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Blutarmut

Fachbegriff: Anämie

Anämie bedeutet Verminderung des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) oder der Anzahl roter Blutkörperchen. Bisweilen ist auch die Zahl der weissen Blutzellen oder der Blutplättchen reduziert.

Die Aufgabe der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ist der Sauerstoff- und Kohlendioxidtransport im Blut. Dazu wird der Sauerstoff in den roten Blutkörperchen an das eisenhaltige Hämoglobin gebunden und von dort ans Gewebe abgegeben. Gebildet werden die Erythrozyten im Knochenmark. Ihre Lebenszeit beträgt etwa 120 Tage; Auf- und Abbau stehen normalerweise im Gleichgewicht.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen lassen sich in drei Hauptgruppen darstellen:

  • Gestörte Neubildung von Hämoglobin oder Erythrozyten: Mangelanämie entsteht durch Eisenmangel, durch Mangel an Vitamin B12, Folsäure, gewissen Mineralstoffen (insbesondere Kupfer) oder Eiweiss. Gefährdet sind Schwangere, alte Menschen, Magen- oder Darmkranke, extreme Vegetarier.
    Gestörte Bildung von Erythrozyten im Knochenmark ist verursacht durch genetische Faktoren, Leukämie und andere Tumore, chronische Infektionen, rheumatische Erkrankungen, chronische Nierenkrankheiten oder Niereninsuffizienz, Mangel an Hormonen, welche an der Entwicklung von roten Blutkörperchen beteiligt sind, Medikamente (Chemotherapeutika und andere), verschiedene toxische Substanzen.
  • Blutverlust, akut oder chronisch: Akut entsteht er nach grösseren Verletzungen oder Operationen, schleichend (chronisch) durch genitale Blutungen (insbesondere starke oder lange dauernde Regelblutung), Zwerchfellbruch (Hiatushernie), Magengeschwüre, Gastritis (Magenschleimhautentzündung), Hämorrhoiden, Darmkrebs und andere Krankheiten.
  • Beschleunigter Abbau von Erythrozyten, hämolytische Anämie: Ursachen sind angeborene Defekte von roten Blutkörperchen, Medikamente, Autoimmunerkrankungen, chemische Substanzen (auch Bleivergiftung), künstliche Herzklappen oder Infektionserreger.
  • In der Schwangerschaft entsteht durch die physiologische („normale“) Blutverdünnung eine relative Anämie.

Das Krankheitsbild

Die Beschwerden sind unterschiedlich – je nach Ursache und Verlauf.

  • Chronische Anämie: Eine leichte und langsam entstehende Blutarmut verursacht oft keine Beschwerden oder erst während körperlicher Anstrengung. Generell entwickeln sich die Symptome schleichend. Erkrankte sehen blass aus, fühlen sich schwach, müde und nicht mehr so leistungsfähig wie früher. Daneben treten verschiedentlich Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Kälteempfindlichkeit, Zungenbrennen, Atemnot und Herzrasen auf; bisweilen werden Fingernägel und Haare brüchig. Symptome der Grundkrankheit können hinzukommen, wie Sodbrennen oder Magen- und Darmprobleme. Bei zusätzlicher Verminderung der Anzahl weisser Blutkörperchen ist die Infektabwehr geschwächt, durch Reduktion der Blutplättchenzahl entstehen Gerinnungsstörungen.
  • Akute Anämie: Die Symptome machen sich hier sofort bemerkbar, nach einem grösseren Blutverlust sind sie oft dramatisch (bis zum Kreislaufschock).
    An Bluterbrechen, schwarzen, klebrigen Stuhlentleerungen („Pechstuhl“) oder Blutverlust aus dem After erkennt man eine grössere Blutungsquelle im Magen-Darm-Trakt.

Komplikationen, Folgen

Funktionseinbusse und Schädigungen innerer Organe, insbesondere von Herz und Lunge.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Mit einer ausgewogenen, vollwertigen Ernährung lässt sich Eisenmangel, die häufigste Ursache von Anämie, oft vermeiden. Entsprechendes gilt für Vitamin-, Mineralstoff- und Eiweissmangel.

Wann braucht es den Arzt

Bei Verdacht auf eine Anämie ist eine ärztliche Abklärung und gegebenenfalls Behandlung angezeigt. Es werden Blut- und nötigenfalls weitere Untersuchungen (Urin, Stuhl) veranlasst. Gelegentlich sind Knochenmarkspunktion (Entnahme von Knochenmark), Magen-Darmspiegelung oder verschiedene Röntgenverfahren nötig.

Die Therapie schliesst die Behandlung von Grundkrankheiten wie Infektionen, Tumore und Geschwüre mit ein.
Mangel an Eisen oder Vitaminen erfordert oft eine Ernährungsumstellung, eventuell auch eine Ergänzung durch Medikamente.
Ist die Anämie ausgeprägt oder besteht durch eine massive Blutung ein akuter Volumenmangel, können Bluttransfusionen nötig sein.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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