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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Schweinegrippe, Mexikanische Grippe

Fachbegriff: Pandemische Grippe A(H1N1) 2009

Die Übersicht zum Thema Grippe findet sich im Text Grippe, Influenza. Zusammenfassend handelt es sich um eine meist schwer verlaufende Erkrankung, hervorgerufen durch Influenzaviren der Typen A, B oder C. Sie tritt als saisonale Grippe fast nur in den Wintermonaten auf und ist begleitet von Fieber, Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei geschwächten und älteren Menschen ist die Sterblichkeit auch heute noch hoch, wodurch sie sich deutlich von den Erkältungen unterscheidet. Gemäss BAG sterben in der Schweiz jährlich 400 bis 1000 Menschen an den Folgen einer Grippe, mehr als 90% der Verstorbenen sind über 60 Jahre alt. Jedes Jahr werden begrenzte Epidemien beobachtet, weltumspannende Pandemien gibt es im Abstand von 10 bis 50 Jahren. Jung und Alt erleiden die Krankheit gleichermassen.

Begriffserklärungen

Influenza:

Synonym für Grippe. Sie unterscheidet sich wesentlich von „banalen“ Erkältungen, einerseits durch den Schweregrad (Symptome, mögliche Komplikationen), aber auch dadurch, dass sie durch andere virale Krankheitserreger verursacht wird.

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Pandemie:

länder- bzw. kontinentübergreifende oder weltweite Verbreitung einer Krankheit während einer bestimmten Zeit.

Exposition:

Der Körper ist Umwelteinflüssen ausgesetzt, z.B. Krankheitserregern, Schadstoffen irgendwelcher Art oder Strahlung.

Das neuartige Influenzavirus

Eine neuartige Variante des Influenzavirentyps A, bezeichnet mit A(H1N1) 2009, breitete sich ab Frühjahr 2009 von Mexiko ausgehend auf andere Länder und Kontinente aus. Die Krankheit hat die Bezeichnungen Schweinegrippe, Mexikanische, Amerikanische, Neue und pandemische Grippe A(H1N1) 2009 erhalten. Wegen der Häufigkeit ihres Auftretens wurde durch die WHO von Juni 2009 bis Mitte August 2010 die Pandemiestufe erklärt – eine Qualifikation, die das BAG für die Schweiz übernahm und einen Katalog von Vorsorgemassnahmen traf.

Die Bezeichnung Schweinegrippe ist allerdings irreführend. Sie kommt vermutlich daher, dass das A(H1N1)-2009-Virus zwar Stücke von Erbgut aufweist, das die Erkrankung bei Schweinen auslösen kann. Entscheidend ist hingegen, dass das neuartige Virus ausserdem Teile enthält, welche für Menschen krankmachend sind und die Verbreitung unter ihnen ermöglicht.

Rückblick auf die Pandemie

Häufigkeit

Insgesamt wurde im Winter 2009/2010 keine Erhöhung der Gesamtzahl Grippekranker festgestellt verglichen mit der üblichen saisonalen Grippe. Laborbestätigte Krankheitsfälle durch das Virus A(H1N1) 2009 betrafen jedoch überdurchschnittlich häufig jüngere Personen. Als Grund wird angenommen, dass ältere Menschen – im Gegensatz zu jungen – schon früher in Kontakt mit einem ähnlichen Grippevirustyp gekommen sind, was zu einer Resistenz bzw. einer gewissen Immunität auch gegenüber dem neuartigen Virus geführt hat.

Verlauf

Die Vermutung hat sich bestätigt, dass die Krankheit in der Schweiz milder verlaufen könnte als die saisonale Grippe. Für Komplikationen besonders empfindlich erwiesen sich ältere Menschen und solche mit einem Risikoprofil, wozu geschwächtes Immunsystem, chronische Erkrankungen von Lunge oder Herz und Kreislauf, Nieren oder Stoffwechsel (z.B. Diabetes) zählen. 570 Erkrankte mussten hospitalisiert und über 100 in Intensivstationen gepflegt werden. Das Durchschnittsalter dieser schwer Erkrankten war deutlich tiefer als bei Epidemien mit der saisonalen Grippe. Etwa die Hälfte der ins Spital Eingelieferten gehörten einer Risikogruppe an, bei den 20 Todesfällen (Stand Ende März 2010) war es die Mehrheit.

Kluge Voraussicht oder Panikmache?

Das zu erwartende weltweite Ausmass und die potentiellen Folgen einer Epidemie in der Schweiz waren schwierig abzuschätzen; umso mehr als noch im Sommer 2009 unklar blieb, wann überhaupt ein Impfstoff zur Verfügung stehen würde. Aus diesem Grund sah sich das BAG gezwungen, von einem „Worst-case-Szenario“ auszugehen. Im Oktober 2009 war die Industrie dann so weit, einen Grippeimpfstoff anbieten zu können, der auch Immunität gegen das neuartige Virus sicherstellte.
Nachstehende Angaben, insbesondere die Zahlen, beruhen auf Bulletins des BAG und auf dem Abschlussbericht der Datenbank PaniFlow® von Swissmedic vom Juli 2010.

Im Hinblick auf den schlimmsten möglichen Fall (grosse Zahl Erkrankte und hohe Sterblichkeit) bestellte das BAG 13 Millionen Dosen. Diese hohe Anzahl ergab sich daraus, dass mit der Notwendigkeit von mehr als einer Dosis pro Person gerechnet werden musste. Rund 3 Millionen Impfdosen leitete man weiter an die 26 Kantone. Wie sich zeigen sollte, war die „Impffreudigkeit“ der Schweizerinnen und Schweizer relativ bescheiden, denn nur etwa 1,3 Millionen Menschen nahmen die Gelegenheit war. Es wurde also bei Weitem nicht aller Impfstoff benötigt, so dass sich – im Nachhinein – die Frage nach der Verhältnismässigkeit der Bevorratung stellte. Es ist indessen festzuhalten, dass über den Ablauf der Pandemie nur Hypothesen möglich waren. Die Grippewelle in den USA überstieg in manchen Ländern hinsichtlich Sterblichkeit unzweifelhaft das Ausmass einer dortigen saisonalen Grippe. Warum dies in der Schweiz und anderen europäischen Ländern nicht der Fall war, ist nicht abschliessend geklärt, vermutlich kursierten hierzulande weniger gefährliche Varianten von A(H1N1)-2009-Viren. Mit einer solchen günstigen Fügung konnte man aber nicht im Voraus rechnen.

Dokumentiert sind sieben Impfversager, also Grippe mit A(H1N1) 2009 trotz korrektem Vorgehen, wobei sich ein Teil von diesen infizierte bevor der Schutz gewährleistet war, also innerhalb von acht Tagen nach erfolgter Impfung. Daneben wurde bei 557 Personen über unerwünschte Wirkungen berichtet, hauptsächlich über Fieber, allergische und entzündliche Reaktionen an der Einstichstelle, sowie grippeähnliche Symptome – wie dies bei anderen Impfungen auch der Fall ist. Verschiedentlich konnte und musste der Kausalzusammenhang mit der Impfung jedoch als unwahrscheinlich oder lediglich als möglich eingestuft werden.

Das BAG sammelte laufend Daten, auf deren Grundlage der Bundesrat am 18. August 2010 die Pandemie für beendet erklärte. Dennoch bleibt die Grippeimpfung weiterhin für Risikogruppen empfehlenswert. Für den Winter 2010/2011 bietet sie auch Schutz gegenüber dem neuartigen Virus, das zwar nicht mehr so aktiv, aber nicht verschwunden ist.

Hygiene- und andere Vorsichtsmassnahmen bleiben während jeder Grippesaison nötig. Entsprechende Empfehlungen finden sich im Text zu Grippe.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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