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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Mumps

Fachbegriff: Parotitis epidemica

Mumps ist eine weltweit verbreitete, hoch ansteckende, virale Infektionskrankheit. Charakteristisch ist die schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. Heutzutage erkranken hauptsächlich nicht oder ungenügend geimpfte Jugendliche. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 6. und 15. Lebensjahr, aber auch Erwachsene können mit dem Mumps-Virus angesteckt werden. Schätzungsweise ein Drittel aller Infizierten bemerkt keine Symptome („stumme Erkrankung“).

In der Schweiz ereigneten sich in den Jahren 1994/95 und 1999/2000 zwei Epidemien. Gemäss Hochrechnungen des BAG erkrankten damals schweizweit zwischen 28‘000 (im Jahr 2000) und 50‘000 Personen (1995). Seither ist die Anzahl Mumpserkrankungen drastisch zurückgegangen und erreichte im Jahr 2007 mit insgesamt 540 Fällen den niedrigsten Stand seit Einrichtung des schweizerischen Sentinella­Meldesystem, das dem Erfassen der Häufigkeit von Infektionskrankheiten dient. In den letzten Jahren wurden weniger als 1000 Fälle pro Jahr registriert.

Weitere Bezeichnungen für Mumps

  • In der Schweiz: Mumpf.
  • In Deutschland: Ziegenpeter. 
  • Der lateinische Fachausdruck lautet parotitis epidemica.

Begriffserklärungen

Antikörper:

Diese „Abwehrstoffe“ sind spezifische Eiweissverbindung, die das Immunsystem als Reaktion auf ein Antigen erzeugt. Sie sind Teil des Immunsystems und gewährleisten die Abwehr von Krankheitserregern, Toxinen und anderen Fremdstoffen.  Wenn die Antikörper jedoch körpereigene Strukturen angreifen und deren Funktion beeinträchtigen, handelt es sich um eine kontraproduktive und vielfach krankmachende Autoimmunreaktion.

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Fertilität:

Fruchtbarkeit. Auf den Hoden bezogen bedeutet dies: Produktion von gesunden Spermazellen in genügender Zahl, die in der Lage sind, eine Eizelle zu befruchten.

Inkubationszeit:

Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.

Parotitis:

Entzündung der Ohrspeicheldrüse, zusammengesetzt aus Parotis, dem Fachbegriff für Ohrspeicheldrüse, und der Endung „itis“, die für Entzündung steht.

Tröpfcheninfektion:

Übertragung von Krankheitserregern über den „Luftweg“, also durch Sprechen, Husten oder Niesen.

Ursache

Erreger von Mumps ist ein Virus (Paramyxo-Virus), das von Infizierten via Tröpfcheninfektion übertragen wird. Erkrankte sind bereits drei bis sieben Tage vor und bis neun Tage nach Beginn der Speicheldrüsenschwellung ansteckend. Einziges Erregerreservoir ist der Mensch. Epidemien gehen vornehmlich von Kinderheimen und Schulen aus.

Das Krankheitsbild

Die Inkubationszeit beträgt zwei bis drei Wochen. Als Vorzeichen der Krankheit können Hals-, Ohren- und Kopfschmerzen in unterschiedlicher Ausprägung auftreten sowie erhöhte Körpertemperatur.

Typische Symptome von Mumps sind:

  • Schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüse und deren Umgebung, zu Beginn nur auf der einen, nach zwei bis drei Tagen mehrheitlich auch auf der anderen Seite. Durch die Schwellung wird das Ohrläppchen nach oben gedrängt und die Ohren stehen etwas ab. Das Kauen bereitet Schmerzen.
  • Die Speicheldrüsen an Unterkiefer und Kieferwinkel können ebenfalls entzündlich vergrössert sein, desgleichen die Lymphknoten im Hals- und Nackenbereich.
  • Fieber, bei Jugendlichen überwiegend mässig, bei Erwachsenen eher hoch.
  • Des Weiteren sind möglich: Entzündung der Mundschleimhaut bedingt durch verminderten Speichelfluss; Schmerzen beim Schlucken und beim Bewegen des Kopfes.

Der unkomplizierte Mumps stellt für sich allein keine schwere Erkrankung dar, heilt innerhalb von ein bis zwei Wochen und hinterlässt meist eine Immunität.

Komplikationen

Auch nach kompliziertem Verlauf kommt es in der Regel zur Heilung, vereinzelt muss jedoch mit bedeutenden Folgeschädigungen gerechnet werden. Bei Jugendlichen und besonders bei Erwachsenen sind – neben Speicheldrüsen – gehäuft andere Organe mit betroffen. 

  • Hirnhautentzündung: Sie tritt häufig auf, verläuft allerdings grösstenteils ohne wesentliche Symptome. Bei 10 bis 20% der Erkrankten äussert sie sich hingegen mit starken Kopfschmerzen, Nackensteife, Schläfrigkeit, Verwirrtheit usw. Eine rasche und folgenlose Heilung ist die Regel, doch gibt es sehr selten Fälle von Mitbeteiligung des Gehirns (Meningo­Enzephalitis), siehe unten. 
  • Hodenentzündung (Orchitis) bei jungen Männern in fast 20%. Bei Befall beider Hoden besteht die Gefahr, dass es durch Zerstörung von spermabildenden Strukturen zu Fertilitätsstörung oder sogar zur Sterilität kommt.

Seltene Komplikationen

  • Hirnentzündung (Enzephalitis) mit Lähmungserscheinungen, Krämpfen, evtl. Koma. Befall des Hörnervs geht mit zeitweiligen, seltener bleibenden Hörstörungen, vereinzelt auch mit Taubheit einher, Befall des Sehnervs mit Sehstörungen und evtl. Hornhautentzündung. 
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
  • Entzündungen des Herzmuskels, der Nieren, Eierstöcke, Gelenke (Arthritis) oder der Schilddrüse.

Was man selbst tun kann

  • Kühle Umschläge auf die Ohrspeicheldrüsen legen, breiige Nahrung. Mundpflege, Gurgeln mit desinfizierendem Mundwasser. Keine sauren Nahrungsmittel oder Getränke zu sich nehmen, denn Säure und auch längeres Kauen regen die Speichelproduktion erheblich an, was die Drüsen anschwellen lässt und die Schmerzen verstärkt. Wenn nötig leichte Schmerzmittel verabreichen.
  • Bei Fieber: viel trinken, kühle Wadenwickel anbringen, Eisbeutel in die Leisten legen, eventuell fiebersenkende Medikamente einnehmen.
  • Bei Beteiligung der Hoden: Bettruhe, Kühlen und Hochlagern des Hodens.
  • Ein rechtzeitiges Isolieren von Mumps-Patienten ist praktisch unmöglich, da das Virus bereits Tage vor Beginn der typischen Symptome weitergegeben wird. Erwachsene, die früher nicht erkrankt oder die nicht geimpft sind, sollten sich jedoch wegen der oben genannten Risiken von Mumps-Patienten fernhalten.

Wann braucht es den Arzt

Bei hohem Fieber oder Verdacht auf Komplikationen, also bei Hodenschmerzen, Bauchweh und Übelkeit, Bewusstseinstrübung, Nackensteife sowie bei ausbleibender Besserung innerhalb von fünf Tagen ist eine Arztkonsultation angezeigt.

Die Diagnose wird überwiegend aufgrund der Symptome gestellt; Laboruntersuchungen wie Antikörpernachweis im Blut, Virusnachweis aus Rachenabstrich, Speichel oder Liquor sind nur in unklaren Fällen nötig.

Therapie

Wenn keine Komplikationen auftreten, beschränkt sich die Therapie auf die Linderung der Symptome (s. oben, „Was man selbst tun kann“).

Vorbeugen

Die erste Impfung wird gegen Ende des 1. Lebensjahrs durchgeführt und eine Wiederholung im Verlauf des 2. Lebensjahrs – jeweils zusammen mit der Masern- und Rötelnimpfung (MMR-Impfung). Das BAG befürwortet die Nachholimpfung, falls ein Kind oder ein Erwachsener keine oder nur eine einmalige Impfung erhalten hat und früher nicht an Mumps erkrankt war. Ebenso wird die Impfung für Ärzte und Pflegepersonal empfohlen. Es geht darum, sich selbst und Mitmenschen, namentlich abwehrgeschwächte Patienten zu schützen.
Eine bis zwei Wochen nach der Impfung können vorübergehend grippale Symptome (s. Erkältung) auftreten.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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