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Bulimie

Bulimie ist – wie die Magersucht und Binge Eating – eine Störung des Essverhaltens. Sie ist gekennzeichnet durch Anfälle von Heisshunger oder Esslust und nachfolgendes Erbrechen (gewöhnlich selbst ausgelöst), teils auch gefolgt von Fastenkuren. Zudem werden häufig Abführmittel eingenommen. Gewichtsschwankungen sind üblich.

Wie die Anorexia nervosa (Magersucht) kommt die Bulimie überwiegend bei jungen Frauen vor, doch erkranken zunehmend auch Männer. Verschiedene Essstörungen können ineinander übergehen oder sich überlagern. Es wird geschätzt, dass in der Schweiz etwa 5% der Bevölkerung an Bulimie leiden, mit steigender Tendenz in den letzten Jahren.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Gründe werden in einer ungünstigen kindlichen Entwicklung, familiären Konflikten oder belastendem Erfolgsdruck gesehen. Gestörte soziale Beziehungen, Depressionen und Minderwertigkeitsgefühle, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und mangelndes Wahrnehmen seiner Signale sowie ein übertriebenes Schlankheitsideal begünstigen das Manifestwerden der Krankheit. Zudem vermutet man heute ein Mitwirken von genetischen Faktoren. Unmittelbarer Auslöser ist nicht selten eine Stresssituation, welche das natürliche Essverhalten stört. Betroffene können schwer mit Gefühlen umgehen und sehen zeitweise keine andere Möglichkeit, als Leere, Frust oder Anspannung mit Essen zu kompensieren. Als „Seelentröster“ genügt nicht mehr nur eine kleine Süssigkeit, sondern Tröster ist der Vorgang des Essens an sich.

Das Krankheitsbild

  • Im Vordergrund stehen die Anfälle von Heisshunger oder Esslust – auch nachts – mit Verzehr grosser Mengen oft kalorienreicher Speisen innerhalb einer kurzen Zeitspanne.
  • Episoden von unkontrolliertem Essens und nachfolgendem Erbrechen wechseln ab mit Fastenkuren, was die häufigen Gewichtsschwankungen erklärt. Bulimie-Kranke sind meist normal-, gelegentlich wenig übergewichtig. Sie nehmen sich selbst als zu dick wahr, und trotzdem kreisen die Gedanken stetig um das Thema „Essen“. Aus Furcht vor Übergewicht wird versucht, dieses durch, Abführ- und Entwässerungsmittel oder Appetitzügler zu vermeiden.
  • Folgen des wiederholt provozierten Erbrechens sind Entzündungen der Speiseröhre und der Speicheldrüsen sowie Zahnschäden. Beim Brechakt gerät saurer Magensaft immer wieder in Kontakt mit den Zähnen und greift deren Oberfläche an. Bakterien dringen in die schadhafte Zahnsubstanz ein und verursachen Karies und Zahnfleischentzündungen.
    Die Einnahme von Abführmitteln kann zusammen mit dem Erbrechen durch den Verlust an Mineralstoffen – namentlich Kalium, Magnesium und Kochsalz – zu Muskelschwäche oder zu Krämpfen und Herzrhythmusstörungen führen.
    Kälteempfindlichkeit, Menstruationsstörungen, Unfruchtbarkeit, Stimmungslabilität und Rückzug von sozialen Kontakten sind weitere mögliche Folgen.
  • Die meisten Bulimie-Kranken sehnen sich nach Anerkennung und sind besorgt, von der Umwelt nicht in jeder Hinsicht akzeptiert zu werden. Es besteht das Bedürfnis, das eigene Leben besser zu gestalten, was bei ausbleibendem Erfolg im Ernährungsverhalten „abreagiert wird“.
  • Essstörungen gehen oft einher mit anderen psychischen Krankheiten wie Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, besonders Angst- und Zwangserkrankungen, auch Abhängigkeit von Medikamenten oder Drogen.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Betroffene verheimlichen ihre Krankheit lange, vornehmlich wegen der Schamgefühle, die besonders nach den Ess-Brech-Anfällen aufkommen. Bei Verdacht sollte man sich deshalb nicht scheuen, Bulimie-Kranke auf das Problem anzusprechen. Die Erkenntnis der eigenen Situation und des gestörten Essverhaltens bilden die Grundlage für eine Heilung. Der erste Schritt ist eingeleitet, wenn sich die Betroffenen nach aussen öffnen, wenn die Hintergründe aufgedeckt sind und sich Möglichkeiten zeigen, die Ursachen zu beeinflussen.

Die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeitsstruktur, die es auch ermöglicht, mit den eigenen Gefühlen und Emotionen adäquat umzugehen, und ein gesundes Selbstbewusstsein sind Voraussetzungen, solche und ähnliche Erkrankungen zu vermeiden.
Familiäre Konflikte sollten möglichst nicht während des Essens ausgetragen werden.

Wann braucht es den Arzt

Die Bulimie verläuft in der Regel nicht lebensbedrohend. Die ärztliche Beurteilung von Folgeschäden, ein Ernährungsplan sowie psychologische Hilfe (Verhaltens-, Psychotherapie) sind wichtig, doch ebenso die Klärung der sozialen und beruflichen Situation.

Bei Bulimie-Kranken hat sich in den letzten Jahren die Verhaltenstherapie als geeignete Behandlung erwiesen. Daneben wird an manchen Kliniken und Zentren vornehmlich mit Gruppen- oder Familientherapie gearbeitet. Insgesamt sind die Heilungsaussichten besser als bei der Anorexie, doch sind auch hier Rückfälle häufig.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE
    Effingerstr. 2
    Postfach 8333
    3001 Bern
    Tel. 031 385 00 00
    www.sge-ssn.ch
  • Selbsthilfe Schweiz
    Laufenstrasse 12
    4053 Basel
    Tel: 061 333 86 01
    www.selbsthilfeschweiz.ch
  • Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen AES
    Feldeggstrasse 69
    3032 Zürich
    Tel: 043 488 63 73
    www.aes.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 03.04.2017

 
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