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Rinderwahnsinn

Fachbegriffe: Bovine Spongiöse Enzephalopathie, BSE

BSE ist eine der Prion-Erkrankungen, die im Tierreich vorkommen. Beim Rind wurde die Bezeichnung „Bovine Spongiöse Enzephalopathie“ gewählt, kurz BSE, im Volksmund Rinderwahnsinn genannt. Typische Symptome stellte man 1984 bei auffälligen Tieren in Grossbritannien fest, die Diagnose gelang jedoch erst 1986 und erst 1987 wurde darüber berichtet. Damals gab es in diesem Land bereits mehr als 400 Fälle und die Zahl stieg weiter an. Das Maximum wurde 1992 registriert mit mehr als 36‘500 erkrankten Rindern; ab 2002 sank die Anzahl wieder unter 1‘000.

In der Schweiz wurde BSE 1990 erstmals nachgewiesen und kurz danach, im Januar 1991, ein zweites Mal. Nach Zunahme der Fälle wurde 1995 mit 68 kranken Tieren das Maximum erreicht, 1998 waren es noch 14. 2004 und 2006 wurde je ein Fall registriert, 2005 keiner. (Quelle: Bundesamt für Veterinärwesen)

Ausserhalb von Europa diagnostizierte man BSE 2001 in Japan. Spätestens seit 1993 (importierter Fall) bzw. 2003 ist auch der amerikanische Kontinent nicht frei von BSE.

Begriffserklärungen

Bovin:

Das lateinische „bos“ (Genetiv bovis) heisst „Rind“. Bovin als Adjektiv bedeutet somit zum Rind gehörig, vom Rind.

Enzephalopathie:

aus dem Altgriechischen: εγκέφαλος (enkephalos), das Gehirn. Die Endung „-pathie“ steht für Leiden, Krankheit.

Inkubationszeit:

Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.

Prion:

aus dem englischen „protein and infection”.

Spongiös, spongiform:

schwammartig. Vom lateinischen „spongia“, der Schwamm.

Ursachen und Risikofaktoren

Vieles bleibt aus wissenschaftlicher Sicht noch ungeklärt. Die Infektion mit Prionen durch Verfüttern von verseuchten Tiermehlen gilt jedoch als nachgewiesen. Im Übrigen wurde zum Füttern offenbar auch verseuchtes Material von Schafen verwendet (Scrapie, s. Prion-Erkrankungen). Man vermutet indessen, dass BSE verschiedentlich schon früher bei Rindern vorgekommen ist, also bereits vor Ausbruch der Epidemie in Grossbritannien, allerdings in begrenzter Häufigkeit.

Die Widerstandsfähigkeit der Erreger gegenüber Erhitzen spielte eine folgenschwere Rolle, denn Prionen lassen sich durch übliche Sterilisationstemperaturen nicht vernichten und ebenso wenig durch gängige Desinfektionsmittel.

Das Krankheitsbild bei Tieren

  • Verhaltensänderungen: Unruhe, Überempfindlichkeit auf Licht, Berührung, Lärm.
  • Bewegungsstörungen: Zuckungen, unsicherer Gang, Stürze.
  • Abmagerung und verminderte Milchleistung.
  • Der Verlauf ist immer tödlich.

Bedeutung von BSE für Menschen

  • BSE betrifft das Tier, doch gilt die Übertragbarkeit von Prionen auf Menschen durch BSE-verseuchte Lebensmittel inzwischen als belegt. Analysen zeigten denn auch, dass die Prionen von BSE und jene der sog. varianten Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) sehr ähnlich sind. Endgültige Antwort auf viele Fragen konnten jedoch bis heute nicht gegeben werden, auch nicht darüber durch welche Tierprodukte (genau) die Krankheit übertragen wird (s. unten).
  • Die Zeit zwischen Übertragung des Erregers und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt Jahre bis Jahrzehnte.
  • In der Schweiz ist bislang keine vCJD diagnostiziert worden, trotz Nachweis von BSE bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Rindern.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Durch Massenschlachtungen und weitere Massnahmen konnte die Epidemie in England eingedämmt werden.
In der Bekämpfung von BSE spielte die Schweiz lange Zeit eine Vorreiterrolle.

  • Seit 2000 ist in ganz Europa ein Verfütterungsverbot für Tiermehle an Wiederkäuer in Kraft. Durch strenge Vorschriften, verschärfte Exportbestimmungen und das raschere Erkennen der Krankheit bei Nutztieren liess sich das Risiko von BSE-Neuerkrankungen drastisch eindämmen.
  • Hinsichtlich der Herkunft von Fleischprodukten besteht eine Deklarationspflicht. Eine Garantie betreffend Schutz vor Infektion ist dies aber nicht, weil – wie die Vergangenheit zeigte – auch illegal mit infizierten Rindfleischprodukten gehandelt und Herkunftsnachweise gefälscht wurden bzw. werden.
  • Zu meiden ist insbesondere der Verzehr von Hirn, Rückenmark, Augen und Innereien (Darm, Leber, Nieren, Milken) und von Produkten, in denen solche enthalten sein können (Wurstwaren). In der Schweiz werden die genannten Organe von geschlachteten Rindern ab einem bestimmten Alter vorsorglich entfernt und verbrannt.
  • Untersuchungen lassen vermuten, dass mit dem Verzehr von Muskelfleisch keine infektiösen Prionen übertragen werden, Beweise hierfür gibt es aber nicht.
  • Die Richtlinien werden laufend überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Bundesamt für Veterinärwesen (BVET)
    Tel. 031 324 04 42
    www.admin.ch (index_bse)

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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