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Blasenkrebs

Fachbegriff: Blasenkarzinom

Blasenkrebs macht nur rund 3% aller bösartigen Tumore aus, ist aber das häufigste Karzinom der ableitenden Harnwege. Das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei 65 bis 70 Jahren. Männer erkranken doppelt bis dreimal so oft wie Frauen.
Der Tumor entsteht an der Innenauskleidung der Harnblase, wächst ins Innere und durch die Wand des Organs bis auf dessen Aussenseite. Von da aus kann er direkt die Organe des Beckens infiltrieren. Allerdings sind nicht alle Krebserkrankungen der Harnblase gleichermassen bösartig, und die Heilungsaussicht ist daher nicht nur abhängig von der Früherkennung, sondern auch vom biologischen Verhalten und vom Gewebstyp des Karzinoms.
Metastasen in lokalen Lymphknoten sind möglich, Fernmetastasen meist in Leber, bisweilen in Lunge, Hirn und Knochen.

Begriffserklärungen

Karzinom:

bösartige Geschwulst.

Metastase:

Tochtergeschwulst oder Krebsableger. Durch immunologische Vorgänge werden die meisten im Körper verschleppten Krebszellen zerstört. Wenn die Immunabwehr sie jedoch nicht identifiziert, wächst am Ort der „Niederlassung“ eine Metastase heran.

Infiltration:

bezeichnet in diesem Zusammenhang das Eindringen von Krebszellen in umliegendes Gewebe oder in benachbarte Organe. Verb: infiltrieren.

Rezidiv:

Rückfall, wiederholte Erkrankung: Adjektiv: rezidivierend.

Immunsuppression:

Unterdrückung der körpereigenen Abwehrreaktionen, die körpereigene Abwehr wird eingedämmt. Davon abgeleitet: immunsuppressiv, immunsupprimierend. Entsprechende Medikamente heissen Immunsuppressiva.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen sind im Einzelnen nicht bekannt. Als Risikofaktoren gelten oder sind möglich:

  • Bestimmte chemische Substanzen, die mit dem Urin ausgeschieden werden und dadurch in Kontakt mit der Blasenwand geraten. Es handelt sich meist um Komponenten des Rauchtabaks oder um berufliche Schadstoffe wie aromatische Kohlenwasserstoffe und aromatische Amine (Teer, Nitrosamine, Azofarbstoffe, Benzidin, Naphthalin und weitere), daneben um Phenacetin (früher Bestandteil von Schmerzmitteln) und andere.
  • Bilharziose (Schistosomiasis), eine tropische Wurmkrankheit der Blase.
  • Immunsuppression und Strahlentherapie: Sie erhöhen allgemein das Risiko für das Entstehen von Tumoren.
  • Papillomaviren: Diese Viren sind nicht nur ursächlich für das Auftreten von Gebärmutterhalskarzinomen, sondern es scheint naheliegend, dass auch ein Zusammenhang mit dem gehäuften Vorkommen von Blasenkrebs besteht. Bewiesen wurde diese Vermutung bisher jedoch nicht.
  • Chronische Zystitis als Folge von Blasensteinen oder anderen Fremdkörpern in der Blase fördert möglicherweise das Auftreten eines Karzinoms. Entsprechendes gilt für Substanzen, die von manchen Bakterien freigesetzt werden.

Das Krankheitsbild

  • Blut im Urin: Ein Verdachtsmoment bildet die schmerzlose Blasenblutung mit Ausscheiden von Blutfetzen oder von rötlichem bis bräunlichem Urin.
  • Erschwertes Wasserlösen, gelegentlich verbunden mit Schmerzen.
  • Anämie (Blutarmut): Geschwüriges Aufbrechen und oberflächlicher Tumorzerfall bewirken wiederholte, stärkere oder schwächere Blutungen, die eine Anämie zur Folge haben können.
  • Häufiges Wasserlösen, kleine Urinportionen: Grössere Geschwülste verkleinern das Blasenvolumen, so dass immer häufiger kleine Urinportionen entleert werden müssen (Pollakisurie) und bisweilen Urininkontinenz auftritt. Häufiges Wasserlösen kleiner Urinmengen ist auch Symptom einer Zystitis (Blasenentzündung). Eine nicht heilende Blasenentzündung ist gelegentlich Folge von Blasenkrebs.
  • Schmerz und Blasenkrämpfe können ein Zeichen dafür sein, dass der Tumor die Wand des Organs durchwächst, eventuell schon den Beckenraum infiltriert. Schmerz kann dann auch im Rücken oder in der Nierengegend verspürt werden.
  • Viele dieser Symptome sind auch typisch für eine Blasenentzündung, weshalb eine solche besonders im höheren Lebensalter sorgfältig abgeklärt werden muss.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Als Ergänzung zur ärztlichen Behandlung: Bei Blasenkrämpfen warme Wickel auf dem Unterbauch anlegen.

Zum Vorbeugen kann einzig empfohlen werden, auf Risikofaktoren zu achten und sie soweit möglich zu meiden. In erster Linie heisst dies: nicht rauchen.

Wann braucht es den Arzt

Jede Blasenblutung muss ärztlich abgeklärt werden. Bis zum Beweis des Gegenteils besteht in der zweiten Lebenshälfte Karzinomverdacht. Doch kann blutiger Urin auch harmlose Ursachen haben.

Untersuchung

Das Kernstück ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie), bei der Gewebsproben zur Untersuchung entnommen werden. Bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) dienen dem Nachweis, ob der Tumor die Blasenwand infiltriert und Nachbarorgane (Lymphknoten, Darm, innere Geschlechtsorgane) ergriffen hat, oder ob Fernmetastasen (in der Leber oder in der Lunge) bestehen.

Behandlung

Die Behandlung ist operativ. Kleine und auf die „Innentapete“ der Blase beschränkte Karzinome – das sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung über die Hälfte – lassen sich meist zystoskopisch, also anlässlich einer Blasenspiegelung, entfernen. Die Blase bleibt dabei erhalten.
Die Blasenwand durchwachsende Tumore erfordern eine radikale Entfernung, was auf laparoskopischem Weg (Bauchhöhlenspiegelung) oder von einem Bauchschnitt aus geschieht. Die Blase wird teilweise oder ganz herausgenommen (Zystektomie), in fortgeschrittenen Fällen einschliesslich Prostata und Samenblasen. Als Ersatz bildet der Operateur aus einem Stück Dünndarm (gelegentlich aus Dickdarm) ein Harnreservoir, das zur Körperoberfläche abgeleitet wird (Conduit oder Pouch). Manchmal lässt sich eine „Ersatzblase“ (Neoblase) bilden und an die Harnröhre anschliessen, womit das Ableiten von Urin an die Körperoberfläche vermieden werden kann.

Radio- oder Chemotherapie nach der Operation soll eventuell zurückgebliebene Geschwulstreste zerstören und Rezidiven (Wiederauftreten des Tumors) vorbeugen.

Das erneute Auftreten eines Blasenkarzinoms ist besonders nach zystoskopischer Operation mit Erhaltung der Blase häufig. Damit ein Rezidiv rechtzeitig erkannt wird, sind regelmässige Kontrollen und gegebenenfalls Nachoperationen unerlässlich.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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