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Bandscheibenvorfall und Hexenschuss

Fachbegriff: Diskushernie und Ischias-Syndrom

Die Wirbelsäule ist einerseits Ort von lokalisierten Schmerzzuständen („Kreuzweh“ und „Hexenschuss“), andererseits Ausgangspunkt des typischen ins Bein ausstrahlenden „Ischiasschmerzes“. Im Folgenden geht es um eine der vielen möglichen Ursachen von Rückenschmerzen, die Bandscheibendegeneration (Degeneration: Abnutzung) und ihre Folge, den Bandscheibenvorfall (Diskushernie).

Die Bandscheibe als Verbindungsglied zwischen zwei Wirbeln darf in ihrer Funktion nicht isoliert betrachtet werden, denn sie ist nur eine einzelne Komponente aller Bindegewebsstrukturen, die das Gefüge der Wirbelsäule stabilisieren und gleichzeitig beweglich halten. Schäden an einer Bandscheibe spielen sich ab im grösseren Rahmen von pathologischen (krankhaften) Vorgängen auch an Bändern und hinteren Wirbelgelenken.

Bandscheibenschaden

Anatomie

Die Bandscheiben oder Zwischenwirbelscheiben dienen als Puffer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern. Sie bestehen aus faseriger Knorpelsubstanz mit einem weicheren, gallertähnlichen Kern.
Die Funktion der Bandscheiben besteht im Abfedern von Stössen und – zusammen mit den Bändern, Muskeln und Wirbelgelenken – im Gewährleisten der Wirbelsäulenbeweglichkeit (beugen, strecken, seitwärts neigen, drehen).

Ursachen des Schmerzes

  • Abnützung oder entzündliche Vorgänge in den Verbindungsstrukturen der Wirbelknochen betreffen die Bandscheiben, die Längsbänder und hinteren Wirbelgelenke. Erschlaffen die Längsbänder, lockert sich das Gefüge der Wirbelsäule. Es kommt zur Verschiebung zwischen einzelnen Wirbeln und zur Überlastung der hinteren Wirbelgelenke, die sich im Sinne einer Arthrose (Spondylarthrose) vermehrt abnutzen. Es besteht eine erhöhte Verletzlichkeit der Wirbelsäule, und ein akuter Schmerzschub kann unmittelbar ausgelöst (oder „getriggert“) werden durch Einwirkung von Nässe, Kälte oder körperliche Belastung (Heben von schweren Gegenständen, ruckartige Bewegungen).
    Dieser Schmerz bleibt mehr oder weniger beschränkt auf den Ort des pathologischen Vorgangs.
  • Verschleisserscheinungen an den Bandscheiben führen zu deren Verschmälerung, zum Verlust an Elastizität und Zusammenhalt. Bandscheibenteile können dann in den Rückenmarkskanal rutschen (Diskushernie, Bandscheibenvorfall) und Nerven zusammenpressen (komprimieren), die aus dem Rückenmark austreten (Abbildung). Als Folge der Kompression entstehen charakteristische, ausstrahlende Schmerzen. Ziehen sie ins Bein hinunter, spricht man von Ischiasschmerz oder Ischiassyndrom.
    Selten ereignet sich ein „Massenvorfall“ von grossen Teilen der Bandscheibe, die dann nicht nur einen einzelnen Nerv, sondern das Rückenmark quetschen. Akute Symptome einer Querschnittläsion sind die Folge.

 

Das Krankheitsbild

Die Symptome hängen ab vom Schweregrad der degenerativen Veränderungen und von deren Ort an der Wirbelsäule.

Hexenschuss

Hexenschuss (akute Lumbalgie) sowie chronische Schmerzen in der Kreuzgegend (Kreuzweh) sind Hinweise auf eine Bandscheibendegeneration. Manchmal besteht Morgensteife, die sich nach dem Aufstehen allmählich lockert.
Nicht nur Folge, sondern auch Verstärker des Schmerzes ist eine reflektorische Verspannung („Blockierung“) der Muskulatur. Durch Krümmen des Rückens und Schonhaltung versuchen Betroffene, erträglich über die Runden zu kommen.

Ischiassyndrom

Bei der Kompression von Nervenwurzeln durch eine Diskushernie entstehen Symptome, die ins Bein (seltener beide Beine) oder in den Beckenboden ausstrahlen. Bei diesen „Kompressionssymptomen“ handelt es sich um:

  • Schmerzen, die aus der Gesässgegend ins Bein hinunter ziehen („Ischias“).
  • Streifenförmige Sensibilitätsstörungen (Taubheitsgefühl).
  • Motorische Schwäche (Teillähmung).

Einem Ischiassyndrom sind meist schon mehrere Attacken von Hexenschuss voraus gegangen. Der Arzt kann mit dem Reflexhammer den Ausfall bestimmter Muskelreflexe feststellen. Es bestehen – abhängig vom Niveau (Höhe) der Nervenkompression – typische Symptome. So kann es unmöglich sein, die Zehen oder die Fussspitze aktiv zu heben. Hält die Kompression längere Zeit an, tritt im Versorgungsbereich des gelähmten Nervs ein Muskelschwund (Atrophie) auf. Besonders deutlich erkennbar ist eine Muskelatrophie am Oberschenkel. Eine Störung der Oberflächensensibilität (Taubheitsgefühl) weist abhängig vom komprimierten Nerv unterschiedliche, streifenförmige Areale auf, die am Bein hinunterziehen.

Massenvorfall der Bandscheibe in den Rückenmarkskanal

Ein Massenvorfall grosser Bandscheibenanteile in den Rückenmarkskanal komprimiert nicht nur einzelne Nerven, sondern quetscht das Rückenmark und kann im schlimmsten Fall zur Querschnittläsion führen.
Ein solches Ereignis im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule lähmt die Muskulatur des Beckenbodens teilweise oder vollständig, so dass eine Verschlussschwäche von Blase und Enddarm resultiert (Urin-, Stuhlinkontinenz).

Verlauf und Prognose

Ischiasschmerz kann von selbst oder durch Therapie wieder abklingen. Sogar vorgefallene Bandscheibenteile haben die Chance, wieder an ihren richtigen Ort zurückzuschlüpfen und den eingeklemmten Nerv freizugeben, so dass der Schmerz bisweilen schlagartig nachlässt. Die Haltungsanomalien des Rückens gleichen sich dann meist wieder aus. Gymnastik unterstützt den Heilungsvorgang. Bleibende Sensibilitätsausfälle oder Teillähmungen sind umso wahrscheinlicher, je länger die Kompression anhielt. Rückfälle von Hexenschuss oder Ischiassyndrom sind immer möglich.

Spontane Heilung kann nicht erwartet werden, wenn Zeichen einer Querschnittlähmung oder einer Lähmung im Beckenboden auftreten. Hier muss sofort eine operative Entlastung des zusammengequetschten Rückenmarks erfolgen.

Akut auftretende Querschnittslähmung oder Funktionsstörungen von Blase und Mastdarm, verbunden mit Rückenweh, sind operative Notfälle. Das komprimierte Rückenmark muss rasch entlastet werden, damit nicht ein Dauerschaden entsteht.

Was man selbst tun kann

In der Regel wird Wärme angenehmer empfunden als Kälte. Gegen Muskelverspannungen helfen Gymnastik, Sauna, Schwimmen und Massage. Die Rückenschule vermittelt Techniken für rückenschonendes Heben und Tragen von Lasten und Gymnastik für Rücken, Bauch und Brust, trainiert diejenigen Muskeln, die den Rumpf aufrecht halten und die Beweglichkeit erhalten.

  • Grundsätzlich gilt: ein äusserlich angewandtes Verfahren muss als wohltuend empfunden werden, ob es sich um Wärme- oder Kälteapplikation, Massage oder gymnastische Übungen handelt. Verstärkung des Schmerzes während einer Therapie ist keineswegs positiv zu bewerten.
  • Ein weiterer Grundsatz lautet, dass Therapieanwendungen bald zu einer spürbaren Besserung führen müssen, andernfalls handelt es sich nicht um die richtige Methode.
  • Beim Bücken, Sitzen und Heben von Lasten sind die Zwischenwirbelscheiben einem hohen Druck ausgesetzt, sie brauchen demzufolge regelmässige Entlastung. Die Wirbelsäule lässt sich entlasten, indem man sich flach hinlegt und die Beine so auf eine Kiste oder einen Stuhl legt, dass sich sowohl in der Hüfte als auch in den Kniegelenken ein Winkel von 90 Grad ergibt.
  • Siehe auch Rückenschmerzen.

Hausmittel

Mit Johannisöl einreiben und massieren, oder ein Tuch mit Johannisöl tränken, auf die schmerzende Stelle legen, gut warm halten; Heublumenbäder nehmen oder Fangopackungen machen.

Wann braucht es den Arzt

In folgenden Fällen ist eine ärztliche Abklärung ist nötig:

  • Wenn starke Rückenschmerzen erstmals auftreten.
  • Wenn sich der Charakter der Beschwerden ändert, denn den Rückenschmerzen können ausser einem Bandscheibenschaden viele weitere Ursachen zu Grunde liegen, so eine Osteoporose, eine akut entzündliche Erkrankung eines Wirbels, eine Nervenentzündung, ein Tumor.
  • Wenn Zeichen einer Nervenkompression wie Gefühlsstörungen in den Beinen und Muskelschwäche auftreten. Unbehandelt könnte ein Bandscheibenvorfall zur Teillähmung in einer Extremität führen.
  • Urin- oder Stuhlinkontinenz im Zusammenhang mit akuten Rückenschmerzen müssen notfallmässig abgeklärt werden. Sie können auf eine weit unten im Rückenmark liegende Kompression hinweisen, die bisweilen einen bleibenden Schaden zurücklässt.

Die Diagnose erfordert eine neurologische Untersuchung, Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT). Wenn konservative Therapieversuche keine Besserung brachten, steht heute eine Vielzahl operativer Methoden zur Verfügung, die sich bei Rückschmerzen unterschiedlicher Ursachen einsetzen lassen.

Vorbeugen

  • Eine trainierte Rückenmuskulatur stabilisiert das Gefüge der Wirbelsäule. Gymnastik und Schwimmen halten die Beweglichkeit aufrecht; geeignet ist auch zügiges Gehen (mindestens 30 Minuten täglich).
  • Korrektes Heben von Lasten reduziert die mechanische Beanspruchung der Bandscheiben und verlangsamt deren Verschleiss. Den Rücken beim Anheben gerade halten, den ganzen Körper und die Beine bewegen, nicht aber die Wirbelsäule krümmen und verdrehen (Abbildung).
Rückenhaltung
  • Bei stundenlanger Arbeit am Bildschirm: neutrale Sitzposition mit um 90 Grad abgewinkelten Ellenbogen und Knien (Abbildung). Die stetig gleiche Belastung auf dem Bürostuhl ist ein Stressfaktor für die Bandscheiben, daher sollten ausreichend Pausen mit genügend Bewegung gemacht werden.
  • Übergewicht vermeiden oder reduzieren.
  • Harte oder weichere Matratze: Was für die eigene Wirbelsäule günstiger ist, sollte selbst während mehrerer Nächte erprobt werden.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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