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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Osteoporose

Osteoporose ist eine Krankheit, die das Skelett als Ganzes oder besonders einzelne Abschnitte befällt. Die Knochen verlieren an Hartsubstanz und werden porös („-porose“). Dadurch reduziert sich ihre Festigkeit, und es besteht ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche (Frakturen).

Knochen sind in einem fortwährenden Umbauprozess. Bis etwa zum 35. Lebensjahr überwiegt der Knochenaufbau, nach dem 40. Lebensjahr der Abbau. Geschlechtshormone sind wesentlich an diesen Vorgängen beteiligt. Andere Hormone regeln die Kalziumaufnahme und hemmen den Knochenabbau.

Osteoporose ist die häufigste Knochenkrankheit in der zweiten Lebenshälfte. Etwa jede vierte Frau über 50 und jeder fünfte Mann über 70 Jahre muss damit rechnen. Frauen nach den Wechseljahren sind besonders häufig betroffen. Ältere Menschen erleiden wegen der geringeren Stabilität ihrer Knochen und erhöhter Falltendenz oft Frakturen. Sozialmedizinische Bedeutung erlangt dieser Umstand, weil danach die Mobilität eingeschränkt bleiben kann oder weil es sogar zum Verlust der Selbstständigkeit kommt.

Gegen Osteoporose kann man angehen. Man soll fit und aktiv leben durch eine entsprechende Ernährung und Bewegung kann bereits viel getan werden. Die Osteoporose ist heute gut therapierbar, der Patient muss aber seinen aktiven Beitrag leisten.

Ursachen und Risikofaktoren

Verminderte Knochendichte entsteht, indem vermehrt Kalzium aus der Knochenstruktur gelöst und mit dem Urin ausgeschieden wird.

Die häufigsten Risikofaktoren, die zu Kalziumverlust aus der Knochenstruktur führen, sind:

  • Östrogenmangel nach der Menopause oder nach Entfernung der Eierstöcke bei jüngeren Frauen; beim Mann Testosteronmangel (Mangel an männlichem Geschlechtshormon).
  • Zu wenig körperliche Bewegung.
  • Höheres Lebensalter. Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für Knochenbrüche.
  • Inaktivität einzelner Skelettteile. Schon das vierwöchige Tragen eines Gipsverbandes bewirkt – neben dem Muskelschwund – eine im Röntgenbild sichtbare, lokale Osteoporose.
  • Lange Bettlägerigkeit, Muskellähmungen bei Paraplegie oder nach Hirnschlag (Apoplexie), rheumatische Krankheiten.
  • Rauchen.
  • Magersucht.
  • Vererbung. Hatte schon ein Elternteil (meist die Mutter) Osteoporose, besteht eine erhöhte Anfälligkeit für die Erkrankung.

Seltenere Risikofaktoren 

  • Unzureichende Kalzium- und Vitamin D-Zufuhr mit der Nahrung. Auch chronisch entzündliche Darmkrankheiten stellen ein Risiko für eine unzureichende Versorgung mit Kalium und Vitamin D. Ungünstig sind auch einseitige Ernährung wie vollständiger Verzicht auf tierische Proteine in der Nahrung, aber auch deren übermässiger Konsum.
  • Medikamente: längerer Gebrauch von Kortison oder Schilddrüsenhormonen, regelmässige Einnahme von Abführmitteln, Zytostatika.
  • Funktionsstörungen verschiedener Drüsen: Überfunktion der Schilddrüse, der Nebenschilddrüsen oder der Nebennieren (Cortisonstoffwechsel), Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse (Diabetes mellitus).
  • Alkohol im Übermass.
  • Exzessiver Leistungssport junger Frauen.
  • Fehlende Erdanziehung (Gravitation): Trotz eines Gymnastikprogramms entsteht Osteoporose bei längerem Aufenthalt im schwerelosen Raum (Raumstationen).

Das Krankheitsbild

  • Zu Beginn der Erkrankung verursacht die Osteoporose meist keine Symptome.
  • Knochenbrüche: Ältere Menschen stürzen öfter als junge und schon ein leichter Sturz kann unmittelbarer Anlass für Wirbel-, Handgelenks-, Schenkelhalsfrakturen (und andere) sein.
  • Spontanfrakturen, pathologische Frakturen: Mit zunehmendem Substanzverlust nimmt die Bruchfestigkeit der Knochen immer mehr ab, und es ereignen sich Frakturen nicht allein durch Stürze, sondern schon bei Bagatellbelastungen oder sogar ohne erkennbare Ursache. Da diese einen pathologisch veränderten Knochen betreffen, nennt man sie „pathologische Frakturen“. In fortgeschrittenen Stadien können Rückenwirbel spontan und anfänglich unbemerkt in sich zusammensinken – manchmal gleichzeitig mehrere. Erst eine Buckelbildung, das Kleinerwerden und starke, chronische Rückenschmerzen weisen auf Osteoporose hin. Neben den häufigen Wirbelbrüchen kommt es leicht zu Schenkelhals-, Oberarm- und handgelenksnahen Vorderarmfrakturen.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Osteoporose verhindern (Primärprophylaxe)

Entscheidend ist der Aufbau eines kräftigen Knochengerüsts in der Jugend. Vorsorge während der Kindheit reduziert das Risiko im Alter.

Der Entkalkung des Skeletts lässt sich entgegenwirken durch

  • Viel körperliche Bewegung, am besten im Freien, gymnastische Übungen und andere Sportarten. Zudem erhöht Bewegung das körperliche und seelische Wohlbefinden.
  • Kalziumreiche Ernährung (Milchprodukte) ist bereits im Kindesalter entscheidend. Viel Gemüse und Früchte, aber wenig Fleisch, denn eine zu grosse Eiweissaufnahme beschleunigt den Knochenabbau. Vor den Wechseljahren werden für Erwachsene zur Prophylaxe 1 Gramm Kalzium, nach der Menopause 1,5 Gramm täglich empfohlen. Der Bedarf ist auch bei Schwangeren, stillenden Müttern und in der Pubertät erhöht. Besonders reich an Kalzium sind Hartkäse und verschiedene Mineralwassergetränke. Andere Milchprodukte, Broccoli, Fenchel und Tofu enthalten ebenfalls Kalzium, wenn auch deutlich weniger.
  • Phosphate behindern die Kalziumaufnahme im Darm. Stark phosphathaltige Lebensmittel wie Wurst, Schokolade und Fleisch sollten aus diesem Grund zurückhaltend genossen werden. Phosphathaltig sind ausserdem Colagetränke.
  • Vitamin D3 ist für den Kalziumeinbau in die Knochen wichtig und wirkt dem Mineralverlust entgegen. Für die Aktivierung von Vitamin D3, braucht es Sonnenlicht (UV-Strahlung). Neueste Studien zeigen, dass 50% der Schweizer Bevölkerung an einem Vitamin D-Mangel leidet. Deshalb wird empfohlen zusätzlich 15 Mikrogramm Vitamin D täglich einzunehmen. Personen über 60 Jahre sollten sogar 20 Mikrogramm täglich einnehmen.
  • Wenig Alkohol konsumieren, nicht rauchen.

Bei bekannter Osteoporose (Sekundärprophylaxe)

Neben den oben erwähnten Massnahmen zur Primärprophylaxe:

  • Regelmässige Bewegung im Freien kräftigt Muskeln und Knochen und hilft, Stürze zu vermeiden. Regelmässige Bewegung kann dazu beitragen, dass der Knochenabbau verlangsamt wird. Hier ist indessen fachkundiger Rat nötig, denn ungeeignetes Training birgt seinerseits die Gefahr von Frakturen.
  • Stürze verhindern: geeignete Schuhe tragen, Hilfsmittel verwenden wie Stöcke und fahrbare Stützgestelle; Gefahrenquellen in der Wohnung wie rutschende Teppiche und freiliegende Kabel beseitigen. Übungen zum Training des Gleichgewichts beugen Stürzen vor.
  • Gegen Knochenschmerzen: Wärmeanwendungen (zum Beispiel Heublumenbad) oder feuchtwarme Umschläge.

Wann braucht es den Arzt

Alle Frauen ab 65 Jahren und jüngere Frauen mit Risikofaktoren (siehe oben) sollten ein Osteoporose-Screening mittels einer Osteodensitometrie erhalten. Eine ärztliche Untersuchung kann den Schweregrad der Krankheit und eventuell zu beseitigende Ursachen aufzeigen.

Der Diagnose dienen neben verschiedene Röntgen- und Laboruntersuchungen hauptsächlich die Knochendichtemessung (Osteodensitometrie, DXA). Die DXA ist weltweiter Standard zur Untersuchung der Knochendichte bzw. den Mineralgehalt des Knochens. Als Vergleichs-Massstab für die Berechnung der Knochendichte benutzt man den mittleren Knochendichtwert eines gesunden, jüngeren Menschen und vergleicht diesen mit dem gemessenen Wert des Patienten. Daraus ergibt sich der T-Wert (T-Score). Anhand des T-Wertes wird die Osteoporose genauer entsprechenden Stadien zugeordnet.

Therapie

Die Therapie der Osteoporose umfasst die Bereiche Bewegung, Ernährung, Sturzprävention, Umgang mit Schmerzen und die medikamentöse Therapie.
Alle Medikamente zur Behandlung der Osteoporose haben zum Ziel weiteren Knochenabbau zu verhindern das Frakturrisiko zu reduzieren oder den Knochenaufbau zu unterstützen. Der Arzt wird mit dem Patienten die Vor-und Nachteile der jeweiligen Medikamente besprechen und eine geeignete medikamentöse Therapie anhand diverser Kriterien wie Alter, Geschlecht, Knochenqualität und Risikofaktoren auswählen. Die gesamte Osteoporosetherapie so auch die medikamentöse Therapie ist eine Langzeittherapie und muss teilweise über Jahre hinweg erfolgen. Die Wirkung der Medikamente auf die Knochendichte ist für den Patienten nicht spürbar, trotzdem ist die Therapie wichtig. Regelmässige Therapiekontrollen bei dem behandelnden Arzt sind unumgänglich.

  • Bisphosponate: Ihre Hauptwirkung besteht darin die Aktivität knochenabbauender Zellen zu hemmen. Dies führt zu weniger Knochenbrüchen. Bisphosponate werden am häufigsten zur Behandlung der Osteoporose eingesetzt. Das Medikament kann in Tablettenform (täglich, wöchentlich, monatlich), als Injektion oder als Infusionslösung verabreicht werden.
  • Serms (Selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren): Eine Hauptursache für den Knochenabbau von Frauen ist der Klimakteriums bedingte Rückgang der Östrogene, die den Knochen schützen. Die Medikamente aus der SERMs-Gruppe ahmen die positive Wirkung der Östrogene am Knochen nach, ohne selber Hormone zu sein. Auch sie hemmen die Aktivität knochenabbauender Zellen und reduzieren somit das Auftreten von Frakturen.
  • Strotiumranelat: Dieses Medikament hemmt den Knochenabbau und steigert zugleich den Knochenauffbau. Strotium ist eine Calciumähnliche Substanz und kann in den Knochen eingebaut werden. Nachteile: starke Nebenwirkungen möglich.

Arm- und Beinbrüche benötigen im Allgemeinen die operative Behandlung. Beim Schenkelhalsbruch ist das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks seit Jahrzehnten die Methode der Wahl. Für ältere Menschen kann das Wiedererlangen der Gehfähigkeit von vitaler Bedeutung sein. Bei der Kypho-und Vertebroplastie für osteoporose-bedingte Rückenschmerzen wird eine „Plombe“ aus speziellem Knochenzement in einen zusammengebrochenen Rückenwirbel eingespritzt. Dadurch lässt sich in gewissen Fällen die Fraktur stabilisieren, so dass eine Chance auf Besserung oder sogar völliges Verschwinden der Schmerzen besteht. Der Eingriff ist jedoch nicht für jede Form und jeden Ort von Wirbelbruch geeignet.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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