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medicine 2.0 – Gesundheitslexikon

Blutvergiftung

Fachbegriff: Sepsis

Sepsis ist eine schwere Erkrankung und eine häufige Todesursache. Krankheitserreger oder deren Toxine werden mit dem Blut im Organismus verbreitet und der Körperabwehr gelingt es nicht, die Ansiedlung von Erregern in Gewebe und Organen zu verhindern.

Überblick

Der Begriff Sepsis umfasst drei Aspekte einer schweren Infektion.

  • Das Vorhandensein von vermehrungsfähigen Krankheitserregern oder von ihren Toxinen und deren Verbreitung mit dem Blut in Gewebe und Organe.
  • Das Unvermögen des Immunsystems, die Erreger unschädlich zu machen und ihre Ansiedlung in Organen zu verhindern.
  • Eine heftige Entzündungsreaktionen des Organismus, durch welche die Sepsis erst klinisch erkennbar wird.

Ausgehend von einem Sepsisherd gelangen die Erreger dauernd oder schubweise in die Blutbahn, werden so in andere Organe eingeschleppt, vermehren sich weiter und verursachen sekundäre Schädigungen. Die Bildung von derartigen „infektiösen Ablegern“ signalisiert ein Missverhältnis zwischen den Abwehrkräften des Körpers und den Mikroorganismen. Die infektiösen Ableger sind durchaus vergleichbar mit Metastasen und man verwendet daher auch den Begriff „septische Metastasen“.

Die Sterblichkeit ist auch in Industrieländern hoch, bis zu 40%, abhängig vom Schweregrad der Erkrankung, vom Lebensalter und von vorbestehenden Krankheiten. Der septische Schock verläuft in bis zu 70% tödlich.

Begriffserklärungen

Bakteriämie:

Das Vorkommen von vermehrungsfähigen Bakterien im Blut. Bei ausreichender Abwehrlage werden in die Blutbahn eingedrungene Keime erkannt und zerstört. Eine vom Körper beherrschte Infektion unterscheidet sich wesentlich von einer Sepsis.

Immunsuppression:

Unterdrückung der körpereigenen Abwehrreaktionen, die körpereigene Abwehr wird eingedämmt. Davon abgeleitet: immunsuppressiv, immunsupprimierend. Entsprechende Medikamente heissen Immunsuppressiva.

Lumbal- oder Liquorpunktion:

Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit zur Diagnose von Krankheiten, die das zentrale Nervensystem mit betreffen. Bei Verdacht auf Sepsis wird der Liquor auf Krankheitserreger, Entzündungszeichen usw. untersucht.

Multiorganversagen:

Erhebliche Funktionseinschränkung oder Versagen von zwei oder mehr lebenswichtigen Organen; kann zum Tod führen.

Protozoen:

einzellige Organismen. Sie können als Parasiten in Menschen leben, sich vermehren und Krankheiten auslösen. Beispiele für Protozoen: Trichomonaden, Toxoplasmen, Amöben.

Resistenz:

Widerstandsfähigkeit eines Krankheitserregers gegenüber Medikamenten, Umwelteinflüssen, chemischen Substanzen oder Flüssigkeiten. Adjektiv: resistent.

Sepsis:

Das altgriechische Wort σήψις (sepsis) entspricht dem deutschen Fäulnis, Verwesen. In der Medizin hat es eine abgewandelte und erweiterte Bedeutung erlangt, s. Einleitung oben.

Sepsisherd, Primärherd:

Ort der ursprünglichen Infektion, der zur Quelle der Aussaat von Krankheitserregern wird.

Toxin:

Giftige Substanz, die von Krankheitserregern, Pflanzen oder Tieren gebildet wird. Adjektiv: toxisch.

Virämie und Parasitämie:

Wenn eine durch Viren oder Parasiten ausgelöste Infektion mit den Symptomen einer Sepsis einhergeht, wird mitunter der Begriff „Virämie“ bzw. „Parasitämie“ anstelle von Sepsis verwendet.

Ursachen und Risikofaktoren

Ausgangspunkt ist eine lokalisierte Infektion (Sepsisherd), von der aus Bakterien, seltener Viren, Pilze oder Protozoen in die Blutbahn gestreut und in andere Organe und Gewebe verschleppt werden.

Potenzielle Sepsisherde sind:

Hohe Aggressivität (Virulenz) der Krankheitserreger und ebenso deren Resistenz gegenüber Antibiotika begünstigen das Auftreten einer Sepsis. Vergleichbares gilt für alle Vorgänge, welche die körpereigene Immunabwehr direkt oder indirekt schwächen wie: 

  • Chemotherapie, immunsuppressiv wirkende Medikamente, langfristige Kortisonbehandlung.
  • Krankheiten, die ihrerseits das Immunsystem schwächen wie AIDS, Diabetes mellitus, Leukämie.
  • Allgemeine Schwäche infolge konsumierender Krankheit (zum Beispiel Krebs), nach Operation oder bei ausgedehnten Verbrennungen.

Das Krankheitsbild

Verschiedene Symptome können auf eine Sepsis hinweisen. Von den nachfolgend genannten müssen indessen nicht alle gleichzeitig vorhanden sein.

  • Fieber: Die Patienten sind zunächst unruhig, dann verschlechtert sich ihr Zustand und sie werden rasch apathisch, oft dösig, manchmal verwirrt.
    Fieber ist ein recht konstantes Symptom. Es kann mit dem Eindringen der Krankheitskeime ins Blut als Schüttelfrost beginnen, abwechselnd fallen und wieder ansteigen (intermittierendes Fieber), oder konstant hoch bleiben. Kleinkinder neigen zu Fieberkrämpfen.
    Fehlendes Fieber ist eher ungünstig zu werten, denn dies lässt auf eine Reaktionsarmut des geschwächten Körpers schliessen. Besonders ältere und abwehrgeschwächte Menschen sowie Neugeborene entwickeln bisweilen kein Fieber. Mitunter besteht sogar eine Hypothermie, also eine Körpertemperatur unter 36 Grad.
  • Weitere mögliche Allgemeinsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Berührungsempfindlichkeit usw.
  • Hauterscheinungen: Die Haut ist blassgrau und marmoriert. Manchmal zeigen sich punktartige Blutungen (sog. Petechien) oder flächige Hautblutungen.
  • Herz-Kreislauf- und Lungenreaktionen: Der Puls ist schwach und schnell (Tachykardie), die Atmung beschleunigt.
  • Folgen von septischen Organmetastasen: Es entstehen Abszesse und Geschwüre, die in allen inneren Organen vorkommen können und generalisierte Entzündungsreaktionen auslösen. Betroffen sind z.B. das Gehirn (Hirnabszess, Meningitis), die Niere, die Netzhaut des Auges, die Lunge. Folgenschwer sind ferner septische Geschwüre auf den Rändern von Herzklappen, die ihrerseits zur Quelle weiterer Streuung führen und Klappenfehler nach sich ziehen. Diese Komplikation ist heute selten, war aber früher – vor der Antibiotikazeit – besonders gefürchtet.

Bedrohlicher Verlauf

Organe und Organsysteme können bei einem bedrohlichen Verlauf durch Krankheitserreger, ihre Toxine (Giftstoffe) oder durch Eiterbildung geschädigt werden. Es entstehen spezifische Komplikationen:

  • Schwere Sepsis: Neben oben genannten Symptomen ist die Funktion von mindestens einem Organ beeinträchtigt, was sich z.B. durch Bewusstseinstrübung, ungenügende Sauerstoffzufuhr (Atmung) oder durch Nierenversagen äussert. Akutes Nierenversagen geht einher mit Ausbleiben der Urinproduktion. Diese Funktionsstörungen kommen zustande, wenn das betreffende Organ nur noch ungenügend durchblutet wird.
  • Septischer Schock: Er ist definiert als schwere, über eine Stunde dauernde Beeinträchtigung der Herz-Kreislauf-Funktion mit Blutdruckabfall unter 90 mm Hg systolisch (oberer Blutdruckwert), trotz ausreichender parenteraler Flüssigkeitszufuhr (s. Begriffsbestimmungen).
  • Multiorganversagen: Im Endstadium des septischen Schocks stellen sich innere Blutungen sowie Versagen der Funktion von mehreren Organen ein, z.B. Nieren-, Lungen- oder Herzversagen. Der Zustand bedeutet unmittelbare Lebensgefahr.

Wann braucht es den Arzt

Ärztliche Behandlung ist unerlässlich. Entscheidend für den Therapieerfolg ist eine frühe Diagnose, doch das Erkennen des infektiösen Primärherds gestaltet sich nicht immer einfach.

Diagnose

Sie ergibt sich aufgrund der Symptome und wird gesichert durch Labortests sowie mikrobiologische Blutuntersuchungen auf Bakterien, Viren, andere Krankheitserreger. Fallweise erfolgen Analysen von Urin, Auswurf, Stuhl.
Dem Nachweis von Sepsisherden dienen verschiedene bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, Magnetresonanz-Tomographie (MRI), Computer-Tomographie (CT), im Weiteren spezielle Untersuchungen wie Augenhintergrundspiegelung und Lumbal- bzw. Liquorpunktion (Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit zur Untersuchung).

Therapie

Die Behandlung erfolgt im Spital. Septischer Schock und Multiorganversagen erfordern die kontinuierliche Überwachung auf einer Intensivstation.

  • Antibiotika: Sie werden bereits bei Verdacht auf Sepsis gegeben, noch bevor der Erreger nachgewiesen und ein Antibiotikum getestet ist.
  • Infusionen und evtl. Medikamente zur Stabilisierung des Kreislaufs und zur Verhinderung eines septischen Schocks.
  • Beseitigung von Sepsisherden: Sie ist erforderlich, wenn immer wieder von neuem Bakterien in den Kreislauf eindringen. Beispiele für operatives Vorgehen sind:
    • Das Ausräumen oder Drainieren eines Abszesses, einer infizierten Kieferhöhle, einer Brustfelleiterung. 
    • Das Entfernen von infizierten Implantaten (auch Blasen- und Venenkatheter) oder einer vereiterten Gallenblase.
  • Künstliche Beatmung bei unzureichender Lungenfunktion. 
  • Dialyse bei Nierenversagen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 02.08.2018

 
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