0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
CSS Versicherung
Zur Übersicht
medicine 2.0

Augenverletzungen

Zu unterscheiden sind Verletzungen der Oberfläche durch Fremdkörper, perforierende Wunden (Perforation: Durchbruch) und Schäden an inneren Strukturen des Auges, Prellungen. Leichte, oberflächliche Augenverletzungen und -reizungen sind recht häufig; einige können selbst behandelt werden. Im Zweifelsfall, insbesondere bei allen perforierenden Verletzungen und Verätzungen, ist der Augenarzt unerlässlich.

Ursachen

Augenverletzungen ereignen sich im Haushalt, beim Sport, am Arbeitsplatz. Verletzungsarten und Ursachen sind vielfältig:

  • „Leichtgewichtige“ Fremdkörper, die auf der durchsichtigen Hornhaut oder der Bindehaut haften bleiben. Am häufigsten handelt es sich und Staub- oder Russpartikel, Wimpernhaare oder Mücken.
  • Rasant auftreffende Fremdkörper sind Stein-, Metall- oder Glassplitter (Brille, Windschutzscheibe) und Metallteilchen; sie können in die Hornhaut oder Bindehaut eindringen und hier festsitzen, schlimmstenfalls bis ins Innere des Auges durchbrechen (perforieren).
  • Stumpfe Verletzung, Prellung und Quetschung, zum Beispiel durch einen Ball.
  • UV-, Infrarot-, oder Laserstrahlen. Sie sind in der Lage, eine Entzündung von Hornhaut und Bindehaut hervorzurufen, eventuell sogar eine Schädigung der Netzhaut.
  • Verbrennung, Verätzung durch Säuren, Laugen, Gase oder Dämpfe.
  • Tauchen: Bei Nichtbeachten der Dekompressionszeit beim Auftauchen können im Blut Gasbläschen entstehen, welche die Blutgefässe von Netz- oder Aderhaut verlegen. Im Vordergrund steht bei solchen Unfällen allerdings die Lebensgefährdung.

Symptome

  • Fremdkörper: Wenn etwas ins Auge gerät, stellt sich intensives Fremdkörpergefühl ein, „Kratzen“ und Jucken. Insbesondere bei Kindern kann bereits Staub die Augen stark reizen. Die Lider werden meist krampfartig geschlossen und schwellen an.
  • Prellung und Quetschung des Gesichts erzeugt oft Rissquetschwunden an den Augenbrauen, während das Auge selbst durch den Knochenvorsprung der Stirnbeinkante geschützt bleibt. Gefährlich sind jedoch direkte Treffer, zum Beispiel durch einen Stein, Ball oder Puck. Schwellung und Blut aus Platzwunden können das Auge verschliessen und vorübergehend zu Sehverlust führen. Oft zeigt sich eine ringförmige Hautblung um das Auge („Veilchen“).
    Es besteht aber auch das Risiko von Verletzungen der Horn- oder Netzhaut, der Linse oder Iris sowie die Gefahr einer inneren Blutung und späteren Vernarbung im Glaskörper mit Beeinträchtigung des Sehens.
  • Offene und perforierende Verletzungen können zu Infektion und Sehverlust führen. Die Sehleistung verschlechtert sich unmittelbar, sobald der Fremdkörper den Augapfel verletzt oder perforiert.
  • UV-Bestrahlung: Eine Entzündung von Hornhaut und Bindehaut entsteht, wenn UV-Bestrahlung auf Schneefeldern und Gletschern oder im Solarium ohne Schutzbrille erfolgte. Auch langes Sonnenbaden am Strand kann zur Entzündung führen. Typischerweise treten die Krankheitssymptome erst mit einigen Stunden Verzögerung auf: schmerzende Augen, ausgeprägte Lichtscheu, Tränen, Kopfweh. Die Lider werden krampfhaft zusammengekniffen.
    Vorsicht ist auch im Umgang mit Lasergeräten (Laserpointer) angebracht. Der Lichtstrahl darf nie auf ungeschützte Augen gerichtet werden.
  • Verätzungen und Verbrennungen durch saure oder alkalische Lösungen sind immer ernst zu nehmen. Anfänglich ist oft nicht viel zu sehen, manchmal tränt lediglich das Auge, was jedoch nichts über die Schwere der Verletzung aussagt.

Folgen und Komplikationen

Sie sind möglich nach schwereren Augenverletzungen, auch Verätzungen. Nach Entfernen eines oberflächlichen Fremdkörpers ist nicht damit zu rechnen.

  • Beeinträchtigung des Sehvermögens bis zur Erblindung, Schielen und Doppelbilder bei Behinderung der Augenbeweglichkeit.
  • Glaukom („grüner Star“), Linsentrübung (grauer Star, Katarakt).
  • Netzhautablösung (amotio retinae).
  • Infektion.

Was man selbst tun kann

  • Reiben sollte man vermeiden, dadurch dringt ein Fremdkörper vielleicht tiefer ins Auge.
  • Kleine Staubteilchen oder Insekten lassen sich mehrheitlich selbst entfernen. Dazu wird das Lid an den Wimpern nach oben oder unten gezogen und der Fremdkörper mit einem sauberen, feuchten Tuch in Richtung des inneren Augenwinkels entfernt. Beim Oberlid kann auch genügen, dass man es leicht über das untere zieht, da so die Wimpern des Unterlids den Fremdkörper wegzuwischen vermögen, oder man versucht es mit Wasser.
  • Nach Prellungen wenn nötig einen lockeren Deckverband anlegen, darüber mit Eis kühlen und gegebenenfalls den Arzt aufsuchen.
  • Verätzungen und Verbrennungen sind immer gefährlich. Es soll sofort mit reichlicher Spülung des Auges während mindestens 10 Minuten begonnen werden. Dazu wird das meist fest zugedrückte Auge mit zwei Fingern vorsichtig geöffnet. Leitungswasser ist fürs Erste ausreichend, im Notfall kann auch Milch oder dünner Tee verwendet werden, sogar gesüsster, denn das Entscheidende ist: Spülen. Allfällige Kalkbröckel rund ums Auge muss man wegzuwischen versuchen. Gleichzeitig ist der Arzt oder ein Krankenwagen zu rufen, damit das Spülen bei Bedarf fortgesetzt werden kann.

 

Wann braucht es den Arzt

Die Untersuchung und Behandlung der Augen erfordert spezielle Geräte und Instrumente. Deshalb ist es sinnvoll, sich wo möglich direkt an einen Facharzt zu wenden.

Bei Prellungen, insbesondere offenen Verletzungen, Verätzungen und Verbrennungen ist immer eine notfallmässige Behandlung nötig – und auch dann, wenn nur der Verdacht auf ein solches Ereignis besteht. Die Eintrittspforte bei perforierenden Verletzungen kann sehr klein sein.
Für den Weg zum Arzt werden beide Augen mit einem lockeren Verband abgedeckt, um das Bewegen des Augapfels und damit eine Verschlimmerung zu vermeiden.

Ein Arztbesuch ist ebenfalls angezeigt, wenn sich ein Fremdkörper nicht entfernen lässt, bei anhaltendem Fremdkörpergefühl oder wenn der Reizzustand nicht bald abklingt.

Vorbeugen

  • Arbeitsmedizinische Standards beachten. Schutzbrille tragen wo Funken sprühen oder Splitter fliegen, ebenso beim Arbeiten mit ätzenden Flüssigkeiten.
  • Geeignete Sonnenbrillen bei Aufenthalt an der Sonne, bei Wanderungen im Gebirge und bei Skitouren.
  • Augen- und Gesichtsschutz bei gewissen Sportarten, insbesondere beim Kampfsport: Fechten, Eishockey und Squash.
  • Beim Tauchen mit Druckluftgeräten die Dekompressionszeit einhalten. Bei Nichtbeachten können neben akuter Lebensgefahr Schäden an Gefässen, Netz- oder Aderhaut entstehen.
  • Schreibstifte, Stöcke, Messer und ähnliche Gegenstände mit nach unten gerichteter Spitze tragen.

 

  • Werkzeuge, Messer, und Scheren für Kinder unerreichbar ablegen und nur unter Kontrolle damit arbeiten lassen. Putzmittel und andere aggressiv wirkenden Flüssigkeiten unzugänglich aufbewahren.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.