofaktoren und von aussen einwirkende Ursachen

Häufig bestehen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig und summieren sich in ihrer Wirkung.

  • Übergewicht; auch zu salzreiches Essen sowie metabolisches Syndrom.
  • Bewegungsarmut.
  • Rauchen, übermässiger Alkoholkonsum, Drogen.
  • Familiäre Veranlagung.
  • Höheres Alter.
  • Anhaltende psychische Belastung.
  • Erhöhter Blutdruck während der Schwangerschaft geht mit einem wesentlichen Risiko einher, später eine bleibende Hypertonie zu entwickeln.
  • Bei manchen Menschen erzeugen bestimmte Medikamente Bluthochdruck („die Pille“, gewisse Rheuma- oder Schmerzmittel usw.).

Das Krankheitsbild

Hoher Blutdruck bewirkt gewöhnlich keine Symptome und wird oft lange nicht bemerkt.

Auf eine seit längerer Zeit bestehende Hypertonie können hinweisen: Kopfschmerzen, Schwindel, Nervosität, Augenflimmern, Druck in der Brust, wiederholtes Nasenbluten oder Ohrensausen.

Folgen und Komplikationen der Hypertonie

  • Koronare Herzkrankheit (Angina pectoris, Herzinfarkt, Herzmuskelschwäche).
  • Arteriosklerose, Durchblutungsstörungen der Beine.
  • Hirnschädigungen, insbesondere Hirnschlag und Demenz.
  • Chronische Nierenfunktionsstörung, Nierenversagen. Die Hypertonie ist einer der bedeutendsten Risikofaktoren nicht nur für kardiovaskuläre, sondern auch für Nierenkrankheiten und Niereninsuffizienz. Die komplizierten Wechselwirkungen beruhen unter anderem auf Fehlsteuerungen des vegetativen Nervensystems und auf hormonalen Faktoren.
  • Sehstörungen entstehen durch Schäden an der Netzhaut (sog. hypertensive Retinopathie).

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Den Blutdruck selber messen

Da eine Hypertonie oft zufällig bemerkt wird, ist es sinnvoll, den Blutdruck selber zu messen, um so den Zustand möglichst früh zu erkennen. Es ist besonders wichtig, wenn in der Blutsverwandtschaft hoher Blutdruck oder Herz-Kreislaufkrankheiten bekannt sind. Die Schweiz. Herzstiftung empfiehlt eine jährliche Kontrolle schon ab dem 18. Lebensjahr, im höheren Alter und bei Vorliegen von Risikofaktoren in kürzeren Abständen. Misst man nicht selber, führt der Arzt oder Apotheker die Untersuchung durch.

Zur Selbstmessung sind mehrere Geräte-Modelle im Handel. Die elektronischen Apparate sind sehr sensibel. Bei rasch aufeinander folgenden und bei vergleichenden Messungen an beiden Handgelenken ergeben sich daher leicht unterschiedliche Werte. Konstante und grössere Differenzen zwischen den Resultaten (über 15 mm Hg), sollte der Arzt abklären. Korrekt angewendet, gewährleisten Handgelenk-Messgeräte in der Regel zuverlässige Werte. Oft ungenau arbeiten Apparate, die am Zeigefinger angelegt werden. Alle Geräte müssen entsprechend der Gebrauchsanleitung, also in der Regel alle zwei Jahre, neu geeicht werden.

Wie macht man es richtig

  • Vor dem Messen: mindestens fünf Minuten Ruhepause (sitzen oder liegen) und 30 Minuten lang keinen Kaffee, kein Nikotin konsumieren.
  • Keine beengenden Kleider am Arm.
  • Blutdruckmanschette auf Herzhöhe.
  • Während des Messvorgangs nicht sprechen.
  • Den Vorgang nach einigen Minuten wiederholen, das Gerät bzw. die Manschette dazwischen abnehmen und neu anlegen.

Wenn eine Hypertonie festgestellt ist

Eine Hypertonie besteht, wenn der Druck auch in Phasen der Entspannung (Ruhe-Blutdruck) bei mehrfacher Messung über den Grenzwerten von 140/90 mm Hg liegt.
Eine wichtige Massnahme ist nun das Erkennen und Minimieren von Risikofaktoren, was oft einen anderen Lebensstil erfordert. Das heisst:

  • Körpergewicht reduzieren, nicht rauchen, wenig Alkohol trinken, salzarm essen (insgesamt maximal 6 Gramm Salz täglich) und Mineralwasser mit weniger als 150 mg Natrium pro Liter bevorzugen.
  • Regelmässige Bewegung trägt dazu bei einen erhöhten Blutdruck zu senken, beispielsweise Wandern, Schwimmen, Radfahren, Joggen – jeweils der Kondition und dem gesundheitlichen Zustand angepasst. Arzt und Trainer oder Sportlehrer können ein passendes Programm erstellen. Regelmässiges Ausspannen, evtl. autogenes Training, Joga usw. sind für Hochdruck-Kranke ebenfalls empfehlenswert.
    Ungeeignet
    sind Kraft- und Kampfsportarten. Wer nach Feststellen von Bluthochdruck mit solchen sportlichen Aktivitäten beginnen möchte, sollte unbedingt zuvor mit seinem Arzt Rücksprache nehmen.
  • Medikamente: Es ist entscheidend, die vom Arzt verordneten Medikamente vorschriftsmässig anzuwenden. Ausserdem ist der Arzt zu informieren, wenn andere Arzneimittel oder pflanzliche Präparate, auch selbst gekaufte, eingenommen werden. Dies ist von Bedeutung, weil Interaktionen (Wechselwirkungen) zwischen allen Heilmitteln möglich sind – seien diese chemischer oder pflanzlicher Herkunft.

Wann braucht es den Arzt

Der Arztbesuch ist notwendig, wenn wiederholt hohe Blutdruckwerte oder grosse Druckschwankungen aufgefallen sind, wenn häufig Kopfschmerzen und Schwindel auftreten. Dringlich ist der Arztbesuch, wenn Enge in der Brust (Angina pectoris) und wenn zusätzlich zu den oben genannten Symptomen Bewusstseinstrübung oder Sehstörungen bemerkt werden.

Bluthochdruckkrise: Wenn die Ruhe-Messwerte plötzlich auf über 220 mm Hg systolisch oder über 120 mm Hg diastolisch ansteigen, ist eine notfallmässige Arztkonsultation angezeigt. Die Definition der Hochdruckkrise wird jedoch nicht einheitlich gehandhabt, manche Experten setzen die Grenze bereits bei 180/110 mm Hg.

Diagnose

Sie wird nicht nach einer einmaligen Messung gestellt, sondern nur nach wiederholter Bestimmung der Blutdruckwerte. Bei Unsicherheit kann eine Abklärung mit einem Gerät erfolgen, das die Werte während 24 Stunden aufzeichnet.
Bestätigt die wiederholte Blutdruckmessung eine Hypertonie, werden weitere Untersuchungen vorgenommen, um Folgekrankheiten möglichst frühzeitig zu erkennen.

Therapie

Blutdrucksenkende Medikamente sind meist nötig, und nur durch adäquate und konsequent durchgeführte Therapie lassen sich Komplikationen verhindern oder begrenzen. Treten Nebenwirkungen auf, sollten diese mit dem Arzt besprochen werden. Vielfach lassen sie sich vermeiden oder bessern, wenn Dosis oder Wirkstoffzusammensetzung der verordneten Arzneimittel geändert wird.

Adressen für weitere Infos

 

  • Schweizerische Herzstiftung
    Postfach 176
    3000 Bern 15
    Telefon: 031/ 351 15 22
    www.swissheart.ch

 

Mit Krankheit leben – Unterstützung der CSS Versicherung

Wir bieten Ihnen in Zusammenarbeit mit den TopPharm Apotheken eine Beratung bei Bluthochdruck an. Ergänzend zu Ihrer ärztlichen Behandlung zeigen Ihnen die Gesundheits-Coaches der TopPharm Apotheken, mit welchen Veränderungen Ihrer Lebensgewohnheiten Sie Ihre Gesundheit positiv beeinflussen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 07.08.2018

 
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