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Schluckstörung

Fachbegriff: Dysphagie
Unterform: Achalasie

Bei einer Schluckstörung (Dysphagie) handelt es sich um einen Defekt einer am Schluckvorgang beteiligten Struktur. Es kommt somit zu einer Funktionseinschränkung.
Im Falle der Achalasie ist es eine Funktionsstörung der glatten Muskulatur des Speiseröhrenschliessmuskels (Ösophagussphinkter). Durch Degeneration von Nervenzellen des Plexus myentericus (Nervengeflecht) kann sich dieser Schliessmuskel nicht oder nur erschwert öffnen, das heisst relaxieren, was zu einem Rückstau von Nahrung vor dem Mageneingang und im Weiteren zu Schluckstörungen führt.

Begriffserklärung

Ösophagus:

Speiseröhre. Griechisch: οισοφάγος (oisofàgos), die Speiseröhre.

Oesophagusshpinkter:

Speiseröhrenschliessmuskel, dieser öffnet sich normalerweise beim Schluckakt, so dass der Nahrungsbrei in den Magen passieren kann.

Oesophagitis:

Dies ist eine Entzündung der Speiseröhre. Sie kann akut oder chronisch verlaufen. Mögliche Auslöser können sein: Reflux (chemische Entzündung), Herpes simplex Virus, Candida (infektiöse Entzündung), Verbrennung (thermisch bedingte Entzündung) oder Allergie (eosinophil bedingte Entzündung).

Degeneration:

Veränderung der Struktur von Zellen oder Gewebe, Folge ist eine Funktionseinbusse. Adjektiv: degenerativ.

Biopsie:

Gewebeentnahme zur genaueren Untersuchung des Gewebes durch den Pathologen.

Ösophagoskopie:

Untersuchung der Speiseröhre mit Hilfe einer Kamera, welche in die Speiseröhre eingeführt wird.

Palliative Therapie:

Behandlung von Symptomen zur Verbesserung der Lebensqualität bei fortgeschrittener Krankheit und begrenzter Lebenserwartung. Solche Symptome können sein: Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Atemnot, psychische Belastung.

Glatte Muskulatur:

Hierbei handelt es sich um eine besondere Art von Muskulatur, welche nicht willentlich steuerbar ist. Diese Art Muskulatur kommt vor allem in Hohlorganen, beispielsweise an den Wänden von Blutgefässen, im Darm, bei den Atem- und Harnwegen und in den Geschlechtsorganen vor. Sie wird durch das vegetative Nervensystem innerviert und dient somit der Blutdruckregulation, der Verdauung, den Funktionen der Harn-und Geschlechtsorgane sowie am Uterus (Gebärmutter) der Geburt.

Plexus myentericus:

Dies ist ein Nervengeflecht mit Nervenzellen, welche für die Bewegungen der glatten Muskulatur verantwortliche sind und die Peristaltik im Magen-Darmtrakt steuern. Dieses Nervengeflecht besteht aus Fasern des vegetativen Nervensystems.

Peristaltik:

Wellenförmige, unwillkürlich ablaufende Kontraktionen („Zusammenziehen“) der Muskulatur in der Darmwand. Die Peristaltikwellen befördern den Darminhalt weiter.

Autoimmunkrankheit:

Sie entsteht, indem das Immunsystem körpereigenes Gewebe schädigt. Es werden sog. Autoantikörper gebildet.

Aspirationspneumonie:

Lungenentzündung, hervorgerufen durch Mageninhaltsstoffe die eine schwere Entzündungsreaktion hervorrufen.

Laparoskopie:

Bauchhöhlenspiegelung. Durch einen mehrere Millimeter langen Einschnitt am Bauchnabel wird eine stabförmige Optik mit Beleuchtung in die Bauchhöhle eingeführt. Einige weitere kleine Stiche in der Haut gestatten das Einführen dünner stabförmiger Operationsinstrumente.

Botulinum Toxin:

Dies ist ein Gift, welches vom Bakterium Clostridium Botulinum produziert wird. Das Gift führt zu vorübergehenden (reversiblen) Muskelerschlaffungen und Lähmungen. Früher konnte sich das Gift in unzureichend zubereiteten Konserven entwickeln und führte so zu gravierenden Lebensmittelvergiftungen, die zu Lähmungserscheinungen und Tod führten. Heute werden die Eigenschaften dieses Giftes insbesondere therapeutisch (Faltenbehandlung) und medizinisch in der Behandlung von Erkrankungen, welche mit einer Muskelverkrampfung einhergehen (z.B Analfissur, Tennisellbogen, Achalasie etc.) genutzt.

Ursachen und Risikofaktoren

Primäre Achalasie:
Die Ursachen, welche zur Degeneration der Nervenzellen im Plexus myentericus und somit zu Störungen des Schluckvorgangs und in der Folge zu Verdauungsbeschwerden (Peristaltikstörungen) führen, sind unbekannt. Es wird vermutet, dass die Verkümmerung der Nervenzellen durch ein autoimmunes Geschehen oder durch eine Virusinfektion entsteht.

Sekundäre Achalasie:
Bei der sekundären Achalasie handelt es sich um eine Schluckstörung, bei der vorbestehende Prozesse oder Krankheitsbilder (z. B Speiseröhren- oder Magenkrebs) die Speiseröhre einengen und komprimieren und dadurch zu einer Funktionseinschränkung führen.

Das Krankheitsbild

Die Achalasie ist eine sehr seltene Erkrankung. Nur eine von 100 000 Personen erkrankt pro Jahr neu daran. Die Achalasie tritt vorwiegend im Alter zwischen 30 und 60 Jahren auf. Es handelt sich um eine chronisch fortschreitende, nicht heilbare Erkrankung. Es existieren jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten.
Folgende Symptome können auftreten:

  • unangenehme Gefühl beim Schlucken und das Bedürfnis, während und nach dem Essen viel Wasser zu trinken, um die Speisen hinunterzuspülen
  • Wiederhochkommen von Speisen (Regurgitation)
  • Mundgeruch
  • Krampfartige Schmerzen hinter dem Brustbein (Sternum), weshalb häufig zuerst eine koronare Herzkrankheit vermutet wird.
  • Zunehmender Gewichtsverlust

Komplikationen:

  • Durch nächtliches Zurückfliessen von Speiseresten, welche in die Atemwege gelangen, kann sich eine Aspirationspneumonie entwickeln.
  • Mit fortschreitender Erkrankung kommt es zu immer grösserem Gewichtsverlust. Durch den verlängerten Kontakt der Speisen mit der Speiseröhrenschleimhaut kann es zu einer Entzündungsreaktion, einer Ösophagitis kommen. Bei längerem Fortbestehen dieser Entzündung stellt dies einen Risikofaktor für die Entwicklung von Speiseröhrenkrebs dar (bis zu 30fach erhöht).

Wann braucht es den Arzt

Diagnose und Behandlung der Achalasie müssen durch einen Arzt erfolgen. Zu den apparativen Spezialuntersuchungen gehören die Druckmessung in der Speiseröhre durch die sogenannte Manometrie, die Ösophagoskopie, bei der Biopsien der Speiseröhre gemacht werden sowie spezielle Untersuchung, bei denen der Patient mit Kontrastmittel vermengten Brei schluckt (Röntgenkontrastuntersuchungen).

Therapie

Die Achalasie ist nicht heilbar; es existieren jedoch folgende gute Behandlungsmöglichkeiten:

  • Medikamentöse Therapie mit Nifedipin: senkt den Muskeltonus im unteren Ösophagussphinkter und erzielt weniger gute Langzeitresultate als invasive (z.B operative) Methoden. Diese Therapie eignet sich daher eher für Patienten, die sich in einer palliativen Therapie befinden oder Patienten, die andere Therapieoptionen ablehnen.
  • Pneumatische Ballondilatation: Dabei handelt es sich um eine physische Dehnung des Speiseröhrenschliessmuskels (Ösophagussphinkter) mittels Ballonkatheter was zu einer besseren Passage der Nahrung von der Speiseröhre in den Magen führt. Die Therapie hat eine langfristige Erfolgsquote von 60% für eine dauerhafte Beschwerdefreiheit; allenfalls muss die Behandlung mehrmals durchgeführt werden.
    Komplikationen: 1-5% der Behandlungen führen zu einer Perforation der Speiseröhre was eine Notoperation zur Folge hat. 10% der behandelten Patienten leiden nach der Behandlung an Sodbrennen.
  • Operative Therapie: Mittels Laparoskopie kann der untere Speiseröhrenschliessmuskels operiert werden, damit der Nahrungsbrei wieder ungehindert in den Magen passieren kann. Die Erfolgsquote dieser invasiven Therapie liegt bei 90%, d.h. 9 von 10 Patienten sind nach der Behandlung beschwerdefrei. Komplikationen: 10% der Patienten leiden nach der Behandlung an Sodbrennen.
  • Spritzen von Botulinum-Toxin in den Speiseröhrenschliessmuskel: dadurch wird der Muskel teilweise gelähmt, was die Nahrungspassage in den Magen verbessern kann. Die Behandlung muss ca. alle 6 Monate wiederholt werden.

Autoren: Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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