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Lidrandentzündung

Fachbegriff: Blepharitis

Die Blepharitis ist eine entzündliche Erkrankung der Lidränder der Augen. Es kann sich dabei um eine akute, meist bakterielle Entzündung oder um eine chronische Entzündung, welche auf eine Funktionsstörung der Lidrand Drüsen zurückzuführen ist, handeln. Eine Blepharitis kann auch in ein Gerstenkorn (Hordeolum) übergehen oder zusammen mit einer Bindehautentzündung auftreten.

Die betroffenen Personen leiden an brennenden, juckenden, geröteten Augen und Lidränder. Morgens sind die Augenlider zudem oft verklebt.

Akute Infektionen, die häufig durch Staphylokokken ausgelöst werden, heilen mit der richtigen Behandlung meist innerhalb von wenigen Tagen folgenlos aus. In seltenen Fällen kann es zu einer Chronifizierung kommen.

Chronische Lidrandentzündungen bedürfen einer intensiven täglichen Lidrandhygiene, welche routinemässig zur täglichen Körperpflege gehören sollte.

Begriffserklärungen

Genetische Prädisposition:

Dabei handelt es sich um eine erblich bedingt erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass sich eine bestimmte Krankheit entwickeln wird.

Streptokokken:

Es sind grampositive Bakterien, welche keine Sporen bilden. Streptokokken zählen zur normalen Bakterienflora in verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers, ohne dass es beim gesunden Menschen zu Krankheitssymptomen kommt. Manchmal verursachen sie jedoch verschiedene Krankheitsbilder wie: Nasennebenhöhlenentzündung, Sinusitis, Mittelohrentzündung, Mandelentzündung, Scharlach, Lungenentzündung, Eiterflechte (Impetigo), Phlegmone (eitrige Bindegewebsentzündungen), Herzentzündung (Endokarditis) und Hirnhautentzündung (Meningitis).Weitere Erkrankungen durch Streptokokken können Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen, Kindbettfieber, das Toxische Schock Syndrom (TSS) sowie eine Blutvergiftung (Sepsis) sein.

Staphylokokken:

Dies sind nicht sporenbildende grampositive Bakterien. Sie besiedeln als Bestandteil der normalen Bakterienflora die Haut und die Schleimhaut von Menschen und kommen auch in der Umwelt (Gewässer, Luft, Lebensmittel) vor. Die Staphylokokken gelten als Verursacher von: Abszessen, Furunkeln, Wundinfektionen sowie Entzündungen von Nasennebenhöhlen, Lungen, Mittelohr oder Knochen (Osteomyelitis). Eine generalisierte Ausbreitung im Blut führt zu einer Sepsis. Staphylokokken sind die häufigste Ursache für eine Lebensmittelvergiftung und werden auch für das TSS (toxic shock syndrom) verantwortlich gemacht.

Meibom-Drüsen:

Diese Drüsen befinden sich an den Lidrändern am Übergang von der Haut zur Schleimhaut. Die Meibom-Drüse bildet die Ölschicht des Tränenfilms und hat dadurch eine wichtige Schutzfunktion. Die Verdunstung der Flüssigkeit wird durch das Öl reduziert, es dient als Gleitmittel für die Lider beim Lidschlag und bildet  ein Schutzschild gegen eindringende Bakterien.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Blepharitis kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten handelt es sich um eine akute bakterielle Infektion mit Staphylokokken, welche zu der normalen Hautflora des Menschen gehören. Eine solche Infektion kann auch chronisch werden.

Umstände wie ein geschwächtes Immunsystem, ein vorbestehender Diabetes mellitus u.a, können eine Infektion mit diesen Bakterien begünstigen.

Die chronischen Lidrandentzündungen entstehen oft aufgrund einer Fehlfunktion der Drüsen (Meibom-Drüsen), welche sich am Lidrand befinden und meistens zu wenig Talg (Öl) produzieren.
Dies führt zu einer Insuffizienz des schützenden Tränenfilms, weil dieser zu wenig Lipide (Öl) enthält, welche das Auge vor Austrocknung und Bakterien schützen.

Auch äussere Reizstoffe wie Staub, Rauch oder ständiges Augenreiben können zu einer chronischen Blepharitis führen.

Risikofaktoren für die Entstehung einer Blepharitis können folgende sein:

  • Virale Infektionen
  • Milben
  • Allergien
  • Diabetes mellitus
  • Erhöhte Talproduktion der Haut (Seborrhö)
  • Erhöhte Liddrüsensekretion (zu viel Tränenflüssigkeit): Dies trocknet die Lidrandhaut aus und reizt diese
  • Funktionsstörung der Meibom-Drüsen (Talgdrüsen) am Lidrand: Es wird zu wenig Talg produziert, dies führt zu trockenen Augen
  • Staub
  • Bildschirmarbeit
  • Zugluft und Wind
  • Chemische Substanzen: beispielsweise in Kosmetika
  • Rauch
  • Rosazea (chronische Hauterkrankung)

Das Krankheitsbild

Bei einer Blepharitis leiden die betroffenen Personen an Augenbrennen, geröteten, juckenden Augen, Fremdkörpergefühle in den Augen sowie an verklebten oder verkrusteten Lidrändern morgens nach dem Aufwachen.

Komplikationen

Bei adäquater Behandlung der Blepharitis ist diese Entzündung insbesondere die chronische Form zwar unangenehm aber nicht gefährlich.

Unbehandelt können jedoch folgende Komplikationen am Auge auftreten:

  • Chronische Bindehautentzündung
  • Narbenbildung am Lidrand
  • Ausfall der Wimpern

Wann braucht es den Arzt

Bei Augenproblemen ist ein Arztbesuch empfehlenswert, anhand der Befragung und des Untersuchungsbefundes mit der Spaltlampe, kann der Arzt die Diagnose einer Blepharitis stellen.

In folgenden Situationen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden:

  • Kontaktlinsenträger sollten immer einen Arzt aufsuchen, wenn eine Entzündung am Auge auftritt
  • Das ganze Augenlid ist zugeschwollen
  • Zusätzliche Krankheitssymptome wie: Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Fieber, geschwollene Lymphknoten
  • Zunehmend Schmerzen im Auge

Therapie

  • Konsequente Lidrandhygiene wie oben beschrieben
  • Benetzung und Befeuchtungstropfen für die Augen
  • Entzündungshemmende Augentropfen oder Salben
  • Bei akuten bakteriellen Infektionen: Antibiotika in Augencrème- oder Tablettenform.

 

Autoren: Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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