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Check-up und Vorsorgeuntersuchung

Check-up bedeutet Aufnahme des körperlichen und allenfalls auch psychischen Ist-Zustands. Er findet statt, ohne dass im Moment eine bestimmte gesundheitliche Störung vorliegt, oder auch wenn bereits Krankheiten bekannt sind. Der Zweck liegt in einer Standortbestimmung und in prognostischen Aussagen bezogen auf individuelle Gegebenheiten.
Zu unterscheiden sind organbezogene und allgemeine Check-ups.

Ein allgemeiner Check-up wird vielfach zur Abklärung der beruflichen Eignung, Fahrtauglichkeit, anderer Fertigkeiten oder im Rahmen von Versicherungsabschlüssen durchgeführt. Der allgemeine Check-up deckt primär gesundheitliche Risikofaktoren auf, die entweder aus den Lebensumständen hervorgehen, oder aus bereits bestehenden Erkrankungen. Erfüllt ist sein Zweck, wenn schädliche Einflüsse erkannt, ausgeschaltet oder wenigstens minimiert und Risikofaktoren in die Lebensplanung einbezogen werden.

Bei konkreten Beschwerden und Symptomen wird in erster Linie punktförmig nach deren Ursache gesucht; fühlt sich jemand gesund und fit, ist die Untersuchung breiter angelegt. Dies erklärt den verhältnismässig grossen zeitlichen und apparativen Aufwand des Check-up und muss zur Frage führen, wie viel und was alles ein allgemeiner Check-up umfassen soll, nach seiner Aussagekraft und schliesslich nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Organbezogene Check-ups oder Kontrollen einzelner Organsysteme werden meist „Vorsorgeuntersuchungen“ genannt, wie sie die Gynäkologin, der Urologe, der Augenarzt durchführt. Dies erfordert in der Regel den Einsatz von Apparaturen, Röntgenbildern oder anderen bildgebenden Verfahren.
Beispiele von solchen Vorsorgeuntersuchungen sind:

  • Kontrolle des Augendrucks: ab dem 40. Lebensjahr alle 1 bis 3 Jahre.
  • Bei Frauen: Krebsabstrich. Mammographie bei erhöhtem Brustkrebsrisiko, gemäss Besprechung mit dem Arzt.
  • Bei Männern über 50 Jahren: jährliche Prostatauntersuchung.

Was wird untersucht

Für einen allgemeinen Check-up ist das Gespräch mit dem Arzt von zentraler Bedeutung. Es deckt allfällige Risiken auf und steht immer am Anfang. Eine gute Vorbereitung von Seiten des Ratsuchenden trägt bedeutend zum Erfolg bei. Für viele Check-ups werden daher vorbereitende Fragebogen verwendet, in die vor der eigentlichen Untersuchung bestimmte Lebensgewohnheiten und bekannte Krankheiten eingetragen werden. Auch der Impfstatus ist zu überprüfen.

Die körperliche Untersuchung umfasst die Inspektion der ganzen Haut und – soweit von aussen zugänglich – der inneren Organe. Apparative und Labor-Tests ergänzen die Untersuchung.
Wenn sich bestimmte Verdachtsmomente oder Risikofaktoren herauskristallisieren, wird der Arzt eine eingehende Abklärung und gezielte Spezialuntersuchungen veranlassen (Röntgen, Ultraschall, Darmspiegelung usw.).

Für jede Art von Check-up gilt: Aufs Geratewohl und ungefiltert alles technisch nur Machbare einzusetzen, wäre unmöglich, unrationell, unbezahlbar. Nicht zuletzt sind auch moderne Methoden für den Patienten mitunter belastend und nicht in jedem Fall risikolos – das bezieht sich auf Luftröhren- und Darmspiegelungen, wiederholte Exposition gegenüber ionisierenden Strahlen (Röntgen, Computertomographie), invasive Untersuchungen wie Angiographie und andere Röntgenkontrastuntersuchungen.

Es gibt also kein starres Schema, sondern der Arzt bespricht mit dem Patienten sein individuelles Programm. Aus diesem Grund wird hier darauf verzichtet, eine vollständige Liste der Untersuchungen zu erstellen, dies umso eher, als in Ärztekreisen keine Einstimmigkeit darüber besteht, was genau ein Check-up zu umfassen hat.
Angesichts der vielen Möglichkeiten ist es empfehlenswert, dass sich der Ratsuchende selbst Gedanken darüber macht, was ihm wichtig ist, und dass er dies auch mitteilt.

Aufdecken von Risikofaktoren

Erkannte Risikofaktoren ermöglichen die gezielte Suche nach noch unentdeckten Auswirkungen; einige lassen sich vom Patienten selbst durch Änderung der Lebensgewohnheiten eliminieren.

Familiäre Risikofaktoren

Sie beziehen sich auf gewisse Krankheiten in der Blutsverwandtschaft (Mutter, Vater, Onkel, Tante, Grosseltern, Geschwister):

Persönliche Risikofaktoren

Sie resultieren aus den Lebensumständen oder als mögliche Folge bereits bestehender Krankheiten. Einige Beispiele sind:

  • Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, ungesunde Essgewohnheiten wie fettreiche oder einseitige Ernährung, Übergewicht.
  • Sehr helle lichtempfindliche Haut, viele Leberflecken.
  • Starke Kurzsichtigkeit.
  • Sorgen, Stress, beruflich, familiär.
  • Schon vorhandene Krankheiten, vor allem solche chronischer Art.

Resultat und Interpretation

Das Resultat ist eine Zwischenbilanz der bisherigen Lebensgeschichte und ermöglicht gewisse prognostische Aussagen. Unbedingt zu berücksichtigen ist jedoch: Ein eben erfolgter Check-up gibt keine Garantie und sollte nicht zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen. „Alles und Jedes“ offenbart ein Check-up nicht. Seinen Wert gewinnt er durch den bewussten Umgang mit den Resultaten.

Auf Grund des Ergebnisses wird entweder eine Behandlung eingeleitet oder besprochen, wann ein nächster Check-up sinnvoll ist. Dieser findet am besten beim gleichen Arzt statt, um blosse Momentaufnahmen zu verhindern. Die Vorgeschichte des Patienten ist ihm bekannt; er kann neue Resultate mit früheren vergleichen und gezielt vorgehen, wenn sich etwas geändert hat.
Wie sind nun die Resultate eines Check-up zu interpretieren, welche Bedeutung kommt ihnen zu?

Es liessen sich weder Risikofaktoren noch Krankheiten nachweisen

Der Lebensstil ist angemessen und genetische Faktoren (familiäre Risikofaktoren) bestehen nicht oder sind begrenzt. Konkrete Empfehlungen sind derzeit nicht nötig und der Check-up diente in erster Linie als Standortbestimmung. Die gesundheitliche Prognose hängt weitgehend vom Alter ab.

  • Bei einem jungen Menschen darf mit einiger Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass im Lauf der nächsten Jahre keine existenziell bedrohende Krankheit auftritt.
  • Labiler ist die Situation beim älteren Menschen, da sich bei ihm die Verhältnisse rascher ändern. Der 75-Jährige muss mehr als der junge befürchten, dass im kommenden Lebensjahr ein nicht heilbares Leiden neu auftritt, obwohl doch anlässlich der Vorsorgeuntersuchung alles zum Besten stand. „Altersentsprechend alles in Ordnung“ ist ein willkommener Befund, doch bezüglich der Prognose vorsichtiger zu interpretieren.

Es wurden Risikofaktoren aufgedeckt, die der Patient bisher selbst nicht kannte

Der Check-up war wertvoll, wenn entsprechende Konsequenzen gezogen werden, die das Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko positiv beeinflussen. Das heisst allenfalls:

  • Änderung von Lebensgewohnheiten (Rauchen, Alkohol, Gewicht, Bewegungsmangel). Sorgfältig auf den eigenen Gesundheitszustand achten.
  • Regelmässige gezielte Kontrollen, insbesondere wo eine familiäre Häufung bestimmter Krankheiten festgestellt wurde: Darm- oder Brustkrebs, Herz-Kreislauf- oder Zuckerkrankheit bei nahen Blutsverwandten; verdächtiger Gebärmutterhalsabstrich, vergrösserte Prostata.

Es wurde eine bisher nicht bekannte Erkrankung im Frühstadium entdeckt

Prognose und Heilungschancen sind besser, als wenn die Therapie erst in einem fortgeschrittenen Stadium beginnt. Die Behandlung ist meist auch weniger einschneidend. Die Untersuchung hatte in diesem Fall unmittelbar einen hohen Stellenwert.

Wer bezahlt was?

Check-ups und manche Vorsorgeuntersuchungen werden nicht von der obligatorischen Grundversicherung bezahlt.
Übernommen werden hingegen die Kosten für:

  • Gynäkologische Vorsorgeuntersuchung und Krebsabstrich – je nach Alter und Untersuchungsergebnis. Mammographie bei Frauen über 50 Jahren alle 3 Jahre oder „im Rahmen von Kampagnen“.
  • Bei Neugeborenen: übliche Tests wie Phenylketonurie, Galaktosämie und Hyperthyreose, ausserdem die Vitamin K-Prophylaxe gegen innere Blutungen. Ferner wird die Hüftsonographie (Ultraschall der Hüfte) übernommen, wenn diese vor der sechsten Lebenswoche stattfindet und von einem speziell in dieser Methode ausgebildeten Arzt durchgeführt wird.
  • Kleinkinder und Kinder: Vitamin D während des ersten Lebensjahrs und 8 Untersuchungen zur Gesundheit im Vorschulalter.
  • HIV-Test bei Neugeborenen, falls die Mutter HIV-positiv ist und allgemein bei Risikogruppen, falls gleichzeitig ein Beratungsgespräch stattfindet.
  • Impfungen: Übernommen werden die Grundimmunisierungen gegen verschiedene Krankheiten und Auffrischimpfungen bei Kindern sowie jene gegen Tetanus und Diphtherie alle 10 Jahre. Daneben die Grippeimpfung bei Personen über 65 Jahren und bei Menschen mit einer Grundkrankheit, bei welcher eine Grippe zu schweren Komplikationen führen kann.
  • Darmspiegelung: Bei familiär gehäuftem Dickdarmkrebs (mindestens 3 Personen im ersten Verwandtschaftsgrad oder 1 Verwandter vor dem 30. Lebensjahr).

Welche Vorsorgeuntersuchungen zusätzlich zu den Pflichtleistungen übernommen werden, kann jede Krankenversicherung selbst festlegen. Vorsorgeuntersuchungen, die von manchen Versicherungen im Rahmen von Zusatzversicherungen (Police beachten) bisweilen vergütet werden, sind etwa:

  • Regelmässige (jährliche) Krebsabstriche bei Frauen.
  • Check-ups, welche die Versicherung von ihren Kunden für den Abschluss gewisser Policen verlangt.

Manche Versicherer haben speziell benannte Angebote geschaffen, bei deren Abschluss auch bestimmte Präventionsmassnahmen übernommen werden. Bei der CSS Versicherung werden im Rahmen des „Gesundheitskontos“ 50 % der Kosten – bis CHF 500 jährlich – für gewisse präventive Massnahmen oder Kurse bezahlt. Diese Zusatzversicherung übernimmt auch Kosten für ärztliche Gesundheits-Check-ups, wenn diese ganzheitlich sind, sowie für Raucherentwöhnungskurse und Impfungen vor Auslandsreisen.

Vorsorgeuntersuchungen, die manche Unternehmen verlangen (zum Beispiel bei Piloten, Lokomotivführern) werden meist durch den Arbeitgeber vergütet.
Wird anlässlich des Check-up ein behandlungsbedürftiger Zustand erkannt, fallen weitere Untersuchungen und vom Arzt verordnete Behandlungen als Grundleistung zu Lasten der Krankenversicherung, unabhängig vom Abschluss einer Zusatzversicherung.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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