0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
Mo-Fr 8-18 Uhr  
 
Zur Übersicht
medicine 2.0

Blinddarmentzündung

Fachbegriff: Appendizitis

Aus dem Blinddarm, einem Teil des Dickdarms, stülpt sich rechts unten (Abbildung) in der Bauchhöhle ein 6 bis 12 cm langes wurm- oder fingerförmiges Anhängsel, der Wurmfortsatz oder die Appendix. Über dessen nach wie vor ungeklärte Bedeutung wurde früher viel spekuliert. („Rechts“ bezieht sich im medizinischen Sinn darauf, wie es die betroffene Person selbst sieht, also auf der Seite der rechten Hand.)
Die Appendizitis, die Entzündung dieses Dickdarmteils, ist die häufigste entzündliche Baucherkrankung überhaupt. Im 2. Lebensjahrzehnt tritt sie besonders oft auf; sie ist jedoch in jedem Alter möglich. Auch schwangere Frauen oder sehr alte Menschen können daran erkranken.

Appendizitis

Ursachen

Da der Wurmfortsatz als Anhängsel des Dickdarms eine „Sackgasse“ darstellt, können sich dort Speise- oder Stuhlpartikel liegen bleiben und zu einer Entzündung führen. In seltenen Fällen sind andere Krankheiten wie Tumore, verschiedene Darmentzündungen, Würmer oder Fremdkörper die Ursache. Vielfach findet sich gar keine Erklärung für das akute Geschehen.

Das Krankheitsbild

Akute Appendizitis

Der Krankheitsverlauf ist kurz, 6 bis 12 Stunden. Häufig sieht der Patient ein „schweres“, kaltes, vielleicht ungewohntes Essen oder ein Getränk als Ursache an.

  • Unwohlsein und diffuse Bauchschmerzen leiten die Krankheit ein, vielfach begleitet von Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung. Nach einigen Stunden verlagert sich der Schmerz in den rechten Unterbauch; bei Körperbewegungen wird er stärker, so dass der Erkrankte gern möglichst ruhig liegt. Zum Entspannen der Bauchwand werden oft die Beine angezogen, was die Schmerzen etwas lindert.
  • Bei Kindern ist hohes Fieber und Erbrechen häufig, bei Erwachsenen seltener.
  • Recht typisch ist eine schlecht verbrachte, unruhige und durch Schmerzattacken geprägte Nacht.

Komplikationen

  • Blinddarmdurchbruch: Der entzündete Wurmfortsatz kann „platzen“ (Perforation der Appendix). Bakterien gelangen dann in den Bauchraum, was eine lokal begrenzte Bauchfellentzündung (Peritonitis) hervorruft, die andere Organe in Mitleidenschaft ziehen kann.
  • Abszessbildung in der Bauchhöhle.
  • In beiden Fällen sind mögliche Folgen eine Sepsis („Blutvergiftung“) oder ein Darmverschluss, im günstigsten Fall „nur“ (harmlose) Verwachsungen in der Bauchhöhle.

Chronische Appendizitis

Obwohl die Appendizitis zumeist akut abläuft und rasch operiert wird, gibt es Fälle, in denen das Geschehen im Unterbauch nicht als besonders dramatisch empfunden wird und sich spontan wieder „beruhigt“. Allerdings kann dann nur spekuliert werden, ob tatsächlich eine Blinddarmentzündung bestand. Wenn solche Schmerzattacken sich wiederholen – was besonders bei Jugendlichen vorkommt – wird schliesslich die Appendix operativ entfernt. Zeigen sich anlässlich der mikroskopischen Untersuchung des Wurmfortsatzes Vernarbungen und Kaliberschwankungen, sind diese der nachträgliche Beweis für abgelaufene Entzündungsschübe.

Was man selbst tun kann – Wann braucht es den Arzt

Bei Verdacht auf Blinddarmentzündung muss ein Arzt beigezogen werden. Hat sich die Vermutung einer akuten Appendizitis bestätigt, sind die Hospitalisierung und operative Entfernung des Wurmfortsatzes, die Appendektomie, angezeigt.
Heute wird neben der klinischen Untersuchung des Patienten und Bluttests zunehmend der Ultraschall zur Diagnose eingesetzt.

Nach dem Entscheid zum Spitaleintritt sollte man ab sofort keine Nahrung und kein Getränk mehr zu sich nehmen. Ein leerer Magen vermindert das Komplikationsrisiko bei der Narkose. Die üblichen Medikamente – ausgenommen blutverdünnende Mittel – können jedoch mit einem halben Glas Wasser noch geschluckt werden.

Die Operation erfolgt in Vollnarkose, entweder mit einem kurzen Schnitt im Unterbauch oder minimal-invasiv (mittels Bauchhöhlenspiegelung, „Schlüssellochchirurgie“).

Chronische oder wiederkehrende „Reizungen“ der Appendix kommen vor, sind aber schwer zu diagnostizieren. Ihre Behandlung ist gewöhnlich weniger dringlich.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.