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Bauchspeicheldrüsenentzündung

Fachbegriff: Pankreatitis

Charakteristisch sind Schmerzen im Oberbauch, Verdauungsstörungen und Symptome einer Zuckerkrankheit. Sowohl die akute als auch die chronische Entzündung sind in schweren Fällen lebensbedrohlich. Hauptursachen sind Gallensteine und Alkoholmissbrauch.

Anatomie und Physiologie

Die Bauchspeicheldrüse liegt in der Tiefe des Oberbauchs, hinter dem Magen und Dickdarm. Ihre Funktion besteht in der Produktion von Verdauungsenzymen, Insulin und weiteren stoffwechselaktiven Substanzen. Verdauungsenzyme gelangen direkt in den Darm; sie sind an der Aufnahme von Nährstoffen beteiligt. Das Hormon Insulin, das in die Blutbahn abgegeben wird, ist insbesondere für den Zuckerstoffwechsel unerlässlich.

Begriffserklärungen

Das Pankreas:

die Bauchspeicheldrüse.

Zyste:

Zysten sind durch eine Zellmembran abgegrenzte, sackartige Gebilde. Der Inhalt des Hohlraums ist flüssig.

Pseudozyste:

Kammern mit zerfallenem, abgestorbenem Gewebe im Körperinnern, unscharf abgegrenzt von vital gebliebenen Organteilen und Bindegewebe.

Fistel:

Pathologischer (krankhafter) Verbindungsgang zwischen inneren Organen oder von einem inneren Organ (Darm, Blase, Niere) zur Körperoberfläche. Das Wort ist abgeleitet vom lateinischen „fistula“, was Röhre oder Pfeife bedeutet.

Nahrungskarenz:

befristeter Verzicht auf die Einnahme von Nahrung.

Ursachen

  • Akute Pankreatitis: Gallensteine, die den Hauptgallengang verlegen, und Alkoholexzesse sind die Hauptursachen.
  • Chronische Pankreatitis: Überwiegend ist wiederholter Alkoholmissbrauch der Grund. Es gibt indessen auch Menschen, die empfindlich reagieren, und bei denen bereits der regelmässige Konsum verhältnismässig kleiner Mengen Alkohol eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung auslöst.
  • Seltene Ursachen sind Infektionskrankheiten, Autoimmunprozesse, erbliche Faktoren, Fehlbildungen im Pankreas, zystische Fibrose, Operationsfolgen und Bauchverletzungen (Pankreastrauma), Stoffwechselstörungen und Nebenwirkungen von Medikamenten. Daneben werden Blutzirkulationsstörungen diskutiert.
  • In 10 bis 20% der Fälle bleibt die Ursache unklar.

Das Krankheitsbild

Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, akute Pankreatitis

Die wichtigsten Symptome sind starke Schmerzen im Oberbauch, oft gürtelförmig und in den Rücken ausstrahlend. Dazu kommen Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Fieber, bisweilen ein unnatürlich gerötetes Gesicht. In der unmittelbaren Vorgeschichte wird nicht selten ein Trinkexzess angegeben (Pankreatitis nach einem „feuchten Abend“).
Bei einer durch Gallensteine ausgelösten Entzündung beobachtet man häufig eine leichte Gelbfärbung der Haut und bräunliche Verfärbung des Urins, die Stuhlfarbe ist ungewöhnlich hell. Der Pankreatitis geht dann oft eine Gallenblasenentzündung oder Gallensteinkolik voraus, deren Symptome sich nicht klar von Pankreasschmerzen abgrenzen lassen.
Unterschieden wird eine milde (ca. 80% der Fälle) von einer schweren Form.

  • Milde akute Pankreatitis: Das Pankreasgewebe erholt sich wieder vollständig.
  • Schwere akute Pankreatitis: Es sammeln sich im Pankreas erzeugte Verdauungsfermente an, so dass das Organ gewissermassen „sich selbst verdaut“. Die Folge ist ein Absterben grösserer oder kleinerer Gewebspartien (Nekrosen) mit Verflüssigungsherden in der Bauchspeicheldrüse und in ihrer Umgebung. Es können Pseudozysten oder Fisteln entstehen, gelegentlich bildet sich ein eitriger Pankreasabszess. Benachbarte Organe werden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Nach überstandener Krankheit verbleibt eine lebenslange Funktionseinschränkung der Bauchspeicheldrüse.
    Das Absterben der ganzen Bauchspeicheldrüse führt zum Multiorganversagen mit Kreislauf-, Lungen-, Leber- und Nierenversagen, eventuell Sepsis und endet meist tödlich.

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, chronische Pankreatitis

Eine chronische Entzündung führt zum allmählichen Umbau von Drüsengewebe in funktionsunfähiges Narbengewebe (Fibrose). Wegen der reduzierten Produktion von Verdauungsenzymen, Insulin und anderen Hormonen kommt es zu Mangelernährung durch ungenügende Verdauung, zu Muskelschwund, Schwäche und Gewichtsverlust sowie zu Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Die Symptome sind anfangs meist nicht dramatisch. Es bestehen unbestimmte Missempfindungen im Oberbauch, Fettunverträglichkeit, Blähungen, Völlegefühl, Durchfall. Die Situation spitzt sich allerdings zu, wenn Schübe und Symptome einer akuten Pankreatitis auftreten – wie nach Alkoholexzess. Mit fortschreitender Krankheit kommt es zu heftigen Oberbauchschmerzen, die andauern können und vielfach in den Rücken ausstrahlen. Schwillt das Pankreasgewebe aufgrund der Entzündung an, ist eine Gelbsucht möglich.

Komplikationen

  • Mit zerfallenem Gewebe gefüllte Kammern (Pseudozysten) und Abszesse können sich als Folge akuter wie chronischer Pankreatitis bilden.
  • Mögliche Spätfolge nach längerem chronischem Verlauf ist ein Pankreaskarzinom.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Akute Pankreatitis: War Alkohol die Ursache, muss der Konsum künftig rigoros eingeschränkt werden; schon kleinere Mengen können eine neue Entzündung auslösen.
  • Chronische Pankreatitis: Die chronische Form erfordert eine Ernährungsumstellung und insbesondere den Verzicht auf Alkohol.

Wann braucht es den Arzt

Die Ursache von akutem starkem Oberbauchschmerz muss der Arzt abklären. Die Untersuchung des tief im Oberbauch gelegenen Pankreas erfordert apparative Methoden: Labortests (Blut, Stuhl, Urin) und bildgebende Verfahren, welche die Bauchspeicheldrüse darzustellen vermögen. Mit einer speziellen Art der Endoskopie (Spiegelung, ERCP) lässt sich das Gallen- und Pankreasgangsystems untersuchen und gegebenenfalls wieder durchgängig machen.
Grundlagen der Therapie sind:

Die akute Pankreatitis

Sie benötigt einen Spitalaufenthalt, weil sich nicht sicher voraussagen lässt, ob der Verlauf mild oder schwer sein wird.

  • Vorübergehendes Nahrungs- und Trinkverbot zum „Ruhigstellen“ der Bauchspeicheldrüse, Infusionen; meist erholt sich das Pankreas mit diesen Massnahmen.
  • Waren Gallensteine die Ursache, entfernt man die Gallenblase und allfällige Gallengangssteine.
  • Schwerer akuter Verlauf: Überwachung auf der Intensivstation. Abgestorbene Teile der Bauchspeicheldrüse werden operativ entfernt, Zysten und Abszesse punktiert oder eröffnet und in den Darm oder vor die Bauchdecken abgeleitet. In Abständen weniger Tage können mehrere Operationen nötig werden.
  • Antibiotika gegen septische Komplikationen.

Chronische Pankreatitis

  • Ersatz von eingeschränkten oder verlorenen Funktionen durch Zufuhr von Verdauungsenzymen und Vitaminen.
  • Wenn nötig Diabetesbehandlung, Insulin.
  • Verzicht auf Alkohol; fettarme, eiweissreiche Diät.
  • Schmerzmittel.
  • Eine Operation kann nötig werden zum Beheben schwerster Schmerzen oder einer Einengung des Zwölffingerdarms, zum Entfernen von geschädigtem Pankreasgewebe oder zum Entleeren und Drainieren grosser Zysten und bei Verdacht auf Krebs.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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