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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Lassa-Fieber und Lassa-hämorrhagisches Fieber

Es handelt sich um eine seltene, durch Viren verursachte tropische Infektionskrankheit, die 1969 erstmals im nigerianischen Dorf Lassa beobachtet wurde. In verschiedenen Ländern Westafrikas kommt das Lassa-Fieber endemisch vor, wobei überwiegend die lokale Bevölkerung ländlicher Gebiete betroffen ist. Ähnliche Erkrankungen durch verwandte Viren sind aus Südamerika bekannt.

In Europa wurde über vereinzelte eingeschleppte Fälle berichtet – auch über solche mit tödlichem Verlauf.

Begriffserklärungen

Endemie:

fortwährendes oder wiederholtes Vorkommen einer Krankheit in einem geographisch begrenzten Gebiet (Endemiegebiet). Der Krankheitserreger ist in dieser Region dauernd vorhanden. Adjektiv: endemisch.

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Kontamination:

Verunreinigung, Verseuchung. Adjektiv: kontaminiert.

Hämorrhagie:

Spontane Blutung in die Haut, in innere Organe und aus Körperöffnungen, aufgrund einer Gerinnungsstörung und Schädigung von Blutgefässen. Adjektiv: hämorrhagisch.

Hämorrhagisches Fieber:

Der Oberbegriff „Virales Hämorrhagische Fieber“ umfasst eine Gruppe von fieberhaften, hauptsächlich tropischen Infektionskrankheiten, die mit einer Hämorrhagie einhergehen. Sie werden hervorgerufen durch Viren unterschiedlicher Art.

Multiorganversagen:

Erhebliche Funktionseinschränkung oder Versagen von zwei oder mehr lebenswichtigen Organen; kann zum Tod führen.

Ursache

Wild lebende Nagetiere, insbesondere eine kleine afrikanische Ratte, sind das Reservoir für das Lassa-Virus. Die Übertragung auf Menschen erfolgt hauptsächlich durch kontaminierte, virushaltige Nahrungsmittel oder durch Einatmen von virushaltigem Staub oder anderen Partikeln. Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, vornehmlich durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Urin, Speichel, Erbrochenes, Blut oder Stuhl.

Das Krankheitsbild

Gutartige Verlaufsformen, die symptomarm oder auf das grippeähnliche Stadium beschränkt bleiben, sind vermutlich weitaus häufiger als das Lassa-hämorrhagische Fieber.

Das Lassa-Fieber beginnt eine bis drei Wochen nach der Infektion mit grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber, Husten, Kopf-, Hals-, Glieder- und Muskelschmerzen. Von Seite des Verdauungstrakts treten Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall auf.

Weitere Symptome bei einem gravierenden Verlauf sind – abhängig vom Schweregrad:

  • Ödeme (Flüssigkeitsansammlung) an Hals und Nacken, in den Augenlidern und im Gesicht, Augenbrennen (Konjunktivitis).
  • Rachenentzündung mit Bildung von Geschwüren.
  • Bei Beteiligung des zentralen Nervensystems: Krämpfe, Bewusstseinsstörungen, evt. Lähmungen und Koma. Dauerhafte Hörschäden sind nach solchem Verlauf vergleichsweise häufig. 
  • Nieren- und Leberschädigung, Herzerkrankungen, Lungenentzündung.
  • Hämorrhagie: äussere und innere Blutungen in verschiede Organsysteme. Wenn innere Blutungen auftreten, wird die Krankheit dem so genannten hämorrhagischen Fieber zugerechnet.
  • Todesursache ist meist ein Multiorganversagen. Es sterben 10 bis 30% der schwer Erkrankten.
  • Während einer Schwangerschaft treten besonders schwere Erkrankungen mit Absterben des Feten auf.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Vermeiden jedes direkten oder indirekten Kontakts mit Ratten und anderen Nagetieren. Das heisst auch, Lebensmittel wegwerfen bei Verdacht, dass sie mit Ratten oder Nagetieren in Berührung gekommen sind.
  • Für den Umgang mit Lassa-Infizierten sind strenge Hygienemassnahmen erforderlich, um sich selbst zu schützen: Händedesinfektion nach jedem Körperkontakt, keine gemeinsam verwendeten Gegenstände usw.
  • Wegen der häufig schweren Verläufe bei Schwangeren ist besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel von einer Reise in Endemiegebiete abzuraten.
  • Vor jeder Tropenreise ist eine Beratung durch Fachpersonen oder das Tropeninstitut nötig.

Wann braucht es den Arzt

Bei einer fieberhaften Erkrankung in tropischen und subtropischen Gebieten oder bis etwa drei Wochen nach Rückkehr ist grundsätzlich an eine Tropenkrankheit zu denken. Der Arztbesuch muss besonders dann rasch erfolgen, wenn ein hämorrhagisches Fieber im Bereich des Möglichen liegt (Reiseroute in einem Endemie- oder Epidemiegebiet).

Ob eine Lassa-Infektion vorliegt, zeigen Untersuchungen von Blut, Urin oder Gewebe. Labors, die entsprechende Analysen durchführen, müssen strenge Sicherheitsauflagen erfüllen (Hochsicherheitslabors).

Behandlung

Wenn sich der Verdacht bestätigt, werden Patienten wegen der potentiellen Gefährlichkeit der Krankheit auf einer Isolierstation behandelt, Kontaktpersonen untersucht und gegebenenfalls auch isoliert.
Wie bei anderen Virusinfektionen werden die Symptome behandelt, in erster Linie also Fieber, Schmerzen, Erbrechen und Flüssigkeitsverlust, allenfalls Gerinnungsstörungen oder Blutverlust. Ein Medikament, das die Vermehrung der Viren hemmt (Ribavirin), ist wegen schwerwiegender Nebenwirkungen nur bedingt einsetzbar.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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