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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Unerwünschte Operationsfolgen, Postoperative Komplikationen

Komplikationen nach einer Operation können den Spitalaufenthalt verlängern, die Prognose verschlechtern, schlimmstenfalls zusätzlichen Schaden zurücklassen. Das Komplikationsrisiko ist für viele Patienten der Hauptgrund, sich vor einem Eingriff zu scheuen. Da sich ein solches Risiko nie mit Sicherheit ausschliessen lässt, kann der Arzt keine Garantie geben, dass alles wunschgemäss ablaufen wird. Er ist indessen verpflichtet, über mögliche Komplikationen zu informieren und bei Eintreten einer solchen unverzüglich die geeignete Therapie einzuleiten. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass sich die Gesamtrate postoperativer Komplikationen trotz moderner, laufend verbesserter Techniken kaum noch weiter senken lässt. Dafür sind verschiedene Gründe anzuführen: menschliche Faktoren, demographische Gegebenheiten (Überalterung der Bevölkerung) und – teils damit verbunden – Operationen von Patienten mit mehreren bereits vorbestehenden Krankheiten (Multimorbidität) usw.

Voruntersuchungen und gegebenenfalls Vorbehandlung dienen der Minimierung von intra- und postoperativen Komplikationen und sind besonders bei älteren Patienten vor komplexen Eingriffen unerlässlich. Vor Notfalloperationen reicht die Zeit jedoch oft nicht für einen weitgehenden gegenseitigen Informationsaustausch und alle erwünschten Abklärungen. Deshalb ist die Komplikationsrate bei solchen Eingriffen höher.

Immer gilt es, mögliche Risiken gegen den zu erwartenden Nutzen abzuwägen. Dazu tragen Arzt und Patient bei. Die Entscheidung zur Operation liegt beim Patienten.

Im Rahmen dieser Ausführungen wird nicht auf Behandlungs- oder sog. Kunstfehler eingegangen und ebenso wenig auf Komplikationen, die typisch sind für Spezialgebiete wie Orthopädie, Gynäkologie, Kiefer-, Gefäss- oder plastische Chirurgie usw.

Begriffserklärungen

Atrophie:

Verkleinerung eines Organs oder einer Gewebemasse durch Abnahme der Zellgrösse oder der Zellzahl. Vielfach handelt es sich um eine Inaktivitäts-Atrophie, d.h. Ursache ist der Nichtgebrauch. Beispiel: Ein gelähmter Arm verliert an Muskelmasse. Adjektiv: atrophisch.

Anästhetikum:

Medikament zur Verringerung der Schmerzempfindlichkeit.

Fistel:

Pathologischer (krankhafter) Verbindungsgang zwischen inneren Organen oder von einem inneren Organ (Darm, Blase, Niere) zur Körperoberfläche. Das Wort ist abgeleitet vom lateinischen „fistula“, was Röhre oder Pfeife bedeutet.

Hämatom:

Bluterguss.

Insuffizienz:

Schwäche, reduzierte Leistung.

Intraoperativ:

während der Operation.

Postoperativ:

nach der Operation, im Anschluss an diese entstanden.

Präoperativ:

vor der Operation.

Chéloïde:

multiplication de fibres de tissu conjonctif qui produit l’excroissance cutanée d'une cicatrice. La cause est à chercher dans une prédisposition génétique qui à la tendance de former des cicatrices hypertrophiques très dérangeantes au point de vue esthétique.

Kontamination:

Verunreinigung, Verseuchung. Adjektiv: kontaminiert.

Multiorganversagen:

Erhebliche Funktionseinschränkung oder Versagen von zwei oder mehr lebenswichtigen Organen; kann zum Tod führen.

Zerebral:

das Gehirn betreffend.

Präoperative Abklärung

Sorgfältige Voruntersuchungen sind unerlässlich. Sie werden zur Abklärung der Operationsfähigkeit und zur optimalen Planung des Eingriffs vorgenommen und schränken das Risiko von Komplikationen ein. Beispiele: Labortests, Überprüfen der Funktionstüchtigkeit von Herzkreislauf- und Atmungssystem mittels EKG (Elektrokardiogramm) allenfalls weiteren Herzuntersuchungen und Spirometrie (Lungentest). Probleme und Risiken lassen sich dann bereits vor der Operation einkalkulieren und im Bedarfsfall kann adäquat reagiert werden. Vergleichbares gilt für chronische Krankheiten oder Zustände wie Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Mangelernährung. Bei Krebs wird so gut als möglich abgeklärt, ob durch die Operation eine reelle Heilungschance besteht. Methoden sind Röntgen, Ultraschall, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Darm- oder Bauchhöhlenspiegelung und andere.
Leider haben die von Patient und Arzt verlangten und wertvollen Mehrinformationen auch ihren Preis – Stichworte: Kostenexplosion, Krankenversicherungsprämien.

Es ist jedoch unmöglich, jede Situation und jedes Ereignis einzukalkulieren oder vorherzusehen und zudem gibt keine Nachweismethode eine Sicherheit darüber, was tatsächlich intraoperativ vorgefunden wird.

Präoperative Aufklärung

Abhängig davon, was für ein Eingriff vorgenommen wird, variiert das Risiko von Komplikationen, von denen aber mehrere in jedem Fall in Betracht zu ziehen sind. Diese lassen sich jedoch mehrheitlich gut therapieren und beherrschen (z.B. Bluterguss, Nachblutung). Ereignisse seitens Herzkreislauf- oder Lungensystem und gewisse Infektionen können allerdings durchaus lebensbedrohend werden.

Aktuell wird erwartet, dass vor planbaren Operationen über Komplikationen und Risiken orientiert wird, die mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von über 1% auftreten. In der Praxis stösst die Forderung nach der Aufklärungspflicht aber verschiedentlich an ihre Grenzen und wird problematisch, wenn ein sehr vorsichtiger Arzt, der in erster Linie an seine rechtliche Absicherung denkt, dem ohnehin ängstlichen Patienten einen Katalog mit Dutzenden von denkbaren, unangenehmen Folgen vorlegt. Die schriftliche Bestätigung, alles verstanden zu haben, wird dann nicht leicht fallen.

In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass es am Ratsuchenden liegt, den Arzt über frühere Operationen, aktuelle Therapien oder Medikamenteneinnahme (auch pflanzliche, homöopathische usw.) und insbesondere über Angewohnheiten (Alkohol, Nikotin, Drogen usw.) wahrheitsgetreu zu informieren. Die Kenntnis davon kann entscheidend sein bei unerwarteten Vorkommnissen während oder nach der Operation.

Postoperative, lokale Komplikationen

Bluterguss im Wundgebiet, Hämatom

Leichte Schwellung und Blauverfärbung der Haut im Operationsbereich durch einen begrenzten Bluterguss sind noch normal, eine deutliche Zunahme nach dem zweiten postoperativen Tag weist indessen oft auf eine Komplikation hin und erfordert eine ärztliche Beurteilung. Ursache kann ein Nachsickern von Blut aus kleinen, noch nicht verschlossenen Gefässen sein. Begünstigend wirken angeborene Blutgerinnungsstörungen und ungeeignetes Verhalten nach dem Eingriff wie frühzeitige Wärmeanwendung und Einnahme von Präparaten, welche die Blutgerinnung herabsetzen, einige Tage vor oder kurz nach dem Eingriff, z.B. Acetylsalicylsäure (Aspirin® usw.), aber auch Ginseng, Ginko und andere.

Nachblutung

Eine Nachblutung stellt sich in der Regel früh ein, d.h. innerhalb der ersten 12 bis 24 Stunden nach Operationsende, seltener erst später, also nach Tagen und dann meist infolge einer Infektionen im Wundgebiet. Frühe Nachblutungen entstehen durch unerkannte Verletzung von Gefässen, Abrutschen einer Unterbindung an einem Gefäss oder durch unzureichende Blutstillung. Wenn eine Blutgerinnungsstörung besteht, können diffuse Sickerblutungen zu massivem Blutverlust führen.

  • Unter der Hautnaht und in Weichteilen, z.B. am Bein oder in der Bauchwand führt die Nachblutung zu immer stärkerem Wundschmerz und zu durchgebluteten Verbänden.
  • Nachblutung in eine Körperhöhle: Sie ist nicht zu sehen, auch wenn es massiv blutet. Im Extremfall führt erst ein Schockzustand zum Erkennen der Lage.

Eine sofortige Operation ist meist unumgänglich. Bei einer Nachblutung in die Weichteile ist das Blut oft geronnen, in der Bauchhöhle findet sich auch flüssiges Blut. Nach Entleerung des Hämatoms wird das undichte Blutgefäss aufgesucht und verschlossen. Oft ist eine vorübergehende Drainage nötig, um nachsickerndes Blut abzuleiten.

Wundinfektion

Zwar wird steril gearbeitet, doch die Operationswunde gerät unvermeidbar mit der Umwelt in Kontakt: mit der Luft, mit Handschuhen des Personals und Instrumenten, vielleicht mit bakteriell kontaminierten Körperflüssigkeiten des Patienten selbst (Stuhl, Eiter).
Je schwerer der Gewebeschaden ist und je länger die Wunde kontaminiert war, desto eher entsteht eine Infektion. Nach offenen Knochenbrüchen, allgemein nach schwerer Gewebezertrümmerung und ebenso nach ausgedehnter Verbrennung ist das Infektionsrisiko besonders gross. Mit einem hohen Risiko belastet sind auch Eingriffe im Bauchraum, wenn ein nicht vorbereiteter Darm notfallmässig operiert werden muss, z.B. bei Darmverschluss, oder wenn sich im Operationsgebiet Eiter befindet und wenn in Körperbereichen operiert wurde, die nie steril sind, z.B. Mundhöhle, After.

Manche Grundkrankheiten wie Diabetes mellitus, Krebs und schlechter Ernährungs- oder Allgemeinzustand begünstigen Infektionen und Wundheilungsstörungen.

Wundheilungsstörung, Nahtinsuffizienz und Wunddehiszenz

Die Reparatur- und Regenerationsfähigkeit hält bis ins hohe Alter an, doch heilen nicht alle operierten Gewebe gleich zuverlässig und gleich schnell.

  • Wundheilungsstörungen sind bei chronischen Krankheiten (s. oben) und generell bei Wundinfektion häufig. Sie können aber z.B. auch auftreten, wo der Lymphabfluss gestört ist, so nach Operationen an oder im Bereich von Lymphknoten, wenn es zu Fistelbildungen (s. Begriffsbestimmungen) im Operationsgebiet kommt sowie bei Übergewicht. Zu den Wundheilungsstörungen zählt zudem die ausbleibende Verfestigung eines operierten Knochenbruchs (sog. „non-union“ nach Fraktur).
  • Das unzureichende Zusammenwachsen von chirurgischen Schnitten kann ein Auseinanderweichen der Wundränder zur Folge haben, was abhängig von Lokalisation und Umständen als Nahtinsuffizienz oder Wunddehiszenz bezeichnet wird. Beispiele: Wenn nach einer Bauchoperation sämtliche Schichten der Bauchdecke aufbrechen, handelt es sich um einen sog. Platzbauch (Extremfall einer Wunddehiszenz); das Leck-Werden einer Darmnaht (Nahtinsuffizienz) zieht eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) nach sich.

Störende Narben

Ihr Entstehen kann bedingt sein durch Veranlagung zu Keloidbildung (s. Begriffsbestimmungen) oder durch Wundheilungsstörungen bzw. deren Ursachen oder durch mechanische Belastung wie durch starkes Husten oder Pressen nach einer Bauchoperation.

Verwachsungen

Operativ zusammengefügte Gewebeteile (z.B. Darmnaht, Hautnaht, Knochenverschraubung) sollen zusammenwachsen, dies ist der erstrebte Heilungsprozess. Doch leider können auch Verwachsungen und Verklebungen an unerwünschter Stelle und in unterschiedlichem Ausmass auftreten und Störungen hervorrufen. Beispiele:

  • Verwachsungen von Narbengewebe mit darunter liegender Muskulatur.
  • In der Bauchhöhle sind Darmschlingen betroffen, die untereinander, mit anderen Organen oder mit dem Bauchfell verkleben können. Solche Verwachsungen bleiben oft symptomlos. Als typische Komplikation können sie indessen Passagestörungen des Darms mit wiederholten Koliken oder sogar einen Darmverschluss auslösen, frühestens nach einigen Tagen, im Extremfall jedoch erst nach vielen Jahren.

Nervenschädigungen

  • Begrenzte Empfindungsstörungen im Bereich des Schnitts sind „normale“ Folgen einer Operation. Sie lassen sich nicht vermeiden, denn beim Durchtrennen von Haut und darunter liegendem Gewebe ist eine Verletzung feiner Nervenäste unumgänglich. Empfindungsstörungen können sich aber auch später entwickeln, bedingt durch Druck, den Schwellung oder Hämatom ausüben, gelegentlich durch ausgeprägte Vernarbung. Die Missempfindungen sind mehrheitlich reversibel, bilden sich also zurück.
  • Die Verletzung grosser Nerven gehört indessen eher zu den „Kunstfehlern“, wenn es sich nicht um speziell risikobelastete Eingriffe wie Schilddrüsenoperationen, Entfernung von bösartigen Tumoren oder um Zweiteingriffe mit unübersichtlichen Verwachsungen und veränderten anatomischen Verhältnissen handelt.

Gelenkversteifung, Muskelschwund (Muskelatrophie)

Dank Physiotherapie mit aktivem und passivem Durchbewegen der Gelenke und Muskeltraining sollten Versteifung und Muskelatrophie nicht vorkommen oder sich in Grenzen halten. Nicht völlig vermeidbar sind sie jedoch, wenn die Aktivität eines Körperteils stillgelegt werden muss, z.B. durch einen starren Fixationsverband, der über eines oder zwei Gelenke hinausreicht. Versteifung und Muskelatrophie nach Abnehmen eines Gipsverbands erfordern gezieltes, regelmässiges Training.

Postoperative Fernkomplikationen

Bei Fernkomplikationen handelt es sich um eigentliche Sekundärerkrankungen, die nicht unmittelbare Operationsfolge sind. Bisweilen bleiben sie behandlungsbedürftig, auch nachdem die Operationswunden geheilt und am Ort des Eingriffs die Körperfunktionen wiederhergestellt sind.

Störungen der Blutgerinnung

  • Thrombose, Lungenembolie: Ein speziell gefürchtetes Ereignis ist die postoperative Lungenembolie; seltener sind Hirnschlag und Herzinfarkt. Sie sind Folgen einer Thrombose. Da dies eine relativ häufige Komplikation darstellt, wird die Gerinnungsfähigkeit des Blutes nach vielen Eingriffen vorbeugend herabgesetzt (Antikoagulation). Prophylaktisch wirken auch Krankengymnastik und frühzeitige Mobilisation.
  • Verschiedene weitere Blutgerinnungsstörungen sind möglich. Sie können folgenlos bleiben, bei schwerer Erkrankung aber auch lebensbedrohende Ausmasse annehmen, z.B. eine verstärkte Blutungsneigung durch das Absinken der Anzahl Thrombozyten (Blutplättchen) oder von Gerinnungsfaktoren.

Komplikationen von Seiten des Herz-Kreislaufsystems

Sie sind Folge der Operation oder sie werden infolge bereits vorher bestehender Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems erstmals manifest, insbesondere Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen.

Lungenentzündung

Ungenügendes Durchatmen birgt die Gefahr einer Lungenentzündung oder des „Verklebens“ von Lungenbläschen (Atelektase). Dieses Risiko besteht besonders nach Eingriffen im Brust- oder Bauchraum wegen der durch Schmerzen gehemmten Atmung, weniger nach Operationen an Armen und Beinen. Patienten mit vorbestehenden, chronischen Lungenkrankheiten oder mit Immunschwäche sind besonders gefährdet.
Atemgymnastik nach Gabe von Schmerzmitteln und das Ausblasen der Atemluft gegen Widerstand fördern die Entfaltung der Lungenbläschen, die Durchblutung der Lungen und die Sauerstoffaufnahme.

Magenblutung, Magengeschwür

Die Magenschleimhaut als Zielorgan von massiv empfundenem Stress kann nach Operationen diffus oder lokalisiert angegriffen werden und zu bluten beginnen, was eventuell zusätzlich provoziert wird durch Medikamente. Es entsteht eine sog. erosive Magenentzündung (Gastritis) oder ein „Stressulkus“ (Magengeschwür). Vorbeugend wirken Medikamente, die im Magen die Säureproduktion herabsetzen.

Erbrechen

Erbrechen ist Folge einer vorübergehenden Magenatonie („Magenlähmung“) nach einer Bauchoperation, selten eine Nebenwirkung von Narkosemitteln. Zum Vorbeugen des Erbrechens erwacht der Frischoperierte zuweilen mit einer Magensonde, die aus einem Nasenloch heraus geleitet wird. Nicht nachlassendes Erbrechen in den Tagen nach dem Eingriff, besonders wenn es verbunden ist mit einem aufgetriebenen Bauch und zunehmendem Unwohlsein, kann auf einen Darmverschluss hinweisen. Weitere unerwünschte Folgen von Seiten des Magen-Darm-Trakts sind Durchfall, Verstopfung, Krämpfe.

Harnverhaltung, Harnwegsinfekt

Harnverhaltung ist eine häufige Komplikation und bedeutet Unmöglichkeit Wasser zu lösen trotz prall gefüllter Blase und quälendem Harndrang. Es muss vorübergehend ein Katheter eingelegt werden. Ein solcher ist manchmal auch nötig zur Kontrolle der Urinausscheidung. Bei Frauen ist dann das Risiko einer Blasenentzündung durch aufsteigende Bakterien wegen der kurzen Harnröhre immer vorhanden, etwas weniger bei Männern. Möglichst schnelles Entfernen des Katheters, ist die geeignete Gegenmassnahme, eventuell werden prophylaktisch Antibiotika verabreicht.

Verwirrtheit, Hirnleistungsstörungen

Zerebrale Funktionsstörungen wie Vergesslichkeit oder Wortfindungsstörungen im Anschluss an eine Vollnarkose treten gehäuft bei älteren Patienten auf, können aber auch jüngere betreffen.

Verschlechterung von vorbestehenden Krankheiten

Dies betrifft in erster Linie ältere Menschen mit mehreren Leiden (Poly- oder Multimorbidität) und Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus, rheumatische Erkrankungen, Lungen-oder Herzkrankheiten. Oft ist die Verschlechterung jedoch vorübergehend.

Stoffwechselveränderungen

Sie betreffen den Eiweiss-, Fett-, Elektrolyt- oder den Zuckerstoffwechsel, was vor allem für Patienten mit Diabetes mellitus von Bedeutung ist wegen des Risikos von Mangel („Hypo“) oder Überangebot an Zucker im Blut. Bei Elektrolyt- bzw. Mineralien-Verschiebungen sind Einlagerung von Flüssigkeit ins Gewebe (Ödeme) möglich oder Herzrhythmusstörungen, Darmstillstand usw. Mit modernen Überwachungs- und Behandlungsmöglichkeiten lassen sich solche Situationen jedoch meist gut beherrschen.

Funktionsstörung oder Versagen von Organen

Nach Operationen an gewissen Organen wie Schilddrüse, Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse sind Funktionseinbussen möglich oder sogar zu erwarten. Sie können in der Mehrzahl durch Medikamente vermieden oder zumindest reduziert werden.

Ein Organversagen kann vor allem bei Multimorbidität auftreten und steht in Zusammenhang mit dem Schweregrad der Operation und/oder mit den vorbestehenden Krankheiten. Häufig handelt es sich um die Niere, seltener um die Lunge, das Herz oder ein anderes Organ. Ursache ist meist eine verminderte Durchblutung oder eine toxische Schädigung. Lebensbedrohend ist das Multiorganversagen, das oft Folge einer Sepsis ist.

Wann braucht es den Arzt – Vorbeugen

  • Nach grösseren Eingriffen sind die postoperative Überwachung der Funktion von lebenswichtigen Organen und die unverzügliche Abklärung sowie Therapie bei Verdacht auf Komplikationen die wichtigsten Massnahmen.
  • Nach ambulanten Operationen ist eine Überwachung nur für kurze Zeit nötig, z.B. als temporäre Nachbeobachtungszeit in einer Arztpraxis oder in einer Tagesklinik. Wenn anschliessend zu Hause aussergewöhnliche Ereignissen beobachtet werden, insbesondere solche, die vom behandelnden Arzt nicht als übliche Nebenwirkungen erwähnt wurden, sollte man rasch den Operateur oder einen Notarzt konsultieren, unabhängig vom durchgeführten Eingriff.
  • Wenn Verdacht auf Nachblutung besteht, kann diese evtl. durch Anlegen eines Druckverbands gestoppt werden. Bezüglich Vorbeugen eines ausgedehnten Hämatoms: s. oben, bei „Bluterguss im Wundgebiet, Hämatom“.
  • Bei hohem Fieber oder sonstigen Zeichen einer Infektion (Rötung, Überwärmung, Zunahme der Schwellung) ist immer der Arzt zu konsultieren.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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