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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Niedriger Blutdruck

Fachbegriff: Hypotonie

Hypotonie bedeutet, dass der Blutdruck momentan oder anhaltend niedrig ist. Dies kann sich unangenehm bemerkbar machen, doch ist die Hypotonie von weitaus weniger Folgen und Komplikationen begleitet als die Hypertonie.

Begriffserklärungen

Hypotonie:

Zu niedriger Blutdruck. Das zusammengesetzte Fremdwort stammt aus dem Griechischen, wobei υπό (hypo), unten, nach unten bedeutet und τόνος (tonos) Spannung.

Hypertonie:

Zu hoher Blutdruck. Das zusammengesetzte Fremdwort stammt aus dem Griechischen, wobei υπέρ (hyper) über, darüber hinaus bedeutet und τόνος (tonos) Spannung.

Endokrine Erkrankung::

Funktionsstörungen von hormonbildenden Organen oder Geweben, zum Beispiel von Bauchspeichel- oder Schilddrüse, Nebennierenrinde, Hypophyse (Hirnanhangsdrüse).

Orthostatisch:

in aufrechter Körperposition. Das zusammengesetzte Fremdwort stammt aus dem Griechischen, wobei oρθός (orthos) aufrecht, gerade bedeutet und στάσις (stasis) das Stehen, die Körperhaltung.

Peripheres Nervensystem:

Nervenzellen und Nervenfasern, die sich ausserhalb des Gehirns und des Rückenmarkkanals befinden. Unterschieden werden ein willkürliches, somatisches und ein unwillkürliches, vegetatives Nervensystem. Für die Blutdruckregulation ist Letzteres von Bedeutung.

Zentrales Nervensystem:

Nervenzellen und Nervenfasern des Gehirns und des Rückenmarks.

Herz schematisch

Einleitung

Man kann da und dort lesen, dass Hypotonie eigentlich gar keine Krankheit sei, sondern vielmehr eine „Lebensversicherung“. Das ist Ermessenssache. Tatsache ist indessen, dass das Gefässsystem zwar geschont wird, weil die Gefässwände nicht einer so hohen Spannung ausgesetzt sind, dass aber andererseits die Hypotonie auch Symptom schwerer Krankheiten sein kann.

Mit Blutdruck ist der Druck im Gefässsystem gemeint, insbesondere in den Arterien und Herzkammern (Abb.a). Es werden im Allgemeinen zwei Werte angegeben, gemessen in Millimetern Quecksilbersäule (mm Hg):

  • Der höhere, systolische Wert entsteht, während sich das Herz zusammenzieht (Systole, s. Abb. b). Durch die Druckwelle wird das Blut zu den Organen und Geweben transportiert.
  • Der niedrigere, diastolische Wert entspricht der Phase der Erschlaffung oder Ruhephase (Diastole, s. Abb. c) der Herzkammern, die sich nun mit Blut füllen.

Ein Messwert von 120/70 (120 zu 70) bedeutet, dass die Pulswelle während der Systole einen Druck von 120 mm Hg erreicht, in der Entspannungsphase (Diastole) sinkt der Druck auf 70 mm Hg. Werte in dieser Grössenordnung gelten als normal.

Hypotonie ist bei Erwachsenen anzunehmen bei wiederholt auftretenden Werten unter 100 mm Hg systolisch oder unter 60 mm Hg diastolisch.

Die neuere Messskala in Kilopascal (kPa) hat sich bis jetzt nicht durchgesetzt.

Im Tagesverlauf ist der Blutdruck physiologischen Schwankungen unterworfen:

  • Früh morgens ist er tiefer als abends.
  • Im Verlauf des Vormittags steigt er, dann sinkt er gegen Mittag und steigt im Verlauf des Nachmittags wieder.
  • Nach dem Essen ist er höher als davor.
  • In Ruhe ist er tiefer als bei körperlicher oder geistiger Aktivität.

Herz Systole
Herz Diastole

Ursachen und Formen

 

  • Konstitutionell: Hypotonie kommt gehäuft bei grossen, schlanken Menschen und bei jungen Frauen vor.
  • Schädigungen des Nervensystems: z.B. bei der Parkinson-Krankheit, bei Diabetes mellitus, Multipler Sklerose oder nach Hirnschlag.
  • Krankheiten als Auslöser: Anämie (Blutarmut), grippale Infekte, Unterfunktion der Schilddrüse oder der Nebennierenrinde oder andere endokrine Krankheiten.
  • Herzerkrankungen: Akutes Herzversagen, z.B. durch einen Infarkt: kardiogener Schock, Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündung usw.
  • Schwangerschaft.
  • Medikamente: Mittel gegen Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelschwäche, Diuretika („Entwässerungsmittel“), Antidepressiva, Neuroleptika, Tranquilizer, Parkinson-Medikamente usw.
  • Flüssigkeitsmangel, Austrocknen des Organismus, z.B. wegen Durchfall und Erbrechen.
  • Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems: akute Hypotonie, sog. orthostatischer Kollaps.
  • Schockzustand: Extremform einer akuten Hypotonie, verursacht durch:

 

Das Krankheitsbild

Hypotonie als Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems

Der Blutdruck fällt akut und das Gehirn bekommt zu wenig Sauerstoff. Dieser gewöhnlich rasch vorübergehende Zustand heisst auch orthostatischer Kollaps oder Kreislaufkollaps.
Auslösende Momente sind langes Stehen, besonders in Verbindung mit einem Wärmestau, brüsker Wechsel der Körperposition z.B. beim Aufstehen aus dem Bett, daneben Schreckreaktionen, Gerüche, Schmerz, Angst oder ungewohnte psychische Eindrücke.

  • Schwindel, Übelkeit, Zittern, kalter Schweiss und Schwarzwerden vor den Augen, Zusammensinken (orthostatischer Kollaps). „Sich zusammennehmen“ hilft nicht.
  • Kurzdauernde Ohnmacht, sog. Synkope. Bei einem Sturz besteht Verletzungsgefahr. Der Zustand kann sich in vergleichbaren Situationen wiederholen.

Hypotonie als Hinweis auf andere Krankheiten

Meist dominiert hier eine übergeordnete Erkrankung das Befinden, so dass der tiefe Blutdruck als ein Symptom neben mehreren anderen auftritt.

  • Müdigkeit, Antriebsschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten.
  • Frösteln, kalte Füsse und Hände.
  • Bei plötzlichem extremem Blutdruckabfall: In diesem Fall führt das Kreislaufversagen zu Mangeldurchblutung lebenswichtiger Organe. Kalter Schweiss auf der Stirn, Herzrasen, Todesangst begleiten den bedrohlichen Zustand.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Bei Kollapstendenz: Wechselbäder, Kneippanwendungen, Gymnastik, Sport und ausreichende Flüssigkeitszufuhr können stabilisierend wirken.
  • Bei plötzlichem Kollaps, bei einem Schockzustand: Betroffene ausserhalb einer allfälligen Gefahrenzone sofort flach lagern (auch der Boden ist geeignet), die Beine auf eine erhöhte Unterlage bringen, damit vermehrt Blut ins Herz zurückfliesst; enge Kleider öffnen. Hilfe organisieren.

Wann braucht es den Arzt

Chronisch tiefer Blutdruck ist bei jungen und insbesondere bei schlanken Menschen keine Seltenheit und muss nur behandelt werden, wenn er zu deutlicher und anhaltender Beeinträchtigung des Befindens führt.

Ein Kollaps ist gewöhnlich vorbei, wenn der Arzt eintrifft. Die Abklärung ist bei gehäuftem Vorkommen erforderlich, um eine allfällige Grundkrankheit behandeln zu können, und weil beim Hinfallen ein Verletzungsrisiko besteht.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 07.08.2018

 
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