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Analfistel

Die Analfistel ist eine Verbindung zwischen dem Enddarm und der Haut in der Umgebung der Afteröffnung. Es besteht nicht immer nur ein einzelner Fistelgang, und an der Haut können dementsprechend mehrere äussere Öffnungen auftreten. Besonders im Rahmen eines Morbus Crohn entstehen bisweilen verzweigte, fuchsbauartige Gangsysteme.

Begriffserklärungen

Anus:

After, Darmausgang. Adjektiv: anal.

Anal:

Adjektiv, den After betreffend.

Fistel:

Pathologischer (krankhafter) Verbindungsgang zwischen inneren Organen oder von einem inneren Organ (Darm, Blase, Niere) zur Körperoberfläche. Das Wort ist abgeleitet vom lateinischen „fistula“, was Röhre oder Pfeife bedeutet.

Ursachen und Risikofaktoren

Analabszesse führen zu entzündlicher Gewebseinschmelzung und sind die häufigste Ursache. Ausserdem können chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Hämorrhoiden, sexuell übertragbare Krankheiten und Diabetes mellitus das Entstehen von Fisteln begünstigen. Mitunter ist keine ursächliche Grundkrankheit erkennbar.

Das Krankheitsbild

  • In der Nähe der Afteröffnung besteht ein flaches, entzündlich gerötetes Knötchen, das einem „Pickel“ ähnlich sieht und beim Betasten gelegentlich schmerzt. Die Stuhlentleerung ist dagegen kaum schmerzhaft.
  • Aus einer kleinen, oft kaum sichtbaren Öffnung des Knötchens fliesst ständig oder mit nur kurzen Unterbrüchen trübe, schleimige Flüssigkeit, eitriges, übel riechendes Sekret oder Darminhalt nach aussen. Dieses Fistelsekret reizt durch stetiges Nässen die umgebende Haut, so dass ein juckendes Ekzem entsteht.
  • Verklebt die äussere Fistelöffnung, stoppt der Sekretionsfluss vorübergehend, beginnt jedoch irgendwann wieder. Eine spontane und definitive Heilung ist unwahrscheinlich; es ist im Gegenteil mit chronischem Verlauf, mit immer neuer Fistelsekretion und Analabszessen zu rechnen.

Komplikationen

Zum Perianalabszess – auch Analabszess genannt – besteht eine wechselseitige Beziehung. Er entsteht, wenn ein Fistelgang nicht bis zur Haut reicht, sondern irgendwo im Gewebe des Enddarms endet (inkomplette Fistel). Der Analabszess kann also Folge einer Fistel sein, aber auch deren Ursache. Tritt bei bekannter Fistel ein dumpfer oder klopfender Schmerz auf, bestehen Fieber und Krankheitsgefühl, ist ein Abszess wahrscheinlich. Die Haut über dem Abszess ist gerötet und sehr druckschmerzhaft.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Vorbeugend und lindernd wirkt, was sich auch gegen andere Analerkrankungen wie Analfissur und Hämorrhoiden vorkehren lässt.

  • Regelmässige Stuhlentleerung, weicher, voluminöser Stuhl und ausreichend Bewegung wirken mechanischen Faktoren entgegen.
  • Hygiene nach dem Stuhlgang: regelmässiger Gebrauch von feuchten Reinigungstüchlein, Abduschen der Aftergegend. Sitzbäder sind aus hygienischer Sicht weniger günstig als das Abduschen.
  • Behandlung einer Allgemein- oder Darmerkrankung, welche das Entstehen von Analfistel begünstigt.

Wann braucht es den Arzt

Eine Arztkonsultation ist angezeigt bei Fistelbeschwerden wie Entzündung, Schmerz, Juckreiz, hygienischen Problemen. Selbstheilung ist selten.

Als Therapie kommt die operative Fistelspaltung in Frage, die je nach Ausdehnung des Gangsystems ein grösserer Eingriff sein kann und dann nicht ambulant durchführbar ist. Der Fistelgang oder das Fistelsystem wird gespalten oder ausgeschnitten und die Wunde dann offen gelassen, damit das Gewebe von innen nach aussen heilen kann. Reichten Fistelgänge durch den Schliessmuskel des Afters, bleibt nach der Operation bisweilen eine vorübergehende Verschlussschwäche zurück, die sich für einige Tage oder Wochen in Stuhlschmieren auswirkt. Sehr hoch in den Enddarm hinauf reichende Fisteln können das vorübergehende Anlegen eines künstlichen Darmausgangs erfordern.

Eine Operation lässt sich in einfachen Fällen umgehen, wenn es gelingt, einen Faden durch den Fistelgang zu ziehen. Der Faden übt einen Drainageeffekt aus und bewirkt durch seinen mechanischen Reiz eine narbige Schrumpfung. Dadurch verschliesst sich der Fistelkanal in seiner ganzen Länge.

Postoperative Nachsorge

  • Ausgiebiges Duschen der Analregion zur Wundreinigung nach jedem Stuhlgang, und wo das nicht möglich ist, Verwenden feuchter Reinigungstüchlein. Aus hygienischer Sicht ist das Abduschen „sauberer“ als Sitzbäder.
  • Stuhl weich und voluminös halten. ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und eventuell Weichmacher auf Paraffinbasis verhindern Verstopfung und erleichtern die Entleerung.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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