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Bauchspeicheldrüsenkrebs

Fachbegriff: Pankreaskarzinom

Es handelt sich um eine gefährliche Krebserkrankung des Verdauungstrakts. Betroffen sind überwiegend Menschen zwischen dem 6. und 8. Lebensjahrzehnt, Männer doppelt so oft wie Frauen. Jährlich erkranken in der Schweiz etwa 1100 Personen an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Durch die enge anatomische Nachbarschaft mit den ableitenden Gallenwegen macht sich der Pankreaskrebs vielfach als Störung des Galleabflusses bemerkbar. Der Tumor entwickelt sich lange im Verborgenen, und wenn Symptome auftreten, hat er in vielen Fällen schon ein fortgeschrittenes Stadium erreicht. Deshalb gilt das Pankreaskarzinom als sehr bösartig. 5% aller Krebstodesfälle sind dem Pankreaskarzinom anzulasten.

Anatomie und Physiologie

Die Bauchspeicheldrüse liegt in der Tiefe des Oberbauchs, hinter dem Magen und Dickdarm. Ihre Funktion besteht in der Produktion von Verdauungsenzymen, Insulin und weiteren stoffwechselaktiven Substanzen. Verdauungsenzyme gelangen direkt in den Darm; sie sind an der Aufnahme von Nährstoffen beteiligt. Das Hormon Insulin, das in die Blutbahn abgegeben wird, ist insbesondre für den Zuckerstoffwechsel unerlässlich.

Begrifferklärungen

Das Pankreas:

die Bauchspeicheldrüse.

Tumor:

Gut- oder bösartige Geschwulst, Gewebsneubildung.

Karzinom:

bösartige Geschwulst.

Punktion:

Einstich zur Entnahme von Flüssigkeiten oder Gewebe zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken. Verb: punktieren.

Feinnadelpunktion:

Punktion von Organen zur Entnahme von Gewebsproben.

Endoskopie:

Verfahren zur Untersuchung von Körperhöhlen und Hohlorganen, wobei allenfalls auch eine Behandlung durchgeführt werden kann. Ein bekanntes Beispiel ist die Magenspiegelung. Adjektiv: endoskopisch.

Fernmetastase:

Krebsableger in Organen, die entfernt vom Primärtumor (Ursprungstumor) liegen. Beispiel: Primärtumor im Pankreas, Metastasen in der Lunge.

Ursachen

Die Ursachen sind in ihren Einzelheiten nicht bekannt. Als Risikofaktoren gelten:

Das Krankheitsbild

Das Pankreaskarzinom ruft zu Beginn wenig oder keine Symptome hervor. Macht es sich bemerkbar, ist es leider meist schon fortgeschritten.

Gelbsucht, Schmerz, schlechte Verdauung, Abmagerung, Passagestörungen im Zwölffingerdarm und Diabetes mellitus sind mögliche Leitsymptome. Auffällig oft leiden die Kranken an begleitenden Venenthrombosen. Das Überwiegen des einen oder anderen Symptoms hängt von der Lage des Karzinoms innerhalb der Bauchspeicheldrüse ab.

  • Gelbsucht und Juckreiz: Der Bauchspeicheldrüsenkrebs verlegt die ableitenden Gallenwege schleichend, was in jedem Stadium der Krankheit geschehen kann. Eines Tages bemerkt der Erkrankte, dass Haut und Augen gelb geworden sind. In dieser Phase lässt sich bisweilen die überfüllte Gallenblase rechts im Bauch als pralles kugelförmiges Gebilde tasten. Ausserdem fällt auf, dass der Stuhlgang hell ist, der Urin aber dunkel. Ein lästiger Juckreiz geht der Gelbsucht oft längere Zeit voraus.
  • Schmerz: Der Schmerz wird in der Tiefe als wühlend und brennend empfunden, er ist auch nachts spürbar und strahlt oft rechts oder links in den Rücken aus. Da er durch das Einwachsen von Krebszellen in vegetative Nervengeflechte entsteht, ist er ein Zeichen fortgeschrittener Erkrankung, auch wenn er ein erstes Symptom darstellt und noch vor der als typisch geltenden Gelbsucht auftritt.
  • Gestörte Verdauung: Folge der Blockierung von Gallen- und Pankreasgängen sind funktionelle Ausfälle im Verdauungsprozess. Der Mangel an Galle im Dünndarm verschlechtert die Fettverdauung; der Mangel an Pankreasfermenten wirkt sich negativ auf Eiweiss-, Fett- und Kohlehydratabbau aus. Der Stuhl ist deshalb hell und übel riechend.
  • Zuckerkrankheit: Die Zerstörung der Inselzellen durch den Tumor erzeugt Diabetes mellitus meist leichteren Grades.
  • Passagestörung im Zwölffingerdarm: Sie ist ein Spätsymptom und entsteht durch Einwachsen des Tumors in den Darm. Der Magen entleert sich nicht mehr und wird überfüllt. Es kommt zu Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen und in der Folge zu extremer Abmagerung.
  • Allgemeine Tumorsymptome: Schmerz, Appetit- und Gewichtsverlust dominieren im fortgeschrittenen Stadium. Weitere allgemeine Tumorsymptome sind Kräfteverlust, Blutarmut, Müdigkeit, seltener Fieber und Nachtschweiss.

Komplikationen

Akute Pankreatitis und Thrombophlebitis können auch Frühsymptome sein, Verengung oder Verschluss des Magenausgangs, Magendarm-Blutung.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Da die Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) ein bekannter Risikofaktor ist, sollte übermässiger Alkoholkonsum vermieden werden. Entsprechendes gilt für das Rauchen. Bei familiärer Belastung mit dem Bauchspeicheldrüsenkrebs empfehlen sich regelmässige Vorsorgeuntersuchungen.

Wann braucht es den Arzt

Die Abklärung der oben angeführten Symptome erfordert in jedem Fall den Arzt.
Besonders zu beachten ist das Symptom einer schmerzlos auftretenden und sich verstärkenden Gelbsucht, bei älteren Menschen auch ein unerklärlicher Appetit- und insbesondere ein Gewichtsverlust.

Diagnose

Wegen der verborgenen Lage des Organs nehmen apparative Untersuchungen einen breiten Raum ein, so der Ultraschall, allenfalls vom Darminneren her (Endosonographie), Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), die endoskopische Darstellung von Gallen- und Pankreasgang mit Kontrastmittel (ERCP), Spiegelung des Zwölffingerdarms mit Gewebsentnahme, Feinnadelpunktion.

Therapie

Eine Heilung ist nur durch Operation im Frühstadium möglich, solange sich kein Einwachsen des Tumors in Nachbarorgane und keine Metastasen, insbesondere keine Fernmetastasen nachweisen lassen. Dies trifft jedoch nur für 15 bis 20 % der betroffenen Menschen zu. Pankreasenzyme und Insulin müssen danach von aussen zugeführt werden. Gelegentlich schliesst sich an die Tumorentfernung eine Chemotherapie an.

In fortgeschrittenen Stadien wird durch eine palliative Therapie versucht die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten und Leiden zu lindern. Es stehen in erster Linie Chemotherapeutika zur Verfügung, zur Linderung von gewissen Symptomen auch die Strahlentherapie sowie begrenzte operative Verfahren.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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