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Abszess und Furunkel

Der Abszess ist ein Eiterherd, der durch eine Membran abgekapselt und so gegen das umliegende Gewebe abgegrenzt ist. Er entsteht infolge einer Infektion mit Bakterien und anschliessendem Absterben und Einschmelzen von Gewebe. Der Furunkel ist ein Abszess, der von einem infizierten Haarbalg, einer Schweiss- oder Talgdrüse ausgeht.

Überblick

Als Abszess bezeichnet man einen Eiterherd, der gegen das umliegende Gewebe abgegrenzt ist durch eine Membran aus geronnenem Eiweiss und abgestorbenen Gewebsteilen, bei längerer Dauer aus Bindegewebe. Ein solcher Herd entsteht infolge einer Infektion mit Bakterien und anschliessendem lokalem Absterben und Einschmelzen von Gewebe. Abszesse können überall im Körper entstehen.

Ein Furunkel ist ein Abszess, der von einem infizierten Haarbalg, einer Schweiss- oder Talgdrüse ausgeht; er kommt somit nur an der Körperoberfläche vor.

Bei der Furunkulose bilden sich an unterschiedlichen Stellen wiederholt neue Furunkel, oft in Vielzahl. In diesem Fall muss an die Möglichkeit einer Abwehrschwäche gedacht werden, zum Beispiel bei Diabetes mellitus, Leukämie, anderen Krebskrankheiten oder AIDS.

Der Karbunkel entsteht durch eitrige Einschmelzung der Haut und des Unterhautgewebes und ist durchsetzt von ineinander fliessenden Furunkeln. Häufig kommt er am Nacken vor (Nackenkarbunkel).

Gefährliche Komplikationen sind möglich, wenn sich die Erreger durch Blut- und Lymphbahnen im Körper ausbreiten. Folgen können Sepsis („Blutvergiftung“) und Abszesse in anderen Organen sein.)

Ursache und Risikofaktoren

Bakterien sind die Ursache. Sie können direkt durch die Haut eindringen oder mit dem strömenden Blut im Körper verschleppt werden und sich sogar in inneren Organen ansiedeln. Die Krankheiten werden unter dem Oberbegriff „pyogene Infektionen“ zusammengefasst.
Das Entstehen von Abszessen, Furunkeln oder Karbunkeln begünstigen:

  • Abwehrschwäche, zum Beispiel bei Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), fortgeschrittener Krebskrankheit oder AIDS.
  • Alkoholismus, Verwahrlosung.
  • Schlechte Körperhygiene. Sie ist ein seltener Grund und in der Regel vergesellschaftet mit Begleitkrankheiten.

Symptome

Abszesse an der Körperoberfläche

Bevorzugte Körperregionen sind Achselhöhle (Schweissdrüsenabszess), Nacken und Gesicht (Oberlippen-, Nasenfurunkel). Insektenstiche und kleine Verletzungen jeder Lokalisation können von einem Abszess gefolgt sein. Abszesse an der Körperoberfläche sind leicht erkennbar.

  • Gerötete, heisse und schmerzhafte Vorwölbung der Haut. Die Schmerzen haben oft pulsierenden Charakter.
  • „Reif“ ist ein Abszess, wenn sich der Eiter verflüssigt hat und die darüber liegende Haut so dünn geworden ist, dass sie spontan aufplatzt oder sich mit geringer Nachhilfe (kleiner Einschnitt) eröffnen lässt. Mit dem Ausfliessen des Eiters hat der Krankheitsprozess den Höhepunkt überschritten, Spannung und Schmerz lassen sofort nach und vom Rand her beginnt die Heilung.
  • Fieber und Anschwellen von Lymphknoten in Abszessnähe weisen auf eine fortgeschrittene Infektion hin.

Abszesse in inneren Organen

Sie sind von aussen nicht erkennbar, mitunter schwierig zu diagnostizieren und können lebensbedrohend sein. Sie entstehen in Leber, Milz, Nieren, Lungen, Gehirn, auch im Knochenmark und anderen Organen. Die Erreger sind Bakterien, Protozoen (z.B. Amöben), selten Larven des Fuchsbandwurms, die auf dem Weg über die Blut- oder Lymphbahnen oder über anatomische Ableitungssysteme wie Nierenbecken oder Gallenwege in ihr Zielorgan gelangen. Begünstigend für das „Angehen“ eines Abszesses ist eine schlechte Immunabwehr, z.B. bei Diabetes mellitus oder körperlichem Verfall, wie dies bei fortgeschrittener Krebskrankheit oder anderen schweren Erkrankungen der Fall ist. Abszesse in Organen verursachen Allgemeinsymptome wie Fieber, Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Appetitverlust, bei Leber- und Lungenabszessen auch begleitende Entzündung von Bauch- oder Brustfell.

Komplikationen

Schwerste Komplikation ist die Sepsis. Wird der lokale Abwehrmechanismus des Körpers überwunden, gelangen Eitererreger ins strömende Blut und vermehren sich dort. Es kommt zum gefährlichen Krankheitsbild der „Blutvergiftung“ oder Sepsis mit dem typischen Schüttelfrost, schwerem Krankheitsgefühl und manchmal Benommenheit, schnellem und unregelmässigem Puls, Blutdruckabfall und Schock. Warnzeichen sind entzündete Lymphgefässe an den Armen und Beinen, die sich unter der Haut als schmerzhafte rote Stränge bemerkbar machen, und geschwollene Lymphknoten in den Achselhöhlen, seitlich am Hals oder in der Leistengegend.

Furunkel im Gesicht: In seltenen Fällen gelangen Bakterien über die Blutgefässe ins Gehirn und können dort eitrige Ableger (Hirnabszess) bilden. Ödeme (Schwellungen) am inneren Augenwinkel sind ein Alarmsymptom.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Nicht jeder „Pickel“ wird zum Abszess oder Furunkel. Meist sind Entzündungen im Bereich der Haut oberflächlich und harmlos, durch Ausdrücken werden sie jedoch oft schlimmer, weil die Bakterien tiefer ins Gewebe gepresst werden.

  • Bei beginnender Entzündung können warme Umschläge, Baden in heissem Schmierseifenwasser oder Milch und das Auftragen von „Zugsalbe“ das Reifen eines Abszesses begünstigen, daneben auch Rotlichtanwendung.
  • Eiter, der sich aus einem reifen Abszess entleert, ist infektiös. Er darf also nicht mit anderen Wunden und Körperöffnungen des Betroffenen oder der helfenden Person in Kontakt geraten.
  • Wenn nach Entleerung des Eiters nicht rasche Besserung und Heilung eintreten, ist der Arzt zu konsultieren.
  • Einen Furunkel im Gesicht, besonders den Nasenfurunkel, soll man nicht auszudrücken versuchen; er muss in der Regel mit Antibiotika behandelt werden.

Weitere Hausmittel enthält das Buch „Hausmittel sinnvoll einsetzen“ (ISBN 978-3-033-01334-6), das hier bestellt werden kann. (145 Seiten).

Vorbeugen

Eine angemessene Körperhygiene trägt dazu bei, Infektionen der Haut zu verhindern. Übertriebene Hygiene trocknet hingegen aus, zerstört den Säureschutzmantel der Haut und erhöht so das Infektionsrisiko.

Wann braucht es den Arzt

Bei Versagen von selbst ergriffenen Massnahmen, bei wiederholtem Auftreten von Abszessen oder Furunkeln (Furunkulose), bei einem fiebrigen Verlauf, insbesondere bei Schüttelfrost, ist ein Arztbesuch angezeigt. Gesichtsfurunkel bedürfen besonderer Aufmerksamkeit.

Bei Verdacht auf Abszesse im Körperinnern werden Bluttests, Röntgen, Sonographie und Computertomographie (CT) gemacht. Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen nötig, je nach betroffenem Organ.

Therapie

Oberflächlich gelegene Abszesse: insbesondere auch Schweissdrüsenabszesse, Karbunkel und grosse Furunkel werden durch einen Schnitt (Inzision) eröffnet und der Eiter entleert. Vielfach erfordert der Eingriff eine Narkose. Antibiotika können nötig sein.

Abszesse in inneren Organen sind weniger leicht zugänglich. Oft lassen sie sich entleeren und ausspülen, indem Drainagekatheter unter Ultraschall-, Röntgen- Magnetresonanz- oder allenfalls Computertomographie-Kontrolle in den Eiterherd eingeführt werden.

Antibiotikatherapie
Wesentlich ist, sich genau an die Dosierungsrichtlinien zu halten; zum einen, damit das Medikament seine volle Wirksamkeit erlangt, zum anderen wegen der stets drohenden Gefahr, dass Krankheitserreger dem Medikament gegenüber unempfindlich werden (Resistenzbildung).

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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