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Schleimbeutelentzündung

Fachbegriff: Bursitis

Schleimbeutel erfüllen die Funktion einer Gleitschicht und eines Polsters. Sie befinden sich an Körperstellen, wo sich verschiedene Gewebe bei Bewegungen gegeneinander verschieben, insbesondere in Gelenknähe. Oberflächliche Schleimbeutel liegen dicht unter der Haut, am Ellbogen oder vor der Kniescheibe, wo man die aussergewöhnlich gute Verschiebbarkeit der Haut selbst nachprüfen kann. Andere sind eingebettet zwischen Knochen und Muskelschichten oder Sehnen, sind dort nicht zu sehen und im Normalfall auch nicht zu spüren. Beispiele: Schleimbeutel am Schulter- und am Hüftgelenk, in der Kniekehle, zwischen Achillessehne und Schienbein.

Neu entstehen Schleimbeutel an Stellen, wo stetiger Druck mit Reibung verbunden ist, wie über dem Knochenvorsprung an der Basis eines Hallux valgus.

Begriffserklärungen

Bursa, Bursae:

Schleimbeutel, der eine Reibung zwischen gegeneinander gleitenden Körperteilen verhindert. Seine glatte Innentapete sondert glitschigen Schleim ab.

Bursitis:

Entzündung eines Schleimbeutels. In der Folge wird vermehrt Schleim produziert, so dass sich die Bursa prall mit Flüssigkeit füllt und Spannungsschmerz hervorruft. In besonderen Fällen werden in ihre Wand Kalk oder Harnsäurekristalle eingelagert.

Bursektomie:

operative Entfernung einer chronisch oder rezidivierend entzündeten Bursa.

Rezidiv:

Rückfall, wiederholte Erkrankung: Adjektiv: rezidivierend.

Punktion:

Einstich zur Entnahme von Flüssigkeiten oder Gewebe zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken. Verb: punktieren.

Ursachen

  • Dauerreiz durch Druck und Scheuern: Die Bursitis tritt bei bestimmten Arbeiten an typischen Orten auf, so bei Fussbodenlegern oder Dachdeckern im Bereich der Kniescheibe, bei Büroberufen am (aufgestützten) Ellbogen, im Sport bei Langstreckenläufern unter der Achillessehne. Auch bei anderen Sportarten wie Volley- oder Fussball und Eishockey kommt es durch Überlastung manchmal zu einer Bursitis. An der Schulter ist oft ein Impingement-Syndrom der Auslöser.
  • Unfallfolge: nach Schlag oder Prellung. Wird der Schleimbeutel dabei eröffnet, besteht das Risiko einer Infektion und Vereiterung.
  • Rheumatische Erkrankungen: Insbesondere bei chronischer Polyarthritis und Gicht können die Schleimbeutel in Entzündungsvorgänge mit einbezogen sein. Verkalkungen oder Einlagerung von Harnsäurekristallen kommen vor.

Eine Bursitis am Ellbogen ist nicht mit dem Tennisellbogen zu verwechseln; bei letzterem handelt es sich um einen Überlastungsschaden am Ursprungsort der Vorderarmmuskeln.

Das Krankheitsbild

Die Bursitis tritt in der Regel überraschend auf, auch nach Tätigkeiten, denen man bisher jahrelang problemlos nachgegangen ist.

  • Ein unter der Haut liegender, leicht entzündeter Schleimbeutel zeigt sich als meist schmerzlose, weiche bis pralle, flüssigkeitsgefüllte Vorwölbung. Die Gelenkfunktion ist dann kaum gestört, ein reibendes Gefühl kann vorhanden sein.
  • Bei stärkerer Entzündung ist die Haut teigig, gerötet und überwärmt, die Stelle schmerzt, besonders bei Druck.
  • Schmerz kann die Bewegungen behindern. Beispiele: Ellbogen oder Knie können nicht mehr aufgestützt werden, das Gehen wird mühsam. Schwieriger zu interpretieren sind Schmerzen bei Reizung und Entzündung eines tiefliegenden, von aussen nicht sichtbaren Schleimbeutels. Je nach Ort kann die Bewegung eines Schulter- oder Hüftgelenks oder des Fussgelenks im Achillessehnenbereich schmerzhaft sein.
  • Bei Infektion der Bursa ist Fieber möglich.

Was man selbst tun kann

  • Die auslösende Aktivität sollte unterbrochen und erst dann wieder aufgenommen werden, wenn die Entzündung abgeklungen ist.
  • Kühlen der überwärmten Stelle mit entzündungshemmenden Salben oder Umschlägen.
  • Ruhighalten und wenn möglich Hochlagern der betroffenen Extremität. Dies fördert das Abschwellen und lindert damit die Schmerzen.

Wann braucht es den Arzt

Bei immer wieder neu auftretender Bursitis, bei starken oder anhaltenden Beschwerden und bei jedem Verdacht auf bakterielle Infektion des Schleimbeutels ist ein Arztbesuch angezeigt.

Diagnose

Sie wird mittels körperlicher Untersuchung und Krankengeschichte gestellt. Schmerz, der von einer tief liegenden, entzündeten Bursa ausgeht, lässt sich in der Regel erst mit einer Ultraschalluntersuchung zuordnen.

Therapie

  • Punktieren einer Bursa und Absaugen der Flüssigkeit gefolgt von einem Kompressionsverband und Ruhigstellen mittels Schiene bringt sofort Erleichterung. Oft sammelt sich jedoch nach wenigen Tagen wieder Flüssigkeit an, weshalb mit diesem Verfahren allein nicht in jedem Fall ein langfristiger Erfolg erwartet werden kann. Auch Elektrotherapie gewährt keine dauerhafte Heilung.
  • Nach wiederholten Entzündungs-Schüben in einer oberflächlich liegenden Bursa ist dauerhafte Heilung nur durch deren operative Entfernung (Bursektomie) zu erreichen. Das erneute Entstehen eines Schleimbeutels ist selten, aber nicht auszuschliessen.
  • Wenn die Bursa bei einem Unfall eröffnet wurde, entfernt man sie anlässlich der Behandlung der Wunde, um spätere Komplikationen zu vermeiden.
  • Die Behandlung eines tief liegenden, entzündeten Schleimbeutels erfolgt durch Elektrotherapie und Ultraschall, eventuell durch Spritzen eines kortisonhaltigen Präparates oder durch Bursektomie.

Vorbeugen

Vorbeugende Massnahmen sind oft aufwändig oder nicht möglich und werden in der Regel nur getroffen, um das Wiederauftreten einer eben durchgemachten Bursitis zu vermeiden. Bei Wiederaufnahme der auslösenden Tätigkeit sind schützende Behelfe sinnvoll, etwa Polster für die Knie oder anders konstruierte Laufschuhe. Gegebenenfalls empfiehlt es sich, die Technik des Bewegungsablaufs zu korrigieren.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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