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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Metastasen

Die Aussaat von Tumorzellen (Metastasierung) erfolgt über verschiedene Wege:

  • Durch Einwandern von Tumorzellen über die Blut- oder Lymphbahnen entstehen hämatogene bzw. lymphogene Metastasen.
  • Im Brustraum und in der Bauchhöhle können abgelöste Tumorzellen „herumgekleckert“ werden, sich auf Brustfell, Bauchfell oder inneren Organen ansiedeln und sog Implantationsmetastasen bilden.
  • Eine sog. kanalikuläre Metastasierung kommt zu Stande, indem Krebszellen die Bronchien (Atemwege) oder den Darm hinunter wandern, sich irgendwo weiter unten festsetzen und zur Geschwulst heranwachsen.

Nicht alle Organe sind gleich anfällig für Metastasen. Hauptsächlich befallen werden tumornahe Lymphknoten, Lunge, Leber, seltener das Gehirn und die Knochen. Sozusagen nie wachsen Metastasen im Herzmuskel und in der Skelettmuskulatur. Tumorzellen gelangen zwar auf dem Blutweg in diese Organe, doch finden sie hier offenbar schlechtere Überlebensbedingungen als anderswo.

Wenn Metastasen nachgewiesen wurden, ist eine endgültige Heilung oft nicht mehr möglich. Die Therapie wird dann in erster Linie die Symptome zu lindern und – soweit möglich – die Tumormasse zu reduzieren versuchen; man spricht von palliativer Behandlung.

Begriffserklärungen

Primärtumor:

Die ursprüngliche Geschwulst, von der die Zellen stammen. Von ihr werden spontan, schubweise oder kontinuierlich Geschwulstzellen in den Körper ausgestreut. Dies ist eine der definierenden Eigenschaften bösartiger Tumore (Krebs: Karzinome, Sarkome).

Metastasierung:

Aussaat von Tumorzellen. Das Wort leitet sich ab vom griechischen μετάστασις, Metástasis, was Wegzug, Auswanderung bedeutet, und beschreibt damit den biologischen Vorgang sehr bildlich.

Metastase:

Tochtergeschwulst oder Krebsableger. Durch immunologische Vorgänge werden die meisten im Körper verschleppten Krebszellen zerstört. Wenn die Immunabwehr sie jedoch nicht identifiziert, wächst am Ort der „Niederlassung“ eine Metastase heran.

Palliative Therapie:

Behandlung von Symptomen zur Verbesserung der Lebensqualität bei fortgeschrittener Krankheit und begrenzter Lebenserwartung. Solche Symptome können sein: Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Atemnot, psychische Belastung.

Entstehung von Metastasen

Charakteristika bösartiger Tumore

  • Fehlen einer begrenzenden Kapsel.
  • Fähigkeit der Krebszellen, in andere Gewebe einzudringen.
  • Verminderter Zusammenhalt des Gewebes (verminderte Zellkohäsion).

Damit sind die Voraussetzungen gegeben für das Einwachsen in andere Organe (Infiltration), den Transport von Krebszellen in entfernt liegende Organe (Metastasierung) und damit das unabhängige Heranwachsen von Tochtergeschwülsten des gleichen Typs wie der Primärtumor (diskontinuierliche Ausbreitung). Auch kann es zur Bildung von mehreren Krebsherden im Ursprungsorgan kommen (diskontinuierliches Wachstum). Forscher haben Genstrukturen nachgewiesen, welche die Ausbreitung von Metastasen begünstigen, aber auch solche, die sie hemmen.

Lokalisationen und Symptome

Bezogen auf den Primärtumor unterscheidet man:

  • Lokale Metastasen: Sie wachsen im gleichen Organ wie der Primärtumor oder in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.
  • Regionäre oder regionale Metastasen: Diese entwickeln sich in den tumornahen Lymphknoten, ihre Ansiedelung erfolgt lymphogen (s. Einleitung).
  • Fernmetastasen: Tumorzellen werden in Regionen verschleppt, die weiter entfernt vom Primärtumor liegen – hämatogen, lymphogen, oder durch „Abtropfen“ und Aussaat von Krebszellen in Brustraum oder Bauchhöhle.
  • Gleichzeitiger Metastasenbefall mehrerer Organe ist nicht selten.

Bezogen auf das Organ oder das Gewebe, in welchem sich die Metastase befindet, lassen sich nennen und beschreiben:

  • Lebermetastasen.
  • Lungenmetastasen.
  • Hirnmetastasen.
  • Knochenmetastasen.
  • Lymphknotenmetastasen.
  • Bauchfell: Das Gewebe ist gelegentlich übersät mit kleinen oder grösseren Metastasenknoten. Wenn Verwachsungen entstehen, kann ein Darmverschluss die Folge sein.
  • Brustfell: Erschwerte Atmung, Atemnot, Schmerzen und „Wasser“ im Brustraum deuten auf Metastasierung ins Brustfell hin.
  • Haut: Metastasenknoten in der Haut, z.B. bei Primärtumor der Brust, seltener des Dickdarms, der Lunge oder bei Melanom.

Metastasen sind Zeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung. Daher sind oft bereits allgemeine Tumorsymptome vorhanden wie Müdigkeit, Blutarmut (Anämie), Leistungsminderung, Schmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schwäche, eventuell Fieber und Atemnot, manchmal auch Symptome des Primärtumors – abhängig von den betroffenen Organen.
Unmittelbar von Metastasen ausgehende Beschwerden bleiben bisweilen im Hintergrund. Sie können sich aber auch deutlich bemerkbar machen und sogar zur direkten Todesursache werden. Dies gilt in besonderem Mass für das Melanom und den Brustkrebs, bei denen Erkrankte nicht am Primärtumor sterben; der Tod tritt schliesslich durch die Metastasen ein.

Wann braucht es den Arzt

Untersuchungen, Nachweis

  • Die Suche nach Metastasen ist unerlässlich, weil Therapie und Behandlungserfolg wesentlich vom Vorhandensein oder Fehlen von Tochtergeschwülsten abhängen.
  • Folgeuntersuchungen nach einer Krebstherapie haben das Ziel, allenfalls entstandene Metastasen oder ein Rezidiv (Wiederauftreten) des Primärtumors möglichst früh zu erkennen und zu behandeln.
  • Abhängig vom Organ, in dem Metastasen gesucht werden, lassen sich verschiedene diagnostische Methoden anwenden wie Ultraschall, Röntgen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Szintigraphie (Nachweis mittels radioaktiven Substanzen).
  • Blut-, Nierenfunktions-, Herz- und weitere Untersuchungen dienen der Abklärung des Allgemeinzustands des Patienten oder der Funktion der übrigen Organe.

Therapie

Es stehen verschiedene Behandlungen zur Verfügung, je nach Lokalisation der Tochtergeschwulst und Art des Primärtumors. Die ersten zwei Verfahren sind einsetzbar bei instrumentell erreichbaren Metastasen.

  • Operation: Der Operateur ist bestrebt, lokale und regionäre Metastasen gleichzeitig mit dem Primärtumor herauszuoperieren. Fernmetastasen werden mehrheitlich zu einem späteren Zeitpunkt behandelt, wobei dann auch die nachstehenden Verfahren zur Anwendung kommen. 
  • Minimal-invasive Behandlungsverfahren erfordern nur kleine Einstiche in der Haut. Unter Navigation mit Ultraschall, Computer- oder Magnetresonanztomographie führt man Hitze- oder Kältesonden in die Mitte der Metastase und zerstört das Gewebe durch Hitze (Laser, Radiofrequenzablation) oder Tiefkühlung (Kryotherapie) von innen.
  • Radiotherapie: Die Bestrahlung kann als stereotaktische Radiotherapie mit hoher Präzision auf Tumore oder Metastasen fokussiert werden. Eine technische Neuerung ist das Cyberknife mit seinem robotergesteuerten Bestrahlungsfokus. 
  • Chemotherapie. Sie ist kombinierbar mit jeder der oben genannten Behandlungen. Die Forschung sucht nach immer neuen Medikamenten mit selektiverer Wirksamkeit am Tumor und geringeren Nebenwirkungen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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