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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Periarthritis des Schultergelenks und Impingement- Syndrom

Fachbegriff: Periarthritis humeroscapularis

Die Periarthritis des Schultergelenks ist ein häufiges Leiden im mittleren und höheren Lebensalter. Akute Schmerzzustände und chronisch-degenerative Vorgänge betreffen Muskeln, Sehnen und Bänder, die das Gelenk zusammenhalten und seine Bewegungen führen. Weil die Krankheit sich in diesen das Gelenk umgebenden Weichteilen abspielt, wird sie dem Weichteilrheumatismus zugerechnet und hat die Bezeichnung Periarthritis erhalten. Die griechische Vorsilbe „peri-“ bedeutet „darum herum“.

Am Aufbau des Schultergelenks sind als knöcherne Komponenten das Schulterblatt (Scapula), das Schlüsselbein und der Oberarmknochen (Humerus) beteiligt. Diese Strukturen werden stabilisiert und funktionell geführt von einem rundum reichenden Mantel verschiedener Muskeln. Sie bilden die sog. Rotatorenmanschette (Abb. a). Das Aktivieren einzelner Muskelgruppen bewegt den Oberarm gegenüber dem Schulterblatt.

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Begriffserklärungen

Antirheumatikum:

Schmerzlinderndes und entzündungshemmendes Medikament, das besonders bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommt (Mehrzahl Antirheumatika). NSAR bedeutet „nicht steroidales Antirheumatikum“, also ohne Kortison.

Arthritis:

Entzündung eines Gelenks, bisweilen hervorgerufen durch eine Autoimmunreaktion, manchmal in Zusammenhang mit einer viralen oder bakteriellen Infektion. Der Übergang zu Arthrose kann fliessend sein.

Arthrose:

schmerzhafter, destruktiver (zerstörender) Vorgang an einem Gelenk durch Abnützung, als Folgezustand einer anlagemässigen Deformation, nach unfallbedingtem Gelenkschaden oder nach Arthritis.

Autoimmunkrankheit:

Sie entsteht, indem das Immunsystem körpereigenes Gewebe schädigt. Es werden sog. Autoantikörper gebildet.

Bindegewebe:

Es kann als „Gerüst“ des Körpers bezeichnet werden, da es in allen Organen vorkommt. Bindegewebe besteht aus Zellen und einer Grundsubstanz, die aus Eiweissen, Kohlenhydratverbindungen und unterschiedlichen Fasertypen aufgebaut ist – je nach Bindegewebstyp.

Degenerativ:

Durch Verschleissvorgänge bewirkt.

Extremitäten:

Die Arme und Beine; im Gegensatz dazu werden Kopf und Rumpf nicht als Extremitäten bezeichnet.

Kollagenose:

Generalisierte Erkrankung des Bindegewebesystems hauptsächlich verursacht durch immunologische oder autoimmune Vorgänge.

Kortison oder Cortison:

Dies ist ein natürliches Hormon der menschlichen Nebennierenrinde. In verschiedenen chemischen Abwandlungen als Medikament eingesetzt hat es stark entzündungshemmende und auch Schmerz lindernde Eigenschaften. Nachteile nach längerer und höheren dosierten Anwendung sind: Verminderung der Infektabwehr, Osteoporose, Hautveränderungen, Gewichtszunahme, Vollmondgesicht, Blutdruck- und Blutzuckeranstieg.

Polyarthritis:

Erkrankung vieler Gelenke. Die der Arthritis beigefügte griechische Vorsilbe πολύ- (poly) heisst „viel“ oder sinngemäss „vielfach“.

Rheuma:

Das griechische Wort ρεύμα  (Rheuma) bedeutet Strömung, Fliessen.

Spondylarthrose:

Degenerative Veränderungen an den Rückenwirbeln, insbesondere an den kleinen Wirbelgelenken.

Spondylitis:

Entzündung eines Rückenwirbels, vom griechischen σπόνδυλος (Spondylos), der Wirbel, abgeleitet. Die Nachsilbe „-itis“ bedeutet generell Entzündung.

Syndrom:

Kombination von Symptomen, die für eine Krankheit typisch sind.

Vaskulitis:

Entzündungsvorgänge in der Wand von kleinen und/oder grossen Blutgefässen. Damit verbunden sind oft auch Muskelschmerzen, Kopfweh und andere Beschwerden. Mehrzahl: Vaskulitiden. Abgeleitet vom lateinischen vasculum, das (Blut-)Gefäss. Die Endsilbe „-itis“ bedeutet generell Entzündung.

Weichteilrheumatismus:

Entzündliche Vorgänge und/oder Abnützungserscheinungen, die an praktisch allen Bindegewebsstrukturen vorkommen können, an Haut, Knorpel, Nerven, Blutgefässen, Herzklappen, Narben, Sehnen sowie an Muskeln.

Ursachen und Risikofaktoren

Gewöhnlich setzen pathologische (krankhafte) Vorgänge schleichend ein und manifestieren sich als:

  • Kalkdepots in Sehnen und Gelenkkapsel oberhalb des Oberarmkopfs, Fetteinbau im Bereich der Rotatorenmanschette.
  • Verengung des Gleitwegs durch chronisch verdickte, entzündete Schleimbeutel oder Knochenwucherungen, so dass Muskeln und Sehnen eingeengt werden (Impingement)
  • Schwächung und Schwund (Atrophie), Auffasern und schliesslich Durchreissen von Muskelfasern (Abb. b) oder Sehnen, etwa der Bizepssehne.
  • Abriss von knöchernen oder knorpeligen Anteilen des Gelenks.
  • Langdauernde, wiederholte Belastung der Schulter und ruckartige Bewegungsabläufe (Tennis, Golf, Wurfsportarten, fehlerhaftes Krafttraining, häufiges Heben von schweren Lasten), altersbedingte Vorgänge sowie Begleitverletzungen bei Schulterluxationen begünstigen das Auftreten von Schmerzen und Funktionsausfällen.
  • Rein unfallbedingte Periarthritis und Impingement sind selten.

Das Krankheitsbild

  • Leitsymptom ist Schulterschmerz, der auftreten kann als:
    • Spontan- und Ruheschmerz, Druckschmerz, Schmerz beim Liegen auf der erkrankten Seite.
    • Bewegungsschmerz, etwa beim „Überkopfarbeiten“, aber auch bei häuslicher Tätigkeit.
  • Bewegungseinschränkung bis zur Versteifung („frozen Shoulder“).
  • Schwäche oder Unmöglichkeit, den Arm über die Horizontale hochzubringen.
  • Schwellung und Überwärmung des Gelenks.
  • Abriss der Bizepssehne bewirkt einen Muskelwulst in der Oberarmmitte.

Folgen

Chronische Entzündung und Arthrose.

Was man selbst tun kann

Individuell zu erproben bei akuten Schmerzen sind das Auflegen von Eis (Cold Pack) oder umgekehrt die Applikation von Wärme, eventuell Fango oder Bäder. Die getroffene Massnahme sollte als wohltuend empfunden werden, sonst ist sie für die Behandlung ungeeignet.

Wann braucht es den Arzt

Eine frühzeitige Beurteilung durch den Arzt und der baldige Therapiebeginn optimieren die Erfolgsaussichten.

Diagnose

Die klinische Untersuchung umfasst den Zustand der Schultermuskulatur und umgebender Strukturen, die Prüfung von Beweglichkeit und neurologischen Funktionen. Von den bildgebenden Verfahren ist Ultraschall jenes der ersten Wahl, ergänzend werden Röntgen, Magnetresonanz- (MRT) oder Computer-Tomographie (CT) eingesetzt.

Therapie

Konservative Möglichkeiten: Medikamente, Injektionen in und um das Gelenk. Physikalische Therapie: Bewegungsübungen, ferner Elektro- und gegebenenfalls Strahlentherapie, extrakorporelle Stosswellentherapie (ESWL) und alternative Methoden wie Akupunktur. Schmerzen treten später häufig erneut auf, aber auch dann kann in vielen Fällen konservativ behandelt werden.

Operativ lassen sich Kalkablagerungen und freie Gelenkkörper entfernen, gerissene Sehnenstümpfe oder Knochenspangen abtragen, ein Riss in der Rotatorenmanschette verschliessen. Vielfach ist dies auf arthroskopischem Weg möglich (minimal-invasiv, „Knopflochchirurgie“). Die Nachbehandlung dauert Wochen bis Monate.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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