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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Blutkrebs

Fachbegriff: Leukämie

Leukämie ist der Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Systems der weissen Blutkörperchen (Leukozyten, Lymphozyten oder anderen). Die weissen Blutkörperchen sind Teile des Abwehrsystems unseres Körpers. Sie reifen normalerweise im Knochenmark zu funktionstüchtigen Zellen heran und werden dann ins Blut ausgeschwemmt.

Bei einer Leukämie werden diese Zellen unkontrolliert in zu grosser Zahl produziert. Ihr Reifungsprozess wird jedoch abgebrochen, weshalb sie ihre normale Aufgabe als Abwehrzellen nicht erfüllen können. Zudem ist das Knochenmark schliesslich so stark mit der Bildung von weissen Blutkörperchen beschäftigt, dass durch einen Verdrängungseffekt zu wenig andere lebensnotwendige Zellen gebildet werden.

Abhängig davon, ob die Erkrankung akut oder chronisch auftritt und welche Art von Zellen betroffen ist, unterscheidet man verschiedene Leukämieformen, die sich teils stark voneinander unterscheiden. Aus Krankheitsverlauf und Typ der betroffenen Blutzellen ergeben sich vier Hauptgruppen:

  • Akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • Akute myeloische Leukämie (AML)
  • Chronische lymphatische Leukämie (CLL) 
  • Chronische myeloische Leukämie (CML)

In der Schweiz erkranken jährlich etwa 700 Menschen neu an Leukämie, Männer häufiger als Frauen. Bei Kindern kommen fast ausschliesslich akute Leukämien vor, sie stellen die häufigste bösartige Erkrankung in diesem Lebensalter dar. Chronische Leukämien werden vor allem bei älteren Menschen beobachtet.

Ursachen

Es ist grundsätzlich wenig bekannt. Das Erkrankungsrisiko erhöhen:

  • Immunschwäche nach langjähriger Behandlung mit gewissen Medikamenten, insbesondere mit zytostatisch wirkenden Substanzen (Chemotherapeutika), oder bei AIDS.
  • Ionisierende Strahlen (Röntgen), Bestrahlung wegen Krebskrankheit, Reaktorunfälle, Atombombenexplosionen.
  • Genetische Faktoren.
  • Chemikalien (darunter Benzol und einige Insektizide). 
  • Möglicherweise bestimmte Viren.

Das Krankheitsbild

Bei der chronischen Leukämie ist der Beginn häufig schleichend und diskret. Die akute Leukämie tritt plötzlich auf mit oft schwerwiegenden Krankheitszeichen.

Allgemeine Symptome sind Appetitmangel, Leistungsabfall, Blässe, Gewichtsverlust, Nachtschweiss, erhöhte Temperatur oder Fieber.

Spezifische Symptome treten bei allen Leukämieformen mit der Zeit auf:

  • Der Mangel an roten Blutkörperchen führt zur Anämie mit Müdigkeit, Blässe, Tachykardie (beschleunigter Puls) und Atemnot.
  • Bei verminderter Bildung der Blutplättchen macht sich eine Blutungsneigung durch Nasen- und Zahnfleischbluten sowie blaue oder rötliche Flecken in der Haut bemerkbar. Auch punktförmige Hautblutungen (sog. Petechien) kommen vor.
  • Aufgrund der Funktionsuntüchtigkeit von weissen Blutkörperchen entsteht eine Abwehrschwäche, was Infektionen begünstigt. 
  • Für einige Leukämieformen charakteristisch sind Lymphknotenschwellungen am Hals, in den Achselhöhlen und der Leiste. Verschiedentlich auch Milz- und Lebervergrösserung, manchmal von extremem Ausmass, die von den Patienten bisweilen als „Klumpen im Bauch“ empfunden wird.
  • Eher unspezifisch sind Kopf- oder Knochenschmerzen, Hauterscheinungen (Juckreiz, Ekzem).

Unbehandelt führen akute Leukämien fast immer rasch, innerhalb von Monaten, zum Tod. Bei den chronischen Formen ist die Lebenserwartung allgemein besser.
Neue Medikamente haben die Heilungschance und die Lebensqualität deutlich verbessert. Dies hängt jedoch vom frühzeitigen Erkennen ab, besonders bei den akuten Leukämien.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Einer Leukämie lässt sich nur indirekt vorbeugen, indem mögliche Auslöser gemieden werden.

  • Ionisierende Strahlen: Für Personen, die beruflich damit zu tun haben, also Mitarbeiter in wissenschaftlichen Instituten und Reaktoranlagen, Ärzte, Röntgen- und Spitalpersonal liegt Strahlenabschirmung im eigenen Interesse. Der Schutz ist ebenso wichtig für Patienten; sie dürfen nicht unnötiger Bestrahlung aus gesetzt werden.
  • Arbeiter in Chemiebetrieben sollten die Sicherheitsvorschriften einhalten.
  • Eigentliche Vorsorgeuntersuchungen, wie sie für Brust- oder Prostatakrebs angeboten werden, gibt es nicht.

Das Vermeiden von Infektionen ist für Leukämiepatienten von grosser Bedeutung. Dazu tragen bei: 

  • Genügend Schlaf und Erholung, reichlich Bewegung.
  • Vollwertige, vitamin- und mineralienreiche Ernährung.
  • Die Speisen grundsätzlich möglichst gut kochen. Keine Rohmilchprodukte und keine Gerichte mit rohen oder wenig erhitzten Eiern.
  • Persönliche Hygiene beachten, insbesondere der Hände.

Wann braucht es den Arzt

Eine ärztliche Abklärung ist angezeigt, wenn auffällige Blutungsneigung, unerklärliche länger dauernde Abgeschlagenheit und Blässe, gehäufte Infektionen oder Lymphknotenschwellungen auftreten. Häufig wird eine Leukämie jedoch zufällig anlässlich einer Blutuntersuchung entdeckt.
Aus der Blutuntersuchung kann sich bereits der Verdacht auf Leukämie ergeben. Weitere Abklärungen sind notwendig, um eine differenzierte Diagnose stellen und eine gezielte Behandlung durchführen zu können – unter anderem eine Knochenmarkspunktion (Entnahme von Knochenmark). Heute sind manche Leukämieformen durch Chemotherapie, gegebenenfalls kombiniert mit Bestrahlung und Knochenmarktransplantation, heilbar. Auch im Kindesalter sind die Heilungschancen heute besser als früher.

Chemotherapie und Knochentransplantation sind mit oft schweren Nebenwirkungen verbunden, die jedoch nach der Behandlung meist wieder verschwinden. Die belastende Erkrankung und Therapie machen eine psychologische Betreuung sinnvoll. Verschiedentlich werden zusätzlich Methoden aus der Alternativmedizin angewendet.

Der Krankheitsverlauf kann bei einer chronischen Leukämie leicht sein. Wegen der Nebenwirkungen der Chemotherapie wird bisweilen unter Beobachtung mit der Behandlung zugewartet und diese erst begonnen, wenn sich beim Patient störende Krankheitszeichen bemerkbar machen.

Eine rasche Arztkonsultation ist nötig, wenn bei bereits bekannter Leukämie folgende Symptome bemerkt werden:

  • Schüttelfrost, Fieber unklarer Ursache.
  • Husten, insbesondere wenn er mit atemabhängigen Schmerzen verbunden ist.
  • Länger anhaltende Blutungen, Bluterbrechen oder Blut im Stuhl.
  • Durchfall, der länger als einen Tag dauert.
  • Bewusstseinsstörungen.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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