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Analabszess, Perianalabszess

Der Anal- oder Perianalabszess ist eine eitrige Infektion, welche von den Schleimhautdrüsen des Enddarms ausgeht. Er besteht aus einem Eiterherd im Bindegewebe des Beckenbodens. Die griechische Bezeichnung „peri-„ beschreibt die Lage neben der Afteröffnung.

Begriffserklärungen

Anus:

After, Darmausgang. Adjektiv: anal.

Anal:

Adjektiv, den After betreffend.

Abszess:

Eiterherd, der gegen das umliegende Gewebe abgegrenzt ist. Ein solcher Herd entsteht infolge einer Infektion mit eiterbildenden Bakterien und Einschmelzung von Gewebe. Abszesse können sich in jedem Körpergewebe bilden.

Fistel:

Pathologischer (krankhafter) Verbindungsgang zwischen inneren Organen oder von einem inneren Organ (Darm, Blase, Niere) zur Körperoberfläche. Das Wort ist abgeleitet vom lateinischen „fistula“, was Röhre oder Pfeife bedeutet.

Ursache und Risikofaktoren

Die Infektion entsteht, wenn Schleimdrüsen im Enddarm mit Stuhlpartikeln und Sekret verstopft sind, worauf es zur lokalen Vermehrung von Bakterien und zum Einschmelzen von Gewebe kommt. Seltener gelangen Darmbakterien durch kleine Verletzungen der Haut am After ins umgebende Gewebe. Begünstigend sind Hämorrhoiden, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Durchfalltendenz, erhöhte Spannung der Schliessmuskulatur, analerotische Praktiken, eine Schwäche der Infektabwehr etwa bei Diabetes mellitus und AIDS. Im Einzelfall ist der Auslöser oft nicht festzustellen.

Das Krankheitsbild

  • Von aussen sieht man oft nur eine fleckig gerötete und entzündlich geschwollene Hautstelle nahe am Anus.
  • In typischen Fällen ist eine schmerzhafte Verhärtung vorhanden. Der Schmerz ist dumpf, er kann klopfenden Charakter aufweisen und verstärkt sich bei Berührung, beim Stuhlgang und bei Druck, so dass viele Betroffene nicht mehr richtig sitzen können.
  • Kaum jemals entleert sich der Eiterherd spontan nach aussen; dafür liegt er in der Regel zu tief im Gewebe.
  • Allgemeines Krankheitsgefühl, Schüttelfrost und hohes Fieber weisen auf ein fortgeschrittenes Geschehen hin.
  • Auch die akute Thrombose einer Hämorrhoide verursacht starken Schmerz, jedoch unmittelbarer am Darmausgang, und meist fehlen allgemeine Krankheitszeichen.

Komplikationen

  • Besonders unangenehmen ist das Entstehen einer Fistel nach aussen (Analfistel), die sich meist im Anschluss an einen Analabszesses entwickelt.
  • Wenn die Bakterien in die Blutbahn einbrechen, ist eine Sepsis möglich.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Vorbeugend gegen Analerkrankungen wirken:

  • Regelmässige Stuhlentleerung, weicher, voluminöser Stuhl und ausreichend Bewegung wirken mechanischen Faktoren entgegen.
  • Hygiene nach dem Stuhlgang: regelmässiger Gebrauch von feuchten Reinigungstüchlein, Abduschen der Aftergegend. Sitzbäder sind aus hygienischer Sicht weniger günstig als das Abduschen.
  • Behandlung einer Allgemein- oder Darmerkrankung, welche das Entstehen von entzündlichen Analerkrankungen begünstigt.

Wann braucht es den Arzt

Die Behandlung ist dringlich – schon wegen des Schmerzes – und besteht in der operativen Eröffnung des Abszesses in Kurznarkose, worauf der Eiter abfliesst, die Gewebsspannung nachlässt und der Schmerz rasch abklingt. Die Abszesshöhle wird offen gelassen und verschliesst sich allmählich von innen. Dies wirkt dem Entstehen einer Analfistel entgegen, verhindert sie aber nicht in jedem Fall.

Nach Eröffnung eines Abszesses

  • Ausgiebiges Duschen der Analregion zur Wundreinigung nach jedem Stuhlgang, und wo das nicht möglich ist, feuchte Reinigungstüchlein verwenden.
  • Eine Slipeinlage fängt Absonderungen aus dem Operationsgebiet auf.
  • Stuhl weich und voluminös halten. Ballaststoffreiche Ernährung sowie ausreichende Flüssigkeitsaufnahme verhindern Verstopfung und erleichtern die Entleerung.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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